Archiv 1881. 4.
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No. 4.
Der Sextant.
Eine Studie aus der Prüfung von 700 Reflektions-Instrumenten auf der Seewarte
von M. JEylert.
Für den praktischen Seemann, welchen wir bei der Abfassung der nachfolgenden kleinen Abhandlung
besonders ins Auge fassten, handelt es sich bezüglich des ihm unentbehrlichen Sextanten vorzugsweise um
eine handgreifliche Angabe über die nachfolgenden Punkte:
1) Woher sind die besten Sextanten zu beziehen, und wie unterrichtet man sich beim Ankäufe eines
Sextanten auf die einfachste und zugleich zuverlässigste Weise über die mehr oder minder vorhandene
Güte des Instruments?
2) Worauf ist beim Gebrauche des Sextanten besonders zu achten, damit die unvermeidlichen Fehler
in der Messung nicht die für jeden besonderen praktischen Zweck innezuhaltende Grenze übersteigen?
3) Wie sind die Fehler des Sextanten mechanisch auf ein geringes Maass zu reduziren, und wie sind
die endlich noch zurückbleibenden Fehler, ihrer Grösse und Wirkung auf die Winkelmessung nach, zu be
stimmen? —
In der vorliegenden Arbeit ist der Versuch gemacht, in erster Linie diese Fragen zu beantworten.
Dieselbe ist keine gründliche Abhandlung über die Theorie des Sextanten und seiner Fehler. Bezüglich
einer solchen verweisen wir auf die bekannten Lehrbücher der Navigation und ganz besonders auf: „Bohnen-
lerger, Anleitung zur geographischen Ortsbestimmung“ und „Saiuitsch, Abriss der praktischen Astronomie.“
Es würde uns erfreuen, wenn auch diejenigen, welche mit der erwähnten Theorie vollständig vertraut
sind, in unserer Abhandlung noch einige kleine, aus der Praxis der Prüfung von über 700 Reflektions-
Instrumenten hervorgegangene Fingerzeige finden sollten, die ihnen nicht werthlos erscheinen.
Die Instrumente zur Winkelmessung kann man füglich eintheilen in solche, welche nur auf festen
Gestellen zur Anwendung gebracht werden können, und in solche, mit welchen man auch aus freier Hand,
ohne Benutzung irgend eines Stativs, beobachten kann.
Die ersteren, welche sich naturgemäss nur zu Beobachtungen auf festem Lande eignen, gestatten nur
Winkel entweder in der Horizontalebene, oder in der Vertikalebene zu messen; während die zweiten auch
zur See Anwendung finden können und Winkel in jeder beliebigen Ebene zu messen erlauben. Als Reprä
sentanten der ersten Gattung nennen wir den Theodolit und das Uni versal-Instrument, während die Instru
mente letzterer Gattung, je nach der Grösse ihres getheilten Bogens den Namen: Kreis, Sextant oder
Oktant führen.
Das Prinzip der Winkelmessung mit dieser letzteren Art von Instrumenten, den sogenannten Reflek-
tions-Instrumenten, beruht auf dem Gesetze, dass das von einem Spiegel reflektirte Bild eines Gegenstandes
bei einer Drehung des Spiegels um sich selbst einen Kreisbogen von doppelter Grösse der stattgehabten
Drehung des Spiegels beschreibt. Liest man demnach die Grösse des Winkels, um welchen ein Spiegel
gedreht wurde, auf einem getheilten Kreise direkt ab, so ist der Bogen, um welchen sich während dieser
Drehung das Spiegelbild eines Gegenstandes fortbewegt hat, gleich dem Zweifachen dieser Ablesung. Man
giebt daher dem Theilkreise der Reflektions-Instrumente gleich eine solche Eintheilung, dass auf derselben