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-die Lichtstrahlen, welche in das Fernrohr gelangen, auf den grossen Spiegel fallen, wenn dieser genau
parallel zum kleinen Spiegel gestellt ist (Index des Nonius auf Null der Theilung), muss 15° betragen.
Demzufolge wird in jedem Falle der Winkel OaF — 15° + sein, wenn wir durch w wieder den am
Sextanten abgelesenen Winkel bezeichnen.
Führen wir danach die Berechnung des Spiegelfehlers unter der Annahme, die beiden Flächen des
grossen Spiegels seien um 1" gegen einander geneigt, für die verschiedenen mit dem Sextanten zu messen
den Winkel aus, so erhalten wir z. B. für w = 0:
Spiegelfehler = x = 3" sec 15° Vl — 4 / 9 sin 15° 2 — 3".
Ebenso für w = 10°: * = 3" sec 20° V1 — 4 / 9 sin 20° 2 = 3" u. s. w.
Wollen wir uns aber für alle möglichen Werthe von « und w Korrektions - Tabellen berechnen,
so dürfte es zweckmässig sein, zunächst für jeden Werth von w, von 10 zu 10 Graden, den Werth
3* eC (l5° + f-)x\/l — 4 /# sin ^15° + zu berechnen. Wir erhalten dann, wenn wir diesen Faktor,
mit welchem a nur noch zu multipliziren ist, durch f bezeichnen:
> = 3.06
10° — 3.11
20° = 3.18
30° = 3.27
w f
40° — 3.B»
50° = 3.64
60° = 3.74
IV f
70° = 4.01
80° = 4.38
90° — 4.90
w f
100° = 5.66
110° = 6.84
120° — 8.87
und hieraus unter der Annahme a — 1" folgende Werthe für den Spiegelfehler:
w 0° 10° 20° 30° 40° 50° 60° 70° 80° 90° 100° 110° 120°
3" 3'' 3" 3" 3" 4" 4" 4" 4" 5" 6" 7" 9"
Der Spiegelfehler bei w — 0° bedingt nun offenbar auch eine um diesen Betrag falsche Bestimmung
des Iudexfeblers, oder vielmehr, man kann sagen, dass dieser Theil der Spiegel-Korrektion bereits im
Indexfehler mit enthalten sei. Wollen wir daher eine Korrektions-Tabelle für den Spiegelfehler entwerfen,
so haben wir in vorstehender Tabelle noch von allen Spiegelfehlern diesen konstanten Theil zu subtrahiren,
und wir erhalten als schliessliche Korrektions-Tabelle für den Spiegelfehler eines Sextanten, bei welchem
die Flächen des grossen Spiegels um 1" gegen einander geneigt sind, folgende Werthe:
w 0° 10° 20° 30° 40° 50° 60° 70° 80° 90° 100° 110° 120°
Korrektion 0" 0” 0" 0" 0" V 1" 1" 1" 2" ¥' 4" 6"~
Aus unserer obigen Figur ist nun sofort ersichtlich, dass in dem dort angenommenen Falle, wo der
dickere Theil des grossen Spiegel dem einfallenden Lichtstrahle zugekehrt ist, also vom Limbus abgewendet
liegt, die Winkel mit dem Sextanten zu klein gemessen werden, so dass die gefundene Korrektion zur
Messung zu addiren sein wird. Bei einer etwaigen Umkehrung des grossen Spiegels würde die Korrektion
offenbar das umgekehrte Vorzeichen erhalten. Aus diesem Grunde wird in den von der Seewarte über
die Prüfung von Sextanten ertheilten Zertifikaten der Spiegelfehler stets mit dem Vorzeichen + angegeben
und in einer beigefügten Bemerkung gesagt: „Für die jetzige Lage des grossen Spiegels gilt bei der
Korrektion für den Spiegelfehler das Vorzeichen +“, oder „Für die jetzige Lage des grossen Spiegels gilt
bei der Korrektion für den Spiegelfehler das Vorzeichen —“. Damit nun aber nicht etwa von Mechanikern
bei Reparaturen am Sextanten der Spiegel umgekehrt werde und zwar ohne Vorwissen des Beobachters,
wodurch dann dieser in die Lage kommen würde, wenn er das bisherige Vorzeichen der Spiegel-Korrektion
beibehält, einen Fehler von doppeltem Betrage derselben zu begehen, kann nicht dringend genug an
empfohlen werden, die eine Ecke des grossen Spiegels stets in irgend einer Weise, etwa durch ein ein
geritztes Kreuz zu kennzeichnen, so dass sich der Beobachter jeden Augenblick davon überzeugen kann, ob
der Spiegel noch diejenige Lage hat, welche die Anwendung des von ihm gebrauchten Vorzeichens recht
fertigt. Würde z. B. allgemein das dicke Ende eines Spiegels durch ein Kreuz gekennzeichnet, so würde
eine solche Kontrolle sehr leicht ausführbar sein. Zu dem Zwecke wird schon jetzt in den Zertifikaten