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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1914. 
weisen. Mit Ausnahme der Wintermonate, die sonst im allgemeinen die tägliche 
Periode am wenigsten zu zeigen pflegen, könnte man für die nördlichen und 
nordöstlichen Winde das Gegenteil zeigen; sie haben durchweg das Maximum 
ihrer Häufigkeit am Nachmittag. In den Herbst- und Wintermonaten wehen die 
südöstlichen Winde am häufigsten gegen 82V oder 9b V, im Frühling und Sommer 
dagegen in den späten Nachmittagsstunden. Der Südwind, der also gegen Mittag 
am zahlreichsten beobachtet werden sollte, zeigt im allgemeinen ein Maximum 
in den frühen Morgenstunden, vor allen Dingen im Sommer, Der Südwest hat 
mit ziemlicher Regelmäßigkeit seine größte Häufigkeit gegen 10 Uhr vormittags. 
Die Westwinde überwiegen das ganze Jahr hindurch in den Nachmittagsstunden. 
Das Maximum des Nordwest zeigt keine Tendenz zu irgendeiner bestimmten 
Zeit; es liegt teils vormittags, teils am Nachmittag. Hiermit dürfte der 
Nachweis erbracht sein, daß das Gesetz der Drehung der Winde mit 
der Sonne im Laufe des Tages für Küstenstationen wenig oder gar 
keine Gültigkeit hat. 
Zu denselben Resultaten gelangte auch Hugo Meyer in’ seiner Arbeit über 
die Winde zu Keitum auf Sylt (»Ann. d. Hydr., Bd. XVIII. 1890«). Auch er konnte 
für diese Station nur eine schwache Drehung der Winde feststellen und er sieht 
auch den Grund dafür in der maritimen Lage des Ortes, »Sollte sich,« so sagt 
Großmann !), der ebenfalls zu diesem Ergebnis gelangt ist, »wie es nach Hann 
wahrscheinlich ist, durch die Sonne hervorgerufen, noch eine der Richtung nach 
variable Sonderströmung überlagern, so müßte diese an Größe gegen die Meeres- 
winde zurücktreten.« 
Vielmehr läßt sich bei der Betrachtung der Windhäufigkeit eine andere 
Gesetzmäßigkeit feststellen, wie sie auch infolge des Einflusses des Meeres her- 
vorgerufen wird. Durch die Ungleichheit der Insolation und Ausstrahlung ver- 
ursacht, werden wir auch in Wustrow das zu erwarten haben, was wir im all- 
gemeinen als See- und Landwinde zu bezeichnen pflegen, und zwar erstere vom 
Morgen bis zu den Nachmittagsstunden zunehmend, letztere hingegen während 
dieser Zeit abnehmend, um dann während der Abend- und Nachtstunden zuzu- 
nehmen. Für Wustrow kommen als Seewinde solche aus Südwest bis Nordwest, 
als Landwinde solche aus Nordost bis Südwest in Betracht. Die Tabellen 3 
bis 6 zeigen zu allen Jahreszeiten, mit Ausnahme vielleicht des Win- 
ters, deutlich ein Maximum der Seewinde zu der angegebenen Zeit, 
die Landwinde ein solches, teils in den späten Abend- teils in den 
[rühen Morgenstunden. Bei den Richtungen aus Nordwest bis Nordost ist 
das Verhältnis weniger ausgeprägt, sie zeigen einerseits die Eigentümlichkeiten 
der Land-, andererseits die der Seewinde. 
Die Windstillen. Für die einzelnen Monate ist die Häufigkeit der Wind- 
stillen in der folgenden Tabelle gegeben. 
Häufigkeit der Windstillen (1887 bis 1910) in Prozenten der Beobachtungen (Wustrow). 
„ | 8 a} a 14 
& E Sl + | = ) 8 se + 
Sl Els8l312 1 BE E:2 23 & 
3113 1 715 a | 3 | 718 5 | 3 
z E SE S = X S 
| 31 LEE LS 137 3 
Mittelzahlen | *3.4 | 42 | 391 49 | 58 | 89 | 791 z7 | s9| 8ı| 52 | 55 
Juni und September, und weiterhin Oktober und Juli sind demnach die 
Monate mit der größten Anzahl von Windstillen; hingegen ist die geringste An- 
zahl im Januar, Februar und März zu verzeichnen, Wir haben also ein Maximum 
der Windstillen im Sommer und Herbst, ein Minimum für Winter und Frühling. 
Für die Jahreszeiten berechnet ergeben sich folgende Prozentzahlen: 
Winter 4.4%., Frühling 4.9%, Sommer 8,2%, und Herbst 7.4°%,. Winter 
und Frühling registrieren also zusammen nur ungefähr halb soviel Stillen wie 
1) L. Großmann: Die Drehung der Winde an der deutschen Küste im täglichen und jähr- 
lichen Gang. Aus dem »Archivr der Deutschen Seewarte«. Jahrgang XXVI. 1903. Nr. 4.
	        
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