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Full text: Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 4 (1881)

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Gläser, bei denen die Intensität der Färbung noch ein deutliches Bild des Mondes erkennen lässt, jedes 
mit einem bereits früher als richtig befundenen Glase zusammen genommen untersucht hat, setzt man die 
selbe Untersuchung ganz in derselben Weise bei der Sonne fort und überzeugt sich dadurch von der Plan 
parallelität der dunkleren Gläser, indem man jedes derselben zugleich mit einem oder mehreren der bereits 
am Monde als richtig befundenen Gläser zugleich vorschlägt. Da man indess den Vollmond nicht immer 
zur Verfügung hat, kann man auch an der Sonne allein die Untersuchung in folgender Weise ausführen. 
Dem Fernrohre ist ein Blendglas beigegeben, welches vor das Okularende desselben geschraubt wird. Da 
die Lichtstrahlen aus dem Fernrohr durch dasselbe rechtwinklig zu seiner Fläche hindurchgehen, so ist 
eine genaue Planparallelität desselben nicht erforderlich. Bringt man also unter Anwendung dieses Glases 
die direkt gesehene Sonne mit ihrem doppelt reflektirten Bilde in Kontakt, so kann man annehmen, der 
Kontakt werde ohne Anwendung von farbigen Gläsern ebenso beobachtet werden. Schlägt man nun die 
helleren Gläser, eins nach dem anderen vor, so wird man, wenn die Blende nicht zu dunkel ist, noch 
genau den Kontakt der Sonnenbilder bezw. eine Aenderung desselben erkennen können. Damit aber wird 
die Prüfung dieser helleren Gläser bewirkt, und erfolgt nun die Prüfung der dunkleren genau so wie vorhin 
angegeben. 
Zeigt sich nun bei einer derartigen Untersuchung, dass eins oder mehrere der gefärbten Gläser nicht 
von parallelen Ebenen begrenzt sind, also prismatische Gestalt haben, so sind dieselben deshalb noch nicht 
immer zu verwerfen. Da nämlich die farbigen Gläser ihre Stellung zu den durch sie hindurchgehenden 
Lichtstrahlen nicht ändern, so folgt, dass die Lichtstrahlen stets dieselbe, und eine nur kleine Stelle der 
selben bei ihrem Durchgänge treffen werden. Löst man also ein als prismatisch erkanntes Glas in seiner 
Fassung und dreht es innerhalb derselben um seine Axe, so wird bei dieser Drehung in den meisten Fällen 
eine solche Lage des Glases sich finden lassen, welche für den geringen Raum, den es den Lichtstrahlen 
zu bieten hat, hinreichend planparallel ist. Will man das Loslösen der Fassung und das Drehen der Gläser 
nicht vornehmen, weil dieselben dabei, wenn nicht sehr behutsam verfahren wird, leicht zerbrechen, so kann 
man auch mit Hülfe der unrichtigen Gläser richtige Resultate erzielen. Weil, wie oben gesagt, die Gläser 
ihre Stellung zu den Lichtstrahlen nicht ändern, so wird der durch sie entstehende Fehler auf alle Messungen 
in gleichem Betrage übergehen, also auch auf den Indexfehler. Hat man also eine Beobachtung unter 
Anwendung prismatischer Gläser gemacht, so hat man nur den Indexfehler mit denselben Gläsern zu 
bestimmen und ihn in Rechnung zu ziehen, um den Fehler der Gläsej völlig zu eliminiren. 
Da die Schärfe einer Beobachtung wesentlich von der Disposition des Auges abhängig ist, und man 
z. B. mit ermüdeten oder überangestrengten Augen niemals gute Beobachtungen machen wird, so sollte man 
auf die richtige Wahl der Blendgläser die grösste Sorgfalt verwenden. Am wohlthuendsten wirken für die 
Augen die sogenannten rauchfarbigen oder neutralen Verdunklungsgläser, welche die Eigenschaft' haben, 
von sämmtlichen Lichtstrahlen (roth, orange, gelb, u. s. w.) gleich viele zu absorbiren und durchzulassen, 
so dass durch sie betrachtet das Sonnenlicht nahe weiss (rauchfarbig) erscheint. Es kann daher die 
immermehr in Aufnahme kommende Verwendung dieser Gläser, trotz ihres etwas höheren Preises gegenüber 
den einfarbigen Gläsern, nur dringend empfohlen werden. 
Vom Einflüsse, den ein Fehler in der senkrechten Stellung der Spiegel, oder in der Lage des 
Fernrohrs auf die mit dem Sextanten gemessenen Winkel ausübt*). In Figur 6 stelle MANQ die 
Ebene des Sextanten, welche wir als mit dem Scheinbaren 
Horizont zusammenfallend ansehen wollen, dar. Im Mittel 
punkte 0 liege der Drehungspunkt des grossen Spiegels des 
Sextanten. Nehmen wir nun an, das Fernrohr des Sex 
tanten sei gegen die Ebene desselben geneigt und zwar 
beispielsweise mit dem Objektivende nach oben. Das Fern 
rohr wird aldsann nach einem Punkte, etwa A, gerichtet 
sein, welcher oberhalb des Horizonts liegt. Der Haupt 
kreisbogen AM _L MANQ stellt uns dann die Grösse des 
Winkels dar, um welchen das Fernrohr gegen die Sex 
tanten-Ebene geneigt ist. Diesen Winkel wollen wir mit 
i bezeichnen. Wir denken uns nun auf der Ebene des 
*) Nach Sawitsch „Abriss der praktischen Astronomie.“ 
Fig. 6. 
Z
	        
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