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striche liegt, so ist in dem oben vorausgesetzten und meistens zutreffenden Falle, dass der Nonius ausser
halb des Limhus, d. h. weiter vom Mittelpunkte desselben entfernt liegt, als dieser selbst, der Nonius nicht
weit genug auf die Theilung geschoben. Im anderen Falle, wo der Nonius, wie bei mehreren älteren Sex
tanten, an der inneren Seite des Limbus liegt, ist er aber alsdann zu weit auf die Theilung geschoben.
Das Umgekehrte ist der Fall, wenn der
Fig. 5.
letzte Strich des Nonius, wie neben
stehend angegeben, über den entsprechen
den Theilstrich des Limbus hinausgebt.
Es leuchtet sofort ein, dass man in dem
Falle, welchen die Figur 4 darstellt, auf
dem Nonius eine zu grosse Ablesung
machen wird, indem, wenn man sich
den Nonius noch über die linke Grenze
hinaus fortgesetzt denkt, erst bei mehr als 10' die Koinzidenz stattfinden würde, während doch der
Index genau auf 10' zeigt. Im anderen Falle, welchen Figur 5 darstellt, wird man dagegen auf dem
Nonius eine zu kleine Ablesung machen. Bestimmt man daher die Grösse der Abweichung von der Koin
zidenz beim letzten Striche des Nonius, wenn der erste Strich desselben, der Index, genau koinzidirt, oder
was dasselbe ist, die Abweichung des Index von der Koinzidenz, wenn der letzte Strich genau koinzidirt,
so ist man im Stande für diesen Fehler an die mittelst des Nonius gemachten Ablesungen eine Korrektion
anzubringen. Eine genaue Bestimmung dieser Grösse ist aber nur ausführbar, wenn, wie es bei neueren
und besseren Instrumenten häufig der Fall ist, dem Index noch Theilstriche vorangehen; anderenfalls kann
dieselbe nur geschätzt werden. Gehen — wie in der Figur 4 und 5 — dem Index Theilstriche voran, und
findet die Koinzidenz beispielsweise beim dritten, dem Index vorangehenden Theilstriche statt, während
der 10-Minuten-Strich genau auf eine Koinzidenz eingestellt ist, so würde offenbar, wenn der Index genau
zur Koinzidenz gebracht würde, die nächste Koinzidenz erst bei 10' 30" stattfinden (den Nonius nach links
hin verlängert gedacht). Man würde daher bei 10' Ablesung auf dem Nonius einen Fehler von 30", d. h.
bei einer Minute Ablesung auf dem Nonius einen Fehler von 3" machen. Demnach wird man in diesem
Falle von einer jeden Ablesung 3mal soviele Sekunden zu subtrahiren haben, als man Minuten auf dem
Nonius abgelesen hat. Ganz analog wäre in allen anderen Fällen zu verfahren. Hierbei ist natürlich
der Fall ausgeschlossen, wo die Nichtkoinzidenz des letzten Striches des Nonius ihren Grund lediglich in
einer falschen Ausziehung dieses Striches selbst hat. Ob dem so ist, bezw. ob auch andere Striche des
Nonius und des Limbus falsch ausgezogen sind, davon überzeugt man sich dadurch, dass man bei jeder
der oben erwähnten Einstellungen des Index den ganzen Nonius entlang die einzelnen Striche verfolgt und
genau darauf achtet, ob die Zunahme in der Abweichung von der Koinzidenz der Striche auf dem Nonius
und dem Limbus von rechts nach links eine gleichmässige ist.
Findet man bei der Untersuchung über die gleichzeitige Koinzidenz beim ersten und letzten Striche
des Nonius, dass bei den verschiedenen Einstellungen des Index des Nonius am Limbus die Grösse der
Abweichung des letzten Striches eine verschiedene ist, so sind entweder Theilungsfehler vorhanden, oder
das Instrument ist, wie wir weiter unten sehen werden, mit einer beträchtlichen Exzentrizität behaftet.
Untersuchung der gefärbten Gläser. Zur Abschwächung des zu grellen Lichtes der Sonne und theil-
weise auch des Mondes bei Messungen der Distanzen des Mondes von Sternen, sowie der von der Sonne
zu grell erleuchteten Kimm auf See dienen die Rückschatten- und Verdunklungsgläser, von welchen die
ersteren vor dem grossen Spiegel, die letzteren vor dem kleinen Spiegel (G und g in Figur 1) angebracht
sind. Wenn diese Gläser nicht von parallelen Ebenen begrenzt sind, so wird beim Hindurchgehen der
Lichtstrahlen durch dieselben der austretende Strahl nicht mehr parallel zum einfallenden sein. Die Unter
suchung auf diese Planparallelität hin erfolgt am besten in folgender Weise. Zur Zeit, wenn der Mond
nahe voll ist, bringt man mit dem Sextanten, ohne die gefärbten Gläser zu benutzen, den direkt gesehenen
Mond und sein doppelt reflektirtes Bild in Kontakt. Mit Ausnahme der Stunde des Vollmondes selbst muss
dabei natürlich das Instrument vertikal gehalten werden. Alsdann schlägt man das eine der hellsten Gläser,
welche gewöhnlich grün gefärbt sind, vor, und sieht ob dadurch der Kontakt geändert wird. Findet dieses
nicht statt, so ist das Glas als fehlerfrei anzusehen. Nun wird das andere der hellsten Gläser vorgeschlagen
und wiederum nachgesehen, ob eine Aenderung des Kontaktes stattfand. Indem man so die verschiedenen