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Full text: Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 4 (1881)

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der Abweichung des Mittels beider Ablesungen von Null, also gleich dem halben Unterschiede beider Ab 
lesungen sein. Wären beispielsweise bei der Berührung beider Sonnenränder folgende Ablesungen erhalten: 
Links von Null 33' 10", 
Rechts von Null 31' 0", 
so würde das Mittel beider Ablesungen = 1' 5" links von Null sein. Es beträgt daher die Korrektion für 
den Indexfehler —1'5". — Bei den etwaigen Ablesungen: 
Links von Null 30' 20" 
Rechts von Null 33' 50" 
würde dagegen die mittlere Ablesung = 1' 45" rechts von Null, d. h. die Instrumental-Ablesungen mit einer 
Korrektion von + 1'45" für den Indexfehler behaftet sein. 
Dieses Verfahren bietet zugleich eine gewisse Kontrole über den Grad der Genauigkeit des so ge 
fundenen Indexfehlers, indem der zwischen beiden Ablesungen liegende Bogen offenbar der doppelten Winkel 
grösse des Sonnen - Durchmessers entspricht. Im ersteren Falle würde demnach der doppelte Sonnen- 
Durchmesser zu 64'10", d. h. der Sonnen - Durchmesser zu 32'5", im letzteren Falle ebenfalls zu 32'5" 
erhalten. Dieser Werth muss nun, wenn die Beobachtungen gut sind, mit dem doppelten Sonnen-Halbmesser, 
wie er für das betreffende Datum im Nautischen oder Astronomischen Jahrbuche angegeben ist, überein 
stimmen. In Folge der Irradiation des Lichts, welche bewirkt, dass unserem Auge hell erleuchtete, glänzende 
Körper oder Flächen grösser erscheinen als dunklere Gegenstände, wird man meistens auf diesem Wege 
einen etwas grösseren Werth für den Sonnen-Halbmesser finden, als der im Jahrbuche angegebene. 
Es mag hier noch am Orte sein, hervorzuheben, wie in Folge der etwas abweichenden Konstruktion 
des Auges bei verschiedenen Personen, jeder Beobachter die Koinzidenz oder Berührung zweier Bilder 
etwas anders beobachtet und daher etwas verschiedene Einstellungen macht. Es ist daher nothwendig, 
dass jeder Beobachter selbst sich den Indexfehler bestimmt, und bei seinen Beobachtungen nur den von 
ihm selbst gefundenen Indexfehler in Rechnung zieht; alsdann erst können die Messungen verschiedener 
Beobachter unter einander übereinstimmen. 
Um den Indexfehler in Fällen, wo er eine zu beträchtliche Grösse annimmt, auf mechanischem Wege 
fortschaffen oder doch verringern zu können, befindet sich am kleinen Spiegel eine Vorrichtung, denselben 
um seine vertikale Axe drehen und ihn damit, wenn der Index der Alhidade auf Null eingestellt ist, genau 
parallel zur Horizontal-Axe des grossen Spiegels stellen zu können. Diese Vorrichtung besteht, abgesehen 
von veralteten, nur noch ganz vereinzelt vorkommenden anderen Konstruktionen, einfach aus einer hprizon- 
talen Schraube (s. Figur i), welche unten, an der einen Seite durch die Metallfassung des Spiegels hindurch 
geht und den Spiegel selbst berührt, während dieser durch eine kleine Feder an der anderen Seite der 
Fassung gegen die Schraube gedrückt wird. Es ist dann sofort klar, dass man durch Anziehen oder Lösen 
dieser Schraube die eine Seite des Spiegels mehr oder weniger gegen die Feder drücken wird, was eine 
Drehung des Spiegels um seine vertikale Mittelaxe zur Folge haben muss. Es darf indess dieses Verfahren 
der mechanischen Fortschaffung oder Verminderung des Indexfehlers nur in den allerseltensten Fällen zur 
Anwendung gebracht werden, wenn man nicht Gefahr laufen will, die ohnehin nur lockere Befestigung des 
kleinen Spiegels in seiner Fassung noch mehr zu lockern, bezw. die Schraubengänge der Korrektionsschraube 
auszuschleifen und damit unvorhergesehene Bewegungen derselben hervorzurufen, wodurch eine Quelle von 
Fehlern in das Instrument geschafft wird, die geradezu gefährlich werden kann. 
Es kann nicht genug auf die grosse Wichtigkeit der fortwährenden Neubestimmung des Indexfehlers 
hingewiesen werden, namentlich da nach den bisherigen Erfahrungen gerade in seemännischen Kreisen 
diesem Fehler häufig nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt wird. Man sollte stets bedenken, dass 
eine Vervielfältigung von Beobachtungen zur Ausgleichung der zufälligen, einer Beobachtung anhaftenden 
Fehler, völlig werthlos bleibt, so lange nicht der konstante Indexfehler, welcher einer jeden einzelnen 
Beobachtung ebenso wie einem Mittel aus vielen Beobachtungen in ganz gleichem Betrage anhaftet, aufs 
Genaueste bestimmt und in Rechnung gezogen ist. Sehr empfehlenswerth ist daher das bei Spiegelkreisen 
zuerst von Troughton & Simms in London, in neuerer Zeit auch von Julius Wan sch aff in Berlin 
zur Anwendung gebrachte Verfahren, bei diesen Instrumenten die Theilung vom Nullpunkte an nach beiden 
Seiten hin auszuführen und das Instrument selbst so einzurichten, dass man auch in umgekehrter-Lage 
desselben leicht damit zu beobachten im Stande ist. Misst man alsdann einmal in der gewöhnlichen Lage
	        
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