accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 3 (1880)

54

B.  Spezial-Bericlite
über  die  Thätigkeit  der  einzelnen  Abtbeilungen  und  ihre  Arbeiten.

VII.  Bericht  über  die  Thätigkeit  der  Abtheilung  I.
Maritime  Meteorologie.

Stand  der  maritim-meteorologischen  Arbeit  an  der  Deutschen  Seemarte.
Einleitende  Bemerkungen.  In  den  beiden  vorhergehenden  Jahresberichten  wurden  die  leitenden
Grundsätze,  welche  sich  für  die  Pflege  der  maritim-meteorologischen  Arbeit  als  zweckentsprechend  erwiesen
hatten,  in  so  umfassender  Weise  dargelegt,  dass  die  im  nachfolgenden  Berichte  enthaltenen  Darlegungen
ohne  Weiteres  verständlich  sein  werden.  Es  mag  hier  nur  auf  das  ernste  Bestreben  der  Direktion  Nachdruck ­
  gelegt  werden,  die  Organisation  der  einschlägigen  Arbeiten,  einmal  in  feste  Bahnen  gelenkt,  auch
darin  zu  erhalten,  indem  dabei  von  der  Ueberzeugung  ausgegangen  wurde,  dass  Nichts  so  sehr  den  ruhigen ­
  Fortgang  einer  weit  verzweigten  und  in  gewissem  Sinne  gross  angelegten  Thätigkeit  zu  stören  vermag,
als  ein  stetes  Aendern  zu  Gunsten  unerheblicher  Vortheile,  die  durch  eine  oder  die  andere  Aenderung  etwa
zu  erzielen  wären.  Wenn  dieser  Satz  im  Allgemeinen  als  richtig  anerkannt  werden  muss,  so  gewinnt  derselbe ­
  eine  besondere  Bedeutung  in  seiner  Anwendung  auf  den  Seemannsstand  und  seine  Arbeiten  von
wissenschaftlichem  Charakter.  Die  ganze  Natur  der  Thätigkeit  des  Seemannes  erheischt  ein  konservatives
Verhalten,  zumal  in  allen  Dingen,  welche  ihm  erst  im  späteren  Verlaufe  seiner  Berufstätigkeit  näher  gebracht ­
  wurden.  Diese  Bemerkungen  beziehen  sich  nur  auf  kleinere,  unwesentlichere  Aenderungen,  welche
etwa  in  der  Ausübung  einer  maritim-meteorologischen  Beobachtungs-Thätigkeit  hätten  beabsichtigt,  beziehungsweise ­
  durchgeführt  werden  können.  Anders  hegen  die  Dinge  in  Hinsicht  auf  Aenderungen  in  dem
Systeme  oder  prinzipieller  Natur,  und  es  dürfte  sich  empfehlen,  an  dieser  Stelle  die  für  die  Direktion  bei
der  Ablehnung  von  Aenderungen  dieser  letzteren  Art  bestimmenden  Gründe  flüchtig  anzuführen.  Es  bedarf
wohl  kaum  erst  des  besonderen  Hinweises,  dass  wir  hier  auf  die  Frage  der  Zweckmässigkeit  und  überhaupt
der  Durchführbarkeit  eines,  nach  absolut  gleicher  Zeit  eingerichteten  (Simultan-Zeit)  Beobachtungssystemes,
im  Gegensätze  zu  einem  solchen  nach  lokaler  (Schiffs-)  Zeit  anspielen.  Wer  mit  dem  Leben  des  Seemannes
am  Bord  eines  Kauffahrtei-Schiffes  vertraut  ist,  wird  ohne  Schwierigkeiten  erkennen,  dass  ein  Aufdringen
von  Beobachtungen  zu  einer  bestimmten  absoluten  Zeit  als  eine  grosse  Last  von  den  Betheiligten  empfunden ­
  werden  müsste.  Diese  Last  ist  so  erheblich,  dass  nicht  zuviel  gesagt  wird,  wenn  man  behauptet,  dass
selbst  eine  einmalige,  zu  einer  bestimmten  Simultan-Zeit  angestellte  Beobachtung  schwerer  empfunden  werden
würde,  als  die  gegenwärtig  gebräuchlichen  sechsmal  des  Tages  zu  den  bestimmten  Terminen  (Wachen)  ausgeführten ­
  Aufzeichnungen.  Diese  Bemerkungen  können  sich  natürlich  nur  auf  die  gegenwärtigen  Gepflogenheiten ­
  an  Bord  der  Kauffahrtei-Schiffe  beziehen,  und  zwar  finden  sie  besonders  Anwendung  auf  die  meteorologische ­
  Arbeit  an  Bord  der  Segelschiffe.  Bei  der  Wichtigkeit,  welche  gerade  die  aus  dieser  Quelle  fliessenden ­
  meteorologischen  Beobachtungen  haben,  würde  es,  milde  ausgedrückt,  unklug  sein,  die  nunmehr  in
vollem  Gedeihen  begriffene  Einrichtung  durch  eine  Aenderung  so  eingreifender  Natur  zu  gefährden.
Für  den  Fall,  dass  sich  mit  der  Aenderung  des  Charakters  der  Beobachtungs-Zeit  ein  wesentlicher
wissenschaftlicher  Vortheil  verbinden  liesse,  für  den  Fall,  dass  wir  in  der  meteorologischen  Forschung  lediglich ­
  die  Untersuchung  der  Einzelerscheinungen  zu  berücksichtigen  hätten,  liesse  sich  die  Einführung  einer
Simultan-Zeit  für  die  Beobachtungen  an  Bord  der  Schiffe  ernstlich  in  Erwägung  ziehen.  Allein  nur  eine
flüchtige  Prüfung  der  vielfach  verwirrend  wirkenden  Einflüsse  der  nach  Simultan-Zeit  dargestellten  Temperatur-Verhältnisse ­
  über  ein  ausgedehntes  Gebiet  auf  das  Erkennen  der  Vorgänge  in  der  Atmosphäre  muss
die  in  mancher  Hinsicht  zu  sichernden  Vortheile  in  zweifelhaftem  Lichte  erscheinen  lassen.  Andererseits
muss  doch  wohl  anerkannt  werden,  dass  es  sich  bei  den  meteorologischen  Forschungen  um  eine  Anzahl
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.