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Full text: Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 3 (1880)

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Am Morgen des 1. Januar liegt ein tiefes, aus dem südlichen Theile der Vereinigten Staaten gekommenes 
Minimum (A) über der Neufundlandsbank. Auf seiner Westseite herrschen nördliche Winde mit allgemeinem, 
an der Küste leichtem, im Inneren Cañadas aber starkem Frost (Quebec —17° C.); auf seiner Ostseite 
stürmische südliche Winde mit hoher Wärme, Kegen und theilweise Gewitter. Die Temperatur ist in der 
Nähe des Minimums 6° C., 400 Sm. davon nach W hin, in Nova Scotia, —4°, in derselben Entfernung nach 
SE von ihm aber +18°, nach den Beobachtungen von drei Schiffen. 
Die Grösse dieses Temperaturgegensatzes möchte man der von SSW nach NNE langgestreckten Form 
der Depression zuschreiben, welche die südlichen und nördlichen Winde aus weiter Ferne unvermischt neben 
einander fliessen liess; allein die rasche Zunahme der Temperatur innerhalb der nördlichen Winde selbst 
mit der Entfernung vom Lande deutet darauf hin, dass wir es hier hauptsächlich mit der Wirkung der warmen 
Meeresströmung auf der einen und des durch Ausstrahlung erkalteten Erdbodens auf der anderen Seite zu 
thun haben. Denn während an der Küste bis nach Virginia hinab die Temperatur —4° bis —5° beträgt, 
ist sie auf 8 Schiffen, welche in etwa 160 Sm. Entfernung vom Lande zwischen 36°N und 41°N sich be 
finden, + 3 bis +4°, bei stürmischem Nordwind, und auf einem Schiffe in 36° N und 65°W, also in etwa 
480 Sm. vom Lande, ebenfalls bei steifem Nord, sogar 4-14°. 
In den folgenden beiden Tagen bilden sich, während die Depression im Ganzen nordostwärts schreitet, 
an ihrem nordwestlichen und südwestlichen Rande zwei starke Theilminima aus, Aj und IV, von denen das 
erstere durch die Davisstrasse und Baffinsbai gegen NNW sich fortpflanzt und bald unserem Gesichtskreis 
entschwindet, während das zweite ungefähr der Bahn des Hauptminimums nach Island und den Färöern 
folgt, von dort aus aber nicht wie jenes nach Süd-Skandinavien geht, um dort rasch zu verschwinden, son 
dern sich längs der Ostküste Grossbritanniens südwärts wendet und, trotz erheblich verringerter Tiefe, die 
Witterung eines grossen Theiles von Europa in den Tagen vom 6.—11. Januar beherrscht, namentlich weil 
im Rücken desselben auf den britischen Inseln sich sehr hoher Luftdruck einstellt. 
Die erste Entstehung dieses bemerkenswertlien Minimums scheint in der Weise stattgefunden zu 
haben, dass innerhalb der in der Richtung ihrer Bahn langgestreckten Depression A der Luftdruck im Laufe 
des 1. südlich von Neufundland weniger stieg, als bei dieser Insel selbst, so dass ein Rest der Depression 
dort zurückblieb. Die ausgedehnten Niederschläge, welche auf dem Entstehungsheerd des Theilminimums 
stattfanden, deuten darauf hin, dass das Emporgedrängtwerden der feuchten Luft über dem Golfstrome 
durch die frostige amerikanische Luft, welche der starke NNW in der Höhe mit grösster Schnelligkeit und 
weit geringerer Gelegenheit zur Erwärmung herüberbrachte, eine wesentliche Rolle bei dieser Entwickelung 
spielte; jedoch ist zu bemerken, dass bei Neufundland, wo das Barometer rascher stieg und die Brücke 
etwas höheren Druckes sich bildete, durch welche die Abschnürung des Theilminimums sich vollzog, die Zu 
nahme der Temperatur nach SE, wenigstens im Meeresspiegel, ungefähr ebenso rasch war, wie gegenüber 
Neuschottland. 
Ferner bestand bereits am Morgen des 1. eine Ausbuchtung der Isobare 760 mm (A2 der Bahnen 
karte), welche die grossen Seen umfasste und nach NE offen war; zwischen dieser und dem tiefen Minimum 
auf dem Ozean herrschte im St. Lorenzthale und an der ganzen atlantischen Küste der Union heiterer 
Himmel; die Temperatur war dabei auf dem Mt. Washington bei stürm. NE höher als am Westfusse des Berges, 
in Burlington (dort —12°, hier —13° C.), und nur 6° niedriger als in Portland an der Seeküste. Zur fol 
genden Nacht trat jedoch, während die gedachte Ausbuchtung sich südostwärts bewegte, über dem ganzen 
Seengebiet Schneefäll ein und stieg die Temperatur in Burlington zum Morgen des 2. auf—572°C., während 
sie auf dem Mt. Washington dieselbe blieb. Dem Schneefall folgte, von W fortschreitend, wiederum völli 
ges Aufklaren mit rasch steigendem Barometer, wobei die Temperatur nicht nur auf den unteren Stationen, 
sondern auch auf dem Gipfel bedeutend sank, sodass sie am Morgen des 3. dort —27° C. betrug und die 
Temperaturdifferenz zwischen Fuss und Spitze nunmehr, bei heiterem Himmel und in der Mitte eines baro 
metrischen Maximums, ebenso gross war wie am vorhergehenden Tage bei Schneefall und in der unmittel 
baren Nähe eines Theilminimums; aber diese Druckvertheilung erstreckte sich nur auf die unterste Luft 
schicht; denn auf dem Gipfel des Mt. Washington herrschte am 2. leichter West (4 m. p. s.), am 3. aber 
Sturm aus NW (24 m. p. s.), so dass die rasche Zufuhr kalter Luft in der Höhe der ruhigen Ausstrahlung 
in der Tiefe die Wage hielt; die Temperatur - Abnahme mit der Höhe betrug an diesen Tagen im Durch 
schnitt gegen die beiden Stationen Burlington und Portland nicht ganz 0.6° C. auf 100 m.
	        
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