accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 3 (1880)

21 
werthe gelegen zu haben. Berichte über die excessive und anhaltende, mit grosser Dürre verbundene Hitze 
liegen vor aus West-Australien (Perth), Süd - Australien und Alexandraland, dem Innern von Victoria und 
New South Wales. In Adelaide war die Mitteltemperatur des Januar 2° C. höher, in Melbourne hingegen 
0.3° C. niedriger als normal; die Temperatur des Februar war umgekehrt dort 0.5° C. unter, hier 0.i°C. 
über dem Mittel. In West-Australien war der letztere Monat durchweg warm und der Anfang desselben 
sehr heiss. Der März war in West-Australien massig kühl, in Adelaide ungefähr normal (Abweich. +0.3° C.). 
Wir finden demnach im ersten Quartal des Jahres 1878 abnorme Wärme auf sehr grossen, gut mit 
Stationen besetzten Gebieten, und auf einem beträchtlichen Theile derselben sogar positive Temperatur- 
Anomalien, die in der Geschichte der Witterung, seit Beginn instrumenteller Beobachtungen, ganz verein 
zelt dastehen; dadegen finden wir gleichzeitig negative Temperatur-Anomalien nur auf kleineren Gebieten 
oder solchen, deren weit auseinanderliegende Stationen nicht gestatten zu beurtheilen, in wie weit dieselben 
das ganze Land oder nur ihre besondere Lokalität repräsentiren, und finden nirgends negative Temperatur- 
Abweichungen von solcher Grösse, dass sie auch nur entfernt den erwähnten positiven ebenbürtig gegen 
übergestellt werden könnten. Es wäre Willkür, wollte man voraussetzen, dass auf den Theilen der Erd 
oberfläche, welche nicht mit Stationen besetzt sind, negative Anomalien in solcher Grösse und Ausdehnung 
vorhanden gewesen wären, um den beobachteten Wärmeüberschuss vollständig zu decken. Speziell für den 
Nordatlantischen Ozean hat man sogar alle Ursache anzunehmen, dass die Temperatur der Atmosphäre 
über demselben im allgemeinen Durchschnitt die normale übertraf, da uns hier die Stationen auf den Azoren, 
Island, Grönland und an der europäischen und amerikanischen Küste hinreichenden Anhalt bieten. Auch 
war die beobachtete positive Temperatur-Anomalie nicht etwa auf die unterste Luftschicht beschränkt, son 
dern sie zeigte sich in den wenigen Gegenden, aus welchen geeignete Beobachtungen hierüber vorliegen, 
nicht nur •— nach der langsamen Abnahme des Luftdrucks in vertikaler Richtung zu scliliessen — auf sehr 
bedeutende Schichten der freien Atmosphäre ausgedehnt, sondern sogar theilweise, nach den Beobachtungen 
in den Alpen und in Norwegen, auf den hohen Stationen grösser als auf den tiefliegenden; und wie es 
scheint, lagen die Verhältnisse ähnlich auch in Indien. 
Es drängt sich uns also aus den Thatsachen mit grösster Wahrscheinlichkeit der Schluss auf, dass 
die Durchschnitts-Temperatur der gesammten Erdatmosphäre, mindestens über der nördlichen Erdhälfte, in 
dem betrachteten Zeitraum höher war als gewöhnlich; und da für eine Erscheinung von solcher Ausdehnung 
die Veranlassung mit Wahrscheinlichkeit ausserhalb des Erdballs zu suchen ist, so liegt es am nächsten 
dieselbe in dem gleichzeitigen Minimum der Sonnenflecken zu sehen, da die Existenz eines gewissen Zu 
sammenhangs zwischen den Temperaturverhältnissen an der Erdobei'fläche und dem Fleckenstande der 
Sonne als ausser Zweifel stehend betrachtet werden kann, so wenig auch bisher die scheinbaren Wider 
sprüche in der Art dieses Zusammenhangs geklärt sind. 
Wenn wir in dieser Weise die Thatsache eines allgemeinen Wärmeüberschusses für die ganze Erd 
oberfläche oder deren Nordhälfte als mit ausserirdischen Erscheinungen in Zusammenhang stehend voraus 
setzen können, so düi'fen wir doch die Forderung aussprechen, dass die räumliche Vertheilung dieses 
Wärmeüberschusses über die Erdoberfläche in tellurischen Verhältnissen ihre nächste Ursache finden müsse, 
resp. aus diesen sich erklären lassen solle. Wir haben gesehen, dass dieses in manchen Stücken auch der 
Fall ist; wir haben z. B. die anomale Wärme der nördlichen Hälfte Europas im Februar und theilweise 
auch im März aus der mittleren Druckvertheilung und der starken Vorherrschaft der von warmen Wasser 
flächen oder aus südlichen Gegenden kommenden Luftströmungen abgeleitet; wir fanden ferner an der Ost 
seite des Skandinavischen Gebirges und an der Südseite der Alpen deutliche Wirkungen der dynamischen 
Erwärmung über das Gebirge geschobener und hier herabsteigender Luftmassen. Allein bei der hervor 
ragendsten Erscheinung, der ausserordentlichen Wärme in den inneren und nordöstlichen Staaten der nord 
amerikanischen Union, waren wir nicht im Stande, eine adäquate Ursache zu entdecken. Es bleibt dieselbe 
ein ungelöstes, und des Studiums jedenfalls sehr würdiges Problem, dessen genauere Bearbeitung wir von 
denjenigen amerikanischen Meteorologen erhoffen müssen, welchen die nichtpublizirten Fortsetzungen der 
Beobachtungsreihen freiwilliger Beobachter vom ehemaligen Stationsnetze der Smithsonian Institution zu 
gänglich sind, und welche zugleich im Stande sind, die für die Beantwortung der Frage maassgebenden 
Verhältnisse durch eigene Kenntniss und Heranziehung älterer und neuerer Beobachtungen aufzuklären.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.