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des ganzen Monats, so dass es sich auch in den Mittelwerthen, wenigstens für das am Südfusse des steilen
Maloja-Passes gelegene Castasegna, deutlich ausspricht, wie die folgende Tabelle zeigt, in welcher wir die
Werthe vom Monat Februar 1878 für einige Stationen zusammenstellen und denselben in Klammern die
zwölfjährigen Mittel des gleichen Monats aus 1864—75 hinzufügen.*)
Temperatur
Feuchtigkeit
Bewölkung Regenmenge
Zürich. . . . +0.7° C. ( + l.o°)
86%
(84)
7.2 (6.7)
32 (45)
Altstätten. —0.2° ( + l.o°)
85
(81)
5.6 (6.0)
14 (50)
Sils-Maria. —4.7° (—6.2 0 )
72
(76)
3.4 (5.0)
2 (26)
Castasegna +4.8° (+2.6°)
48
(60)
2.9 (4.8)
2 (27)
Lugano... +4.9° (+3.6°)
77
(74)
2.8 (4.6)
1 (49)
Das Monatsmittel des Luftdrucks war im Februar zu Basel, in 278 m
Seehöhe, 746.0mm (1864—75
739.3), zu Lugano, in 275 m Seehöhe, 743.9 mm (1864—75: 738.7). Dem Obigen zufolge müssen wir also
den auf der Karte des Februar angegebenen thermischen Isametralen noch die Angabe eines sehr beschränk
ten Gebiets hoher positiver Anomalie am Südfusse der Alpen hinzufügen, zu dessen Darstellung indessen
weder das verwendete Material noch der Maassstab der Karte ausreichend schien. Nordöstlich davon auf
der Ostseite der Alpen, des Riesengebirges und der Karpathen, finden wir im Februar die Erwärmung auf
der Leeseite ebenfalls deutlich ausgeprägt, und sticht die Wärme dieser Gegenden namentlich auffallend ah
von der gleichzeitigen verhältnissmässigen Kälte der Theissebenen.
Auch im März war die dynamische Erwärmung auf der Leeseite der Alpen und des skandinavischen
Gebirges bemerkbar, ja sie tritt in der kartographischen Darstellung zum Theil noch deutlicher auf als im
Februar. Zwischen die negative Anomalie von Bayern einerseits und Ungarn andererseits schiebt sich die
positive des östlichen und tlieilweise auch des südlichen Fusses der Alpen ein.
Ueber die anomale Wärme, welche im Februar und März 1878 im europäischen Russland und in West-
Sibirien herrschte, hat Herr Braunow in einer Beilage zum Meteor. Bull, des Phys. C. Observatoriums von
St. Petersburg und in der Zeitschr. f. Meteor., 1880, pp. 91 und 94—95 gesprochen. Der Verlauf der
Monatsisobaren, wie er auf unserer Karte von diesen beiden Monaten vorgeführt ist, bedingt es, dass im
Februar bis 40° oder 45° Oestl. Lg., im März bis 30° oder 35° Oestl. Lg., westliche Luftströmungen und östlich
von diesen Meridianen, bis gegen Zentral-Sibirien hin, südliche Luftströmungen vorherrschend waren. Die
ersteren brachten ozeanische Luft nach Russland; von den letzteren könnte man zwar, da sie aus den
Steppen Innerasiens zu kommen scheinen, tiefere Temperatur erwarten; allein die bisher aus West-Sibirien
berechneten thermischen Windrosen ergeben im Winter im Allgemeinen den SSW als wärmste Windrichtung,
und bei einer so ausgesprochen zyklonalen Krümmung der Isobaren, wie im vorliegenden Falle, zeigt sich
auch der Südost als ein sehr warmer Wind. Herr Braunow legt besonderes Gewicht auf die grosse Zahl
starker barometrischer Minima, welche im europäischen Russland in diesen beiden Monaten sich zeigten und
auf ihrer Vorderseite warme Luft dorthin und nach West-Sibirien brachten. Vergleicht man die Bewölkung
im Februar und März 1878 mit den vieljährigen Mitteln der gleichen Monate, so erweist sie sich in den
Gebieten positiver Wärmeanomalie mit wenigen Ausnahmen grösser als normal, allein der Ueberscliuss ist
grösstentheils nicht sehr bedeutend.
Der Ueberschuss an Wärme gegen das normale Maass erstreckte sich im März 1878 unbekannt weit
ostwärts und war in Ostasien kaum geringer als in Westsibirien, wie folgende Uebersicht der Abweich
ungen zeigt:
Ssemipalatinsk Barnaul Jenisseisk Irkutsk Nertscbinsk Nikolajewsk Peking
+ 6.2 +3.9 +4.1 +4.7 +6.3 +1.1 +3.0
In Westsibirien und der Kirgisensteppe war der Februar ebenfalls, wenn auch nicht in dem Maasse, erheb
lich wärmer als normal, der Januar hingegen erheblich kälter; im Nordosten Asiens wich die Temperatur
des Februar nicht beträchtlich von der normalen ab, der Januar war in Irkutsk um 6.9°, in Peking und
Nikolajewsk um 2.7° zu kalt, im hochgelegenen Nertschinsk etwas zu warm.
Aus den Tropen fehlen uns leider, da der meteorologische Bericht für Indien von 1878 noch nicht
vorliegt, alle Nachrichten.
Von der Südhemisphäre können wir nur Angaben von Australien anführen. Auf dem ganzen Kontinent,
mit Ausnahme seiner Südostspitze, scheint die Temperatur des Januar 1878 bedeutend über ihrem Normal-
*) Ueber die Lage von Castasegna und Sils vergleiche Billwiller in der Oesterr. Zeitschr. f. Meteor. 1880, p. 298.