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Full text : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 3 (1880)

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Das  Gebiet  der  westlichen  Monsune  ist  sehr  gewitterreich  (einzelne  Unregelmässigkeiten  sind  wohl
nur  die  Folge  einer  ungenügenden  Zahl  von  Beobachtungen),  doch  ärmer,  als  das  eben  erwähnte  Uebergangsgebiet,
  auch  scheint  der  NW-Monsun  reicher  an  Gewittern  zu  sein,  als  der  SW-Monsun.  Das  Uebergangsgebiet
  zum  SE-Passat  ist  durch  keine  merkliche  Zunahme  der  Gewitterhäufigkeit  gekennzeichnet.
Es  ist  behauptet  worden,  dass  es  auf  offener  See  innerhalb  der  Passatzone  niemals  gewittere 1 ).
Für  das  Passatgebiet  des  Indischen  Ozeans  ergiebt  sich  nach  dem  vorliegenden  Material  diese  Behauptung
als  nicht  zutreffend.  Dort,  wo  die  Stetigkeit  des  SE-Passates  abzunehmen  beginnt,  also  im  Allgemeinen
von  etwa  12°  s.  Br.  an  nordwärts  sind  Gewitter  keine  seltenen  Erscheinungen;  da,  wo  der  Passat  regelmässig ­
  und  ungestört  weht,  sind  Gewitter  zwar  selten,  sie  fehlen  aber  durchaus  nicht  ganz.  Ob  eine
jährliche  Periode  in  Bezug  auf  die  Gewitterhäufigkeit  innerhalb  der  Passatzone  besteht,  wie  dieselbe  für
die  Kegenliäufigkeit  vorhanden  ist,  das  lässt  sich  bei  der  unregelmässigen  jahreszeitlichen  Vertheilung  des
Materials  nicht  nachweisen.
Unter  den  Fragen,  welche  Arago  in  seiner  Abhandlung  über  das  Gewitter  aufstellt,  findet  sich  auch
folgende:  „Giebt  es  auf  offenem  Meere  ebensoviel  Gewitter,  als  auf  dem  Kontinente?“  woran  sich  noch  die
weitere  Untersuchung  der  Frage  anschliesst,  ob  es  auf  dem  Meere  Stellen  giebt,  wo  es  niemals  donnere.
Diese  letztere  Frage  lässt  Arago  schliesslich  unentschieden,  obwohl  ihm  der  erfahrene  Kapitän  Duperey
die  Ansicht  geäussert  hatte,  dass  es  nach  seinen  Erfahrungen  unter  dem  Parallel  des  Kap  Horn  in  der
Südsee  und  ferner  in  der  Mitte  des  südatlantischen  Ozeans  wahrscheinlich  nie  donnere,  wenngleich  andererseits ­
  an  den  von  allen  Festländern  am  weitesten  entfernten  Punkten  der  Meere,  nämlich  im  nördlichen
stillen  Ozean  2  * )  Gewitter  beobachtet  worden  seien.  Eine  Durchsicht  neuerer  gut  geführter  Journale  würde
das  Irrthümliche  der  Ansicht  Duperey’s  für  die  Südsee  wohl  bald  erweisen.  Für  den  in  Bede  stehenden
Theil  des  südatlantischen  Ozeans  liegt  ein  Gegenbeweis  schon  vor  in  dem  Werk  von  Andrau:  „Verzameling
van  Karten  inhoudende  eene  procentsgewijze  obgave  omtrent  Storni,  Regen,  Donder  en  Mist,  uitgegeven
door  bet  K.  Nederlandsch  Meteorologisch  Institut  te  Utrecht  1862“,  welches  allerdings  in  fachmännischen
Kreisen  wenig  bekannt  geworden  zu  sein  scheint.  Ein  Blick  auf  die  Karten  dieses  Werkes  zeigt,  dass  Gewitter ­
  in  allen  Theilen  des  südatlantischen  Ozeans  Vorkommen;  so  ist  namentlich  in  der  Zeit  von  April
bis  Juli  die  Strecke  vom  Kap  der  guten  Hoffnung  nach  St.  Helena  verhältnissmässig  recht  gewitterreich.
Für  die  Thatsache  der  Abnahme  der  Gewitter  mit  zunehmender  Entfernung  vom  Festlande  hat  Arago  nur
einen  Beweis  zu  bringen  vermocht,  auf  dessen  Hinfälligkeit  schon  Zollinger-)  nach  seinen  an  derselben
Stelle,  auf  die  sich  die  von  Arago  angeführten  Beobachtungen  beziehen,  gemachten  Erfahrungen  hingewiesen ­
  hat.  Die  Fahrt  des  französischen  Kriegsschiffes  „Thetis“,  auf  welche  sich  Arago  stützt,  fand  zu
einer  Jahreszeit  statt,  in  welcher  diese  Gewässer  (Javasee)  an  sich  gewitterarm  sind.  Die  allgemeine  Ansicht ­
  der  Seeleute,  dass  es  auf  offener  See  weniger  Gewitter  giebt,  als  auf  dem  Festlande,  findet  jedoch
trotzdem  ihre  volle  Bestätigung  bei  der  Untersuchung  der  Gewittervertheilung  des  Indischen  Ozeans,  wenn
man  von  den  tropischen  Theilen  desselben  absieht.
Ein  Blick  auf  die  Karte  No.  7,  die  mittlere  Gewitterwahrscheinlichkeit  des  Indischen  Ozeans  darstellend, ­
  zeigt,  dass  die  äquatorialen  Regionen  des  Ozeans  mindestens  ebenso  reich  sind,  als  die  umgebenden
Tropenländer  selbst.  (Batavia 4 )  hat  durchschnittlich  im  Jahr  81  Gewittertage,  also  eine  Gewitterwahrscheinlichkeit ­
  von  0.22,  die  aber  allerdings  in  den  einzelnen  Jahreszeiten  sehr  verschiedenHst;  auch  die  absolute
Zahl  der  Gewitter  unterliegt  sehr  beträchtlichen  Schwankungen;  so  wurden  1873:  126  Gewittertage,  1868
aber  nur  11  gezählt.)  Für  diese  Gebiete  also  ist  keine  Abnahme  der  Gewitter  mit  der  Entfernung  vom
Festlande  zu  bemerken;  dagegen  macht  sich  sowohl  in  der  Passatregion,  als  auch  in  den  höheren  südlichen
Breiten  sehr  deutlich  eine  Abnahme  der  Häufigkeit  der  elektrischen  Erscheinungen  bemerkbar,  je  weiter
man  sich  von  den  Küsten  Australiens  und  Afrikas  entfernt.  Wenn  einzelne  Felder  innerhalb  der  Passatzone ­
  gar  keine  elektrischen  Phänomene  aufzuweisen  haben,  so  ist  daran  zu  erinnern,  dass  die  Zahl  der
’)  Br.  Meyen,  Reise  um  die  Erde  auf  dem  K.  P.  Seehandlungsschiff  „Prinzess  Luise“,  1830—1832,  II.  Bd.,  pag.411.
2 )  Lorenz  und  Rothe,  Lehrbuch  der  Klimatologie,  1874,  pag.  150;  dagegen  bemerken  abweichend  davon  und  jedenfalls ­
  nicht  mit  den  thatsächlichen  Verhältnissen  in  Einklang  befindlich:  „Auffallend  ist  die  Thatsache,  dass  auf  dem  offenen
Ozean  einige  hundert  Meilen  vom  Land  keine  Gewitter  beobachtet  werden.  Dies  gilt  vorzugsweise  vom  grossen  Ozean.“
°)  Zollinger,  Ueber  die  Gewitter  etc.  im  Indischen  Archipel.  Vierteljahrsschrift  der  Katurforschenden  Gesellschaft
in  Zürich,  1858,  pag.  350.
4 )  Magnet,  et  Met.  Observations,  Batavia,  Vol.  III.,  1878,  pag.  142.
            
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