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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1893.
Sta. Barbara in der Samana-Bai auf San Domingo.
Nebenstehende Karte und die dazu gehörige Segelanweisung werden hier
mit Zustimmung der Firma Eckardt & Messtorff wiedergegeben.
Die englische Admiralitäts-Karte No. 2343 sowohl, wie die Anweisungen
Seite 230 Theil II des „Westindia Pilot“, 1887, erfahren durch diese Angaben
eine werthvolle Ergänzung.
Kapt. Marxen berichtet: Von Punta Garda kommend, halte man auf die
Pier der Clyde-Linie auf Grofßs-Carenero zu. Die von Paloma Cay nach Südost
und Nordost sich erstreckenden Untiefen sind an der helleren Farbe des Wassers
erkennbar. Die tiefe Rinne des Fahrwassers führt dicht unter Grofs-Carenero
entlang; ca 13 m (40) ab findet man noch 6!/s m (3! Fad.) Wasser. Von der
Ulyde Pier bleibe man ungefähr eine Schiffsbreite ab und steuere in einem Ab-
stande von 70 bis 90 m (200 bis 300°) an Grofs-Carenero entlang, bis der
mittelste Hügel dwars ist. Alsdann halte man auf den nördlichen Abhang des
an der Westseite der Bai sich befindenden Hügelrückens zu (Kurs rw. NWzW'/2W).
Auf diesem Kurse findet man nicht unter 6'2 m (3'/2 Fad.) Wasser. Man ankert
in ca 9m (5 Fad.) Wasser, die Mitte von Escondido Cay SSW peilend. Der
Kurs von der Pier auf das am weitesten nach Westen gelegene Haus (rw. NW!/2W)
‚:ührt über eine Stelle hinweg, auf welcher nur 5,8 m (1%‘) gelothet wurden.
Schiffe, welche für den inneren Hafen zu tief gehen, finden einen guten Anker-
platz ca 2 Schiffslängen nördlich von der Clyde Pier.
Arecibo, Nordküste von Portorico.
Die nachfolgende Beschreibung nebst zugehöriger Karte (Seite 242) sind
bei Eckardt & Messtorff in Hamburg erschienen und werden hier mit Zu-
stimmung der Firma wiedergegeben.
Arecibo, ein kleiner Hafen an der Nordküste Portoricos, bietet den
Schiffen nur Schutz bei östlichen und südlichen Winden. Nach Norden zu ist
derselbe gänzlich offen. Bei NE—NW-Winden, welche in der Zeit vom September
bis Mai mitunter sehr heftig auftreten, wird das Löschen und Laden durch hohen
Seegang sehr beschwerlich, wenn nicht unmöglich gemacht. Während der übrigen
Monate tritt verhältnifsmälsig ruhigeres Wetter ein; jedoch ist es rathsam, stets
zum Verlassen des Hafens bereit zu sein.
Die Stadt Arecibo liegt niedrig an der Westseite der Bucht; nach dem
Innern zu ist das Land gebirgig.
Eine kleine nach Norden vorspringende hügelige Landzunge verdeckt
die Stadt gröfstentheils bei der Annäherung von Osten, und ist zuerst nur die
weifßse Kathedrale mit einem kleinen stumpfen Thurm sichtbar. Auf einem Hügel
ca 1 Sm östlich von der Stadt befindet sich die Signalstation, bestehend aus einer
Flaggenstange mit Raa und einigen Hütten. Kine Rettungsbootstation ist am
Ostende der Stadt vorhanden.
Der Lootse kommt in einem kleinen Ruderboot ab. Man ankert in der
Peilung: Morillo Point rw. 0zN und Cosinera mit der Flaggenstange der Signal-
station in Linie auf 14'/s m (8 Fad.) Wasser und Sandgrund. Schiffe von ge-
ringem Tiefgang ankern während der guten Jahreszeit innerhalb der vier an
der Ostseite der Bucht liegenden Felsen auf 8!/s m (4!/a Fad.) Wasser.
Die Ladung wird in Segelleichtern von ungefähr 10 Tons Tragfähigkeit
gelöscht; bei ruhigem Wetter werden auch kleinere Ruderfahrzeuge verwendet.
Die Leichter löschen auf dem Riogrande, einem kleinen Fluß, welcher ca 1 Sın
östlich von der Stadt mündet. Letzterer hat jedoch eine so geringe Wasser-
tiefe, dafs die Leichter nur bei Hochwasser voll beladen werden können. Das
Steigen und Fallen des Wassers beträgt ca 1m (3 Fuß). Das Zollhaus gestattet
in der Regel nur das Löschen von 6" a bis 3*p.
Arbeiter sind zum Preise von 2 mex. Dollars pro Tag zu haben.!)
1) Einem Aufrufe in den Hamburger Zeitungen nach ist die Stadt Arecibo jüngst von einer
schrecklichen Feuersbrunst heimgesucht worden, indem in der Nacht vom 25. zum 26. Mai d. J. im
Laufe von 5 Stunden 24 Häuser niederbrannten. D. Red.