Die wirtschaftlichen Schäden der tropischen Wirbel stürme.
IG
I. Das Wirbelsturmgebiet Ostasiens.
Nicht nur der Häufigkeit der vorkommenden Taifune nach, sondern auch hinsichtlich seiner
geographischen Erstreckung steht Ostasien an erster Stelle; denn das Orkangebiet reicht von den
Karolinen, Marianen und Bonininseln im Osten bis zur Küste von Annam im Westen, der ganzen
chinesischen Küste, nördlich bis Korea, die südlichen und mittleren Inseln Japans noch mit umfassend.
Das wäre ein Areal von etwa 14 Millionen Quadratkilometer. Die Größe des intensiv heimgesuchten
Gebietes dürfte nur halb so groß sein.
Auch die Zahl der durchschnittlich in einem Jahr vorkommenden Zyklonen ist sehr groß. Dies
ist in den Entstehungsursachen begründet'). Es scheint nämlich ein Zusammenhang zwischen dem
regelmäßigen Windsystem in dem Ursprungsgebiet der tropischen Wirbelstürme und ihrer Entstehung zu
bestehen. Im Gegensatz zum Atlantischen Ozean sind im nördlichen Stillen Ozean die Vorbedingungen
für die Bildung von Zyklonen (Zeit des Südwest-Monsums, Passat) wesentlich günstiger.
Der Jahresdurchschnitt wird mit 21 bis 23 Taifunen angegeben 4 ), die sich bei Eroc, dessen
Beobachtungen sich über 25 Jahre erstrecken, folgendermaßen auf die Monate verteilen:
Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
1,2 0,7 0,7 0,5 1,3 1,3 3,4 3,5 4,2 3,7 2,0 1,3
Hinsichtlich der jahreszeitlichen Verteilung wäre etwa folgende Einteilung angebracht:
1. Ruheperiode Januar bis April, etwas über 10% des Jahresdurchschnitts.
2. Übergangsperioden: a) Mai/Juni, b) November/Dezember, insgesamt 25%.
3. Aktivitätsperiode: Juli bis Oktober 05%.
Völlig orkanfrei ist in Ostasien also kein Monat. Für das ganze große Gebiet ergeben sich aber gewisse
Gruppierungen, die in ihrem jahreszeitlichen Wechsel auch für die Instabilitätsfragc wichtig sind. Im
folgenden seien sie nach Alguc und Eroc wiedergegeben *).
Nach Entstehung und Verlauf kann man alle vorkommenden Orkane in zwei große Gruppen
einordnen: A. Taifune ozeanischen Ursprungs, B. Taifune des Landnieeres. Von diesen beiden kommt
der Gruppe A bei weitem che größere Bedeutung zu. Zu ihr gehören jene langgestreckten Taifunbahnen,
die in dem relativ offenen Gebiet östlich der Philippinen ihren Ursprung nehmen. Der Herd verschiebt
sich im Wechsel der Jahreszeit, entsprechend den in den meisten Orkangebieten beobachteten Verschiebungen
des Ursprungsgebietes vom Äquator weg als Reaktionserschcinung auf das Hin- und Herwandern der
Kalmenzone. In der Algucsche« Winterperiode ist der Herd zwischen 12° und 5° nördlicher Breite und
145° bis 143° östlicher Länge zu lokalisieren, also einem ziemlich kleinen Gebiet. Seine Ausdehnung
hat einen Mittelwert in den beiden Übergangsperioden, wo es zwischen 17° und 6° n. B. und 142° und
129 0 ö. L. begrenzt liegt, ln der Intensitätszeit liegt es noch etwas weiter nördlich und westlich:
zwischen 20° und 8° n. B. und 139° und 126° ö. L. Von dort nimmt also die überwiegende Mehrzahl
der ostasiatischen Taifune ihren Ausgang. Sie kommen meistens nicht weiter als bis zum 124. Meridian
nach Osten und weisen eine ziemlich regelmäßige parabelförmige Bahn auf. Es sind jene Taifune, von
denen Korea und Japan heimgesucht werden und die im nördlichen Stillen Ozean oft noch eine lange
Lebensdauer haben. Die Karolinen und Palauinseln sind ihnen fast zu jeder Jahreszeit ausgesetzt, weil
diese Gruppen in unmittelbarer Nähe des Herdes liegen. Für die Marianen sind April und Oktober die
gefährlichsten Monate. Viele Taifunbahnen bleiben soweit östlich liegen, daß sie nur die Marianen und
Bonininseln streifen und den Norden unbehelligt lassen. Daß der Herd in der Nähe besiedelter Inseln
liegt, ist für die Sturmwarnung wichtig. Yap und Guam sind schon seit langem durch Kabel mit dem
Festland verbunden und neuerdings mit ganz hervorragenden Funkstationen ausgerüstet. Diese Taifune
sind auch für die Schiffahrt weit weniger gefährlich; denn einesteils kreuzen nur wenigbefahrene Schiffs
routen dieses Gefahrgebiet, andernteils ist bei der Weiträumigkeit des offenen Ozeans ein Ausweichen
nach Erkennen der Gefahr leichter möglich.
Die Taifune der Gruppe B sind der Zahl nach erheblich geringer. Ihr Einzugsgebiet ist nicht so
groß, ihres unregelmäßigen Verlaufes wegen sind sie jedoch weit mehr gefürchtet. Das Entstehungs
gebiet dieser Gruppe hat seine Grenzen in dem 5. und 20. nördlichen Breitenkreis und dem 112. und
') M. W. K. 1923. S. 4U7. ‘ l-'roc tO un<! Xcwntiam s>3 , s A!j>ue ,3'; S. 79 ft’., Htergholz (9J S. 81 ff.