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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ekınan, V. W: Beiträge zur Theorie der Meeresströmungen. 579 
Dieser Fall kann nur eintreffen, wenn der Wind zwischen 45° und 90° nach 
links von der Küste gerichtet ist (auf der nördlichen Hennisphäre), und zwar 
muß die Tiefe d der Oberflächenschicht im ersteren Grenzfalle (Fig. 11) ganz 
klein, im zweiten Grenzfalle (Fig. 19) gleich oder größer als D sein. . 
Die Schichtung des Wassers wirkt natürlich auf die Bewegungen senkrecht 
zur Küste hemmend. Wenn der Wind gerade oder ungefähr gerade landwärts 
bläst, so wirkt die Schichtung daher auf die Triftströme hemmend falls d kleiner 
als D ist (Fig. 16 bis 18). Mit diesen Ausnahmen wird die Oberflächen- 
geschwindigkeit durch die Schichtung beträchtlich vergrößert, und zwar 
umsomehr, je größer die Tiefe der Oberflächenschicht ist. Die Oberflächen- 
geschwindigkeit wächst jedoch nicht unbegrenzt mit d. Wenn d größer als 2D 
ist, wird in der Tat außer dem gleichmäßigen Tiefenstrom in der unteren Schicht 
auch in der Mitte der Oberflächenschicht ein gleichmäßiger Strom erregt, von 
dem man schon in Fig. 5, 10, 15, Tafel 36 die erste Andeutung in einer Anhäufung 
der Punkte spüren kann, 
Denken wir uns jetzt den Fall, daß zwei oder mehrere Schichten dem Meer- 
wasser überlagert sind, jede Schicht von kleinerem spezifischen Gewichte als die 
darunterliegende. Wenn die Dicke jeder einzelnen Schicht größer als 2 D ist, so 
ist das Resultat nach der durch die Figuren Tafel 36 gegebenen Anleitung leicht 
ersichtlich. Wir werden dann in der Mitte jeder Schicht einen gleichmäßigen 
Strom haben, dessen Geschwindigkeit in jeder Schicht größer als in der darunter- 
liegenden ist. Wenn sie in der Bodenschicht mit v bezeichnet wird, so ist sie 
in der untersten der überlagerten Schichten 3 v, in der nächsten 5 v usw. — VOor- 
ausgesetzt, daß die Reibungstiefe in sämtlichen Schichten dieselbe ist. Im Falle 
zweier überlagerten Oberflächenschichten großer Dicke und der Wind in der 
Küstenrichtung wehend, würde also das Geschwindigkeitsdiagramm wie in Fig. 36 
unten sein. Die großen schwarzen Punkte beziehen “Fie. 36 Fie. 37. Fig. 38 
sich auf die gleichmäßigen Ströme, die übrigen Bl BO EB SS 
Teile des Diagrammes auf die Übergangsschichten 
zwischen denselben. Die Dicke der obersten -und 
der untersten Übergangsschicht ist gleich D, die 
Dicke der übrigen aber das Doppelte. 
Ein Fall wie der in Fig. 36 dargestellte wird 
wohl in der Wirklichkeit kein Gegenstück haben. 
Wenn die Dicke der einzelnen Oberflächenschichten 
kleiner als 2 D ist, ist es jedoch klar, daß das 
Geschwindigkeitsdiagramm mit dieser Figur eine 
gewisse Ähnlichkeit haben muß; nur verschwinden 
die gleichmäßigen Ströme, und das Geschwindig- 
keitsdiagramm schmilzt zu einer sanften Wellenlinie 
wie in Fig. 37 und 38 zusammen, Fig. 37 ist unter 
der Voraussetzung berechnet, daß die Tiefe jeder 
einzelnen Oberflächenschicht 1.25 D ist; in Fig. 38 
ist sie 0.5 D. Wenn das spezifische Gewicht stetig 
mit der Tiefe zunimmt und die Bewegung voll- 
kömmen stationär ist, muß die Stromrichtung inner- 
halb der Oberflächenschicht überall der Küsten- 
richtung parallel sein. Der auf die Oberflächen- 
schicht sich beziehende Teil des Geschwindigkeits- 
diagrammes wird also eine Gerade, und auf gleich 
dicke Schichten sich beziehende Teile derselben 
sind gleich groß. Wenn die Dichtigkeitsverteilung bekannt ist, so können die 
Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den verschiedenen Teilen der Oberflächen- 
schicht in diesem Falle mit Hilfe des Bjerknesschen Satzes (7) S. 567 berechnet 
werden; denn das Reibungsglied R in bezug auf eine senkrecht zur Strom- 
richtung gelegte geschlossene Kurve wird dann gleich Null. 
Im allgemeinen können wir aus dem Vorangehenden schließen, daß eine 
leichte Oberflächenschicht immer die von einem bestimmten Winde erregte Ober- 
a}
	        
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