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Full text : Hydrographie ist so aufwendig, sie darf nicht nur für einen Zweck da sein

Wissenschaftsgespräch

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Hydrographische  Nachrichten

»Hydrographie  ist  viel  mehr
als  Sicherheit  der  Schifffahrt.
Laut  Seeaufgabengesetz
dient  der  Seevermessungsdienst ­
  der  Daseinsvorsorge.«
Thomas  Dehling

sind  seit  Langem  bewährt,  weit  verbreitet  und  effizient. ­
  Aber  neue  optische  Verfahren  spielen  eine
immer  größere  Rolle.  In  abgelegenen  Gebieten
wertet  man  schon  seit  einiger  Zelt  Luftbilder  aus.
Auch  die  Laserbathymetrle  und  auch  Laserverfahren ­
  unter  Wasser  werden
In  Zukunft  mehr  eingesetzt
werden.  Und  die  Plattformen, ­
  die  autonomen  Fahrzeuge ­
  werden  sich  weiterentwickeln. ­

Doch  nicht  nur  die  Technik ­
  wird  die  Hydrographie
verändern,  auch  das  Nutzungsspektrum ­
  wird  sich
erweitern.  Wie  ich  schon  gesagt ­
  habe,  wir  werden  das  Meer  noch  stärker  nutzen, ­
  wir  werden  es  noch  stärker  schützen  müssen.
Dadurch  steigt  der  Bedarf  an  hydrographischen
Daten,  und  zwar  nicht  nur  an  der  reinen  Tiefeninformation. ­

Was  macht  einen  guten  Hydrographen  aus?
Ein  guter  Hydrograph  sollte  Freude  am  Wasser  haben. ­
  Er  muss  gerne  an  der  See  oder  an  den  Seen
sein.  Das  ist  noch  wichtiger  als  das  technische
Verständnis,  das  er  selbstverständlich  auch  mitbringen ­
  muss.  Er  kann  ruhig  Seiteneinstelger  sein,
wenn  er  genug  technischen  Sachverstand  hat,
wird  er  sich  In  die  Technik  einarbeiten  können.
Außerdem  muss  ein  guter  Hydrograph  bereit  sein,
seine  Verfahren  zu  hinterfragen,  er  muss  überlegen, ­
  ob  das  noch  gültig  ist.  Diese  Eigenschaft  gilt
natürlich  für  viele  Berufe.  Um  es  als  Metapher  zu
sagen:  Wasser  ist  ständig  in  Bewegung,  Hydrographie ­
  Ist  nicht  an  Grenzen  gebunden,  daher  muss
auch  ein  Hydrograph  die  Fähigkeit  haben,  über
die  Grenzen  der  eigenen  Disziplin  hinauszudenken, ­
  er  darf  nicht  an  Ländergrenzen  hängenbleiben. ­

Das  DHyG-Mitglied  Mathias  Jonas  geht  nach  Monaco. ­
  Ihr  Kommentar  dazu.
Das  ist  ein  großartiger  Erfolg  für  die  deutsche  amtliche ­
  Hydrographie.  In  den  fast  100  Jahren  der
Geschichte  der  IHO  war  noch  kein  Deutscher  im
Direktorium  vertreten.  Mathias  Jonas  wird  nun  als
Generalsekretär  an  der  Spitze  stehen.  Seine  Wahl  ist
aber  nicht  nur  aus  deutscher  Sicht  ein  Erfolg,  sondern
auch  für  die  IHO  ein  wichtiger  Schritt,  um  zukunftsfit
zu  werden.  Ich  wünsche  Ihm  für  seine  neue  Aufgabe
alles  Gute.  Am  BSH  wird  er  uns  fehlen,  aber  ich  bin  sicher, ­
  dass  er  enge  Beziehungen  zu  Rostock,  zum  BSH
und  zu  Deutschland  halten  wird.
Sie  fahren  viel  mit  dem  Fahrrad.  Steckt  dahinter  ein
Umweltaspekt,  ein  Fitnessgedanke?
Radfahren  ist  mein  sportlicher  Ausgleich.  Die  Strecke ­
  zur  Arbeit  Ist  eigentlich  viel  zu  kurz.  Ich  fahre
sehr  gerne  mit  dem  Rad,  sicherlich  spielt  auch  der
Umweltaspekt  dabei  eine  Rolle,  aber  nicht  vorrangig. ­
  Ich  halte  Radfahren  für  die  effizienteste  und
angenehmste  Art  und  Weise,  sich  fortzubewegen.
Welche  Anekdote  aus  Ihrem  Berufsleben  eignet
sich  für  eine  Erzählung?

Bei  der  Wracksuche  gibt  es  zuweilen  ungewöhnliche ­
  Funde.  Im  Fehmarnsund  hat  die  »Deneb«
einmal  einen  Straßenbagger  gefunden.  Der  muss
da  schon  eine  Welle  gelegen  haben,  denn  er  war
schon  voller  Pocken.  Aber  offenbar  hat  ihn  niemand
vermisst.  Erst  Jahre  später  haben  wir  festgestellt,
dass  dieser  Straßenbagger  in  Ostholstein  eingesetzt ­
  war  und  auf  einer  Schute  nach  Klei  zurückgeschleppt ­
  wurde.  Als  schwere  See  aufkam,  ging  der
Bagger  über  Bord.  Die  Besatzung  hat  den  Verlust
erst  bemerkt,  als  das  Schiff  in  Kiel  In  der  Förde  war.
Und  dann  war  Ihnen  das  wohl  unangenehm  oder
sie  wollten  die  Folgen  vermeiden,  jedenfalls  haben
sie  keinem  von  der  Geschichte  erzählt.  Daher  lag
der  Bagger  jahrelang  im  Sund,  zum  Glück  an  einer
Stelle,  die  für  die  Schifffahrt  unbedeutend  war.
Bei  einer  anderen  Vermessung  haben  wir  mehrere ­
  Container  auf  dem  Meeresgrund  gefunden,
deren  Nummern  unkenntlich  gemacht  waren.  Warum? ­
  Weil  sie  voller  Wodka  waren.  Es  gibt  also  auch
Dinge,  die  ganz  absichtlich  außenbords  gehen.
In  Erinnerung  geblieben  ist  mir  auch,  wie
hemdsärmelig  in  manchen  Ländern  Probleme
gelöst  werden.  In  Maputo  habe  ich  gesehen,  wie
pragmatisch  die  Leute  vorgegangen  sind,  als  die
Lothalterung  nicht  mehr  funktionierte.  Das  haben
die  mit  Bordmitteln  gelöst,  indem  sie  alles  mit
selbst  gedrehten  Seilen  arretiert  haben.  In  solchen
Situationen  zeigt  sich,  mit  wie  viel  Fachverstand
die  Leute  Lösungen  finden.  Man  darf  sie  in  Ihrem
Erfindungsreichtum  und  ihrem  Verständnis  nicht
unterschätzen.  Schwierig  wird  es  erst  dann,  wenn
die  Technik  zu  kompliziert  ist.  Wenn  man  es  mit
einer  Blackbox  zu  tun  hat.  Technik  für  Entwicklungsländer ­
  muss  robust  und  darf  nicht  unnötig
kompliziert  sein.
Was  würden  Sie  gerne  besser  können?
Ich  würde  gerne  ein  Musikinstrument  spielen  können. ­
  Ich  bin  sehr  musikinteressiert,  mag  viele  Musikrichtungen, ­
  aber  ich  kann  leider  überhaupt  kein
Instrument  spielen.  Das  finde  ich  bedauerlich.
Was  wissen  Sie,  ohne  es  beweisen  zu  können?
Wissen  ist  wichtig,  gerade  für  Ingenieure  und  Naturwissenschaftler. ­
  Durch  stetige  Wissbegierde
entwickeln  wir  uns  weiter.  Doch  ich  glaube  zu  wissen, ­
  dass  die  Menschheit  nie  allwissend  sein  wird.
Die  Weltformel  werden  wir  nie  entdecken.  Unser
Wissen  nimmt  zwar  täglich  zu,  aber  das  Gefühl,
insgesamt  zu  wenig  zu  wissen,  wächst  auch.  Das
ist  paradox.
Eine  Beobachtung  bereitet  mir  Sorgen:  Über  ein
paar  Dinge  auf  der  Welt  weiß  ich  etwas,  well  ich
mich  professionell  damit  beschäftige.  Aber  wenn
ich  Im  Fernsehen  etwas  über  diese  Dinge  sehe
oder  in  der  Zeitung  darüber  lese,  dann  muss  Ich
feststellen,  wie  viel  eigentlich  falsch  oder  ungenau
dargestellt  wird.  Und  wenn  ich  diese  Beobachtung
nun  übertrage  auf  all  das,  wovon  ich  keine  Ahnung
habe,  dann  befürchte  ich,  dass  wir  alle  viel  zu  viel
von  dem  glauben,  was  mal  gesagt  oder  geschrieben ­
  wurde.  Dabei  dürfte  ein  großer  Teil  ungenau
oder  sogar  falsch  dargestellt  sein.  ±
            
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