Kleinere Mitteilungen,
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die Erscheinungen der M-Front ziemlich verwischt und können nur durch die
Weiterverfolgung der oben geschilderten Lebensgeschichte der beiden Fronten
Auseinandergehalten werden. Aber gerade in der Annäherung der AL-Front an
die M-Front liegt das Wesentliche: Trifft doch dadurch die frische Polarluft auf
schte subtropische Luft, nachdem sie vorher von dieser durch eine „Zwischen-
Juftmasse“ getrennt war, Die zunehmende Verwischung der Erscheinungen ist
unter anderem bedingt durch die Windverteilung: Die Winde sind in allen Höhen
stark aufgefrischt. Es herrscht mit der Höhe stark zunehmender SW- bis WSW-
Wind, am Morgen des 20, werden schon in 3 km Höhe teilweise 100 kmh erreicht!
Am 20. 2h liegen Paris und Köln gerade noch vor der AK-Front, Paris ist
wolkenlos, Köln hat ;4 ac. Frankfurt, noch etwas weiter vor der Front, ist
wolkenlos. Die M-Front hat das Rhonetal erreicht: Lyon hatte zwischen 23h
und 1% Gewitter, Um 8% hat die AK-Front Paris passiert (Temperatur um 22h
19°, um 8% 15°) und eben Köln erreicht (geschlossene Wolkendecke in 100 m und
Regen). In Nordfrankreich und England, etwa nördlich des 48, Breitengrades,
liegen die Temperaturen unter 16°, südlich werden 17° bis 22° gemeldet, Dies
ist ein Zeichen, daß die AL-Front um 8% erst bis etwa Linie Köln—Tours vor-
gedrungen ist, Lyon, bereits wieder in der M-Luft gelegen, zeigt im wesentlichen
die gleichen Temperaturwerte wie am Vortag. Aldergrovea zeigt nun in allen
Höhen die frische AL (900 mb: 5°, 800 mb; — 1°, 600 mb: — 20°), — Der Druck-
anstieg eilt der AL-Front bereits voraus: Mit Ausnahme der iberischen Halbinsel
and dem südlichsten Frankreich steigt überall der Druck, mit dem Durchzug der
AL-Front setzt nur stärkerer Druckanstieg ein, — Die M-Front pflanzt sich
infolge der großen Windgeschwindigkeiten in der Höhe durch Labilisierung in
der Höhe fort, Über Süddeutschland kommt es über 2500 m zu Quellungen und
gastellatus-Formen, die bis 43 schon die Höhe Nürnberg erreichen. Mit Tages-
anbruch werden rasch Gewitter und Gewitterschauer von West nach Ost fort-
schreitend ausgelöst (7t in Baden, St in Württemberg, 10h in Nürnberg), Hinter
der M-Front tritt (vor der heranrückenden AL-Front) leichte Aufheiterung ein,
Vor der M-Front springt der Wind auf der Zugspitze von SW (2b) auf SE (8b)
und behält diese Richtung bis Sonntagvormittag bei! Die M-Front liegt um
8h im Westen etwa entlang der Westalpen (Marseille meldet Regenschauer bei
21°, Perpignan Regen bei 22°), Sie ist hier ziemlich stationär geworden, da sich
3ie Achse der Tiefrinne zwischen dem atlantischen und dem südosteuropäischen
Hoch nicht mehr verlagert, Auch die auf SE umgesprungenen Winde der Alpen-
berge zeigen dies an. Es bildet sich vielmehr im Gebiet des südöstlichen Frank-
reich eine Art Mischluftzone der TL und der sehr milden M-Luft (es handelt
sich ja um Breiten südlich des 47. Breitengrades!)., Im Bereich dieser „Mischluft‘“
herrscht über dem südlichen Frankreich um 8 wolkiges und warmes Wetter
mit einzelnen, teilweise gewittrigen Niederschlägen, Um 14h liegt die M-Front
— nurmehr schwach ausgeprägt — bereits am Böhmerwald, der Ostgrenze Ost-
bayerns und dann an den Alpen entlang westwärts, um sich hier zu verlieren.
In wenigen Stunden muß nun die weiter vordringende AL — nach der
Morgenkarte des 20. August beurteilt — das „freie“, undeutliche Ende der M-Front
einholen und damit auf die TL treffen. Etwa im Raum der Westalpen (Schweiz)
wird also die Polar- und die Tropikluft zusammengeführt, nachdem vorher zwischen
beiden eine alternde maritime Luftmasse „zwischengeschaltet“ war. Es bildet sich
Jamit eine dreimasseneckähnliche Situation aus. Um 14% hat die AL die TL
bereits „eingeholt“ (z. B. meldet um 14% Dijon im Witterungsverlauf Gewitter und
Temperaturrückgang auf 16°, Clermont-Ferrand meldet „noch Gewitter“ und 17°,
die AL-Front hat also diese Stationen passiert), und im Gebiet der Alpen hat
sich an der AL-Front ein flaches Tiefdruckgebiet (mit unter 1010 mb im Kern)
ausgebildet. Nachdem am Morgen über Frankreich und Deutschland vor der
AL-Front schon allgemein schwacher Druckanstieg zu verzeichnen war, der nach-
mittags im Norden weiter andauert, seizt jetzt nochmals in dem Gebiet, in dem
die drei Massen zusammenstoßen, Druckfall ein, Ein dreistündiges Druckfall-
gebiet mit fast — 23 mb im Kern liegt in der 14h-Karte Östlich der Loire bis
nach SW- Deutschland und Öberitalien hin. In der 19b-Karte erscheint es mit