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Object: 23, 1900

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1900 No. 1 — 
dienten 30 Fälle kältester und 25 Fälle wärmster Witterung zur Untersuchung der im Laufe des Jahres er 
folgenden Wandlung der Wetterlage zur Zeit der extremen Temperaturen der Monate. 
Fliernach trat in Hamburg die grösste Kälte von November bis März ausnahmslos bei östlichen bis 
südöstlichen Winden ein; meist lagerte höchster Luftdruck über Nord- bis Nordost-Europa gegenüber 
niedrigem Luftdruck über Kontinental - Europa. Der April zeigte bei grösster Kälte das Hochdruckgebiet 
schon mehr über dem Norden bis Nordwesten des Erdtheils und die Winde aus Nordost bis Nord. Von Mai 
bis August führten ausnahmslos Winde aus NW—W die niedrigste Temperatur in Hamburg herbei; gegen 
über einem Hochdruckgebiete im Westen lagen Depressionen über Nordost-Europa, zuweilen Zentral-Europa 
umfassend, und in der Regel haben tiefe über Jütland oder weiter nördlich vorüberschreitende Theil- 
Minima starke Abkühlung herbeigeführt. Da die grösste Kälte gewöhnlich erst zu Ende der betreffenden 
Wetterlage eintritt, so finden wir häufig an den kältesten Tagen bereits eine neue Depression über dem 
Ozean herannahend und das Hochdruckgebiet im Westen, entsprechend verlagert und an Umfang ver 
ringert, von Südwest-Europa nur noch in einem Ausläufer über die Britischen Inseln vorragend. Im Sep 
tember dürfte dieser Wettertypus besondere Kälte nur in selteneren Fällen noch für Hamburg herbeiführen, 
■wie am 24. September 1899; das Hochdruckgebiet nimmt in diesem Monat an kalten Tagen wieder eine 
mehr nordwestliche und nördliche Lage ein, sodass die Kälte, wie im April, bei Winden aus Nord bis Nord 
ost einzutreten pflegt. In einem Falle war es ein tiefes Minimum, das auf Zugstrasse IV vom Kanal längs 
der Küste fortschritt (28. September 1894), auf dessen Rückseite der nachdrängende hohe Luftdruck durch 
Winde aus der angeführten Richtung die Kälte herbeiführte. Derselben Zugstrasse war auch am 22. Oktbr. 1880 
die niedrigste im Oktober beobachtete Temperatur dieses Monats zuzuschreiben, während die niedrigste 
Maximum-Temperatur bei einem Hochdruckgebiet über Nord-Europa bei nördlichen bezw. östlichen Winden 
eintrat. 
Die grösste Wärme wurde in Hamburg von November bis Februar ausnahmslos durch ozeanische süd 
westliche Winde herbeigeführt; Depressionen lagen meist vom Ozean über Europa in wechselnder Er 
streckung ausgebreitet, und tiefe Theilminima über der Nordsee oder dem Skagerak sorgten für kräftigen 
Lufttransport. Noch im März und April begegnen wir an den Tagen grösster Wärme meist dieser Wetter 
lage, ausgenommen am 25. März 1896 und 21. April 1900, denjenigen Tagen, an denen die absoluten Maxima 
dieser Monate auftraten; der erste Tag bot bereits den Sommertypus eines warmen Tages mit südöstlichen 
Winden und an dem zweiten trat die Wärme bei sehr gleiclimässiger Luftdruck-Vertlieilung und leichten 
veränderlichen Winden, ebenfalls kontinentalen Ursprungs, auf. In den Monaten Mai bis September herrschte 
die grösste Wärme ausnahmslos bei östlichen bis südöstlichen Winden und der Lage höchsten Druckes über 
dem Osten des Erdtheils. Im Oktober finden wir die grösste Wärme in Hamburg wieder bei ozeanischen 
Winden, ausgenommen am 16. Oktober 1896, der hohe Temperatur bei Winden aus SE — E brachte; aus 
■einem Hochdruckgebiet über Osteuropa wehte an diesem Tage Luft nach einem von Süddeutschland nach 
Nordfrankreich reichenden tiefen Minimum, und es trat zwischen diesen Druckgebieten ein isolirtes Wärme 
gebiet auf, das wolil auf dynamische Erwärmung zurückzuführen sein dürfte. 
Fassen wir das Resultat zusammen, so finden wir, dass für die grösste Kälte, mit November beginnend, 
einander folgen: 5 Monate mit E—SE-Wind, 1 Uebergangsmonat mit N—NE, 4 Monate mit NW—W und 
2 Uebergangsmonate mit N—NE, und dass ganz entsprechend für die grösste Wärme, mit Mai beginnend, 
aufeinander folgen: 5 Monate mit E— SE, 1 Uebergangsmonat, 4 Monate mit SW und 2 Uebergangsmonate, 
mit dem Unterschiede, dass die für die wärmsten Tage liervortretenclen Uebergangsmonate in geringerem 
Grade eigenartige Wettertypen aufweisen als dies für die kalte Witterung der Fall ist. Die grösste Kälte 
des Winters und die grösste Sommerwärme treten in Hamburg bei denselben Winden, bei E—SE, auf, wäh 
rend die niedrigste Temperatur der warmen Jahreszeit bei NW und die höchste des Winters bei SW auf- 
treten; erstere Regel gilt für 5, die letztere für 4 Monate des Jahres. 
Gegen die hier geübte Zusammenfassung der Tage, an denen einerseits die absoluten Monats-Temperatur- 
Extreme und andererseits die niedrigsten Maximum-Temperaturen und die höchsten Minima beobachtet 
worden sind, dürfte das Bedenken geltend gemacht werden, dass diese verschiedenartigen Extreme zum Theil 
besondere Bedingungen fordern. In der That verlangen die beiderartigen absoluten Extreme klares Wetter, 
die höchsten Minima aber uncl ebenso die niedrigsten Maxima trübes Wetter, bei, kurz gesagt, warmer 
bezw. kalter Wetterlage. Es fielen auch die absoluten Minima für die Monate April, Juni bis August und
	        
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