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Volltext : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 2 (1879)

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Von  Küstenstationen  verwandte  ich  Neufahrwasser,  Swinemünde,  Warnemünde,  Kiel,  Keitum,  Hamburg; ­
  von  binnenländischen  Stationen:  Berlin,  Leipzig,  Krefeld,  Kassel.
Die  Unterschiede  zwischen  Morgen  und  Mittag  sind  hiernach  unbedeutend  und  man  würde  kaum  im
Stande  sein,  an  der  Hand  der  Häufigkeitszahlen  allein  eine  Drehung  in  dem  einen  oder  anderen  Sinne
konstatiren  zu  können.  In  den  berechneten  Mittelwerthen  der  Windrichtung  findet  man  dagegen  den  erwarteten ­
  Sinn  der  Winddrehung  angedeutet,  weniger  entschieden  an  der  Küste  als  im  Binnenlande,  was
wohl  dem  störenden  Mitwirken  der  Land-  und  Seebrise  zugeschrieben  werden  muss,  obgleich  letzteres
Phänomen  gerade  bei  der  hier  in  Rede  stehenden  Windrichtung  weniger  in  einer  Drehung,  als  in  einer
Verstärkung  und  Schwächung  des  herrschenden  Windes  sich  aussprechen  dürfte.  Da  aber  der  Ablenkungswinkel ­
  der  Land-  und  Seebrise  von  der  Richtung  des  sie  bedingenden  Gradienten  wahrscheinlich  wesentlich
kleiner  ist,  als  derjenige  der  allgemeinen  nordöstlichen  Strömung,  so  wird  die  von  uns  erwartete  Winddrehung ­
  durch  diese  Erscheinung,  wenn  auch  in  geringem  Grade,  gestört  werden;  dass  sich  dieselbe  trotzdem ­
  erkennen  lässt,  kann  wohl  als  jener  Hypothese  günstig  gedeutet  werden.  Genauere  Prüfungen  der
vorliegenden  Frage  auf  günstigerem  Terrain,  in  grösserer  Entfernung  von  ausgedehnten  Wasserflächen
wären  sehr  erwünscht.
Es  ist  übrigens  möglich  und  vielleicht  wahrscheinlich,  dass  ein  von  uns  bisher  ausser  Acht  gelassenes
Moment  für  die  Theorie  des  in  Rede  stehenden  Vorganges  von  wesentlicher  Bedeutung  sei.  Nehmen  wir
—  wie  oben  —  an,  die  Bahn  des  Unterwindes  sei  während  der  Nacht  geradlinig,  so  würde  unbedingt  nach
Gleichung  1)  am  Tage  eine  stärkere  normale  Komponente  y  sin  «  des  Gradienten  erforderlich  sein,  um  die  schneller
bewegte  Luft  aus  der  Höhe  in  derselben  Bahn  zu  erhalten.  Es  erscheint  somit  durchaus  plausibel,  dass
die  schneller  bewegten  Luftmassen,  weil  sie  einen  genügend  grossen  Gradienten  an  der  Erdoberfläche  nicht
antreffen,  eine  Bahn  einschlagen,  welche  mehr  als  die  vorausgesetzte  gerade  Linie  der  Trägheitskurve  sich
nähert;  letztere  aber  ist  eine  anticyklonale  Kurve  von  ziemlich  starker  Krümmung.  (Vergl.  pag.  22  des
Theil  I.)  Mit  anderen  Worten:  da  der  vollständige  Ausdruck  der  normalen  Gradientkomponente,  wie  oben
angegeben,  folgender  ist:
v 2
ysmu  =  2voistnw-\  ,
so  kann  dieselbe  trotz  wachsender  Geschwindigkeit  v  ihren  Werth  beibehalten,  wenn  der  (hier  negative)
Krümmungsradius  q  geringer  wird;  sie  kann  dabei,  rein  mathematisch  betrachtet,  sogar  einen  kleineren
Werth  annehmen,  was  eine  Verringerung  des  Ablenkungswinkels  «,  d.  h.  eine  Drehung  des  Windes  im
Sinne  E->N  zur  Folge  haben  würde.  Letzterer  Fall  aber  ist  unwahrscheinlich,  da  nach  Voraussetzung
die  obere  Luftströmung  dieselbe  Richtung  hat,  wie  die  untere,  in  Wirklichkeit  aber  jedenfalls  von  derselben
nicht  nach  links  abweichen  wird;  die  horizontale  Bahn  der  herabsteigenden  Luftmassen  wird  somit  diejenige ­
  der  unteren  (als  geradlinig  vorausgesetzten)  zur  Tangente  haben  und  von  letzterer  mehr  und  mehr
,nach  rechts  abweichen,  wobei  in  Folge  der  Vergrösserung  von  a  bei  konstantem  Gradienten  dessen  normale ­
  Komponente  wächst,  die  tangentielle  abnimmt;  und  letzteres  kann  nach  4)  wieder  nur  in  Folge  einer
Verzögerung  der  Bewegung  geschehen.  Hiernach  wird  man  sich  also  vorzustellen  haben,  dass  bei  dem
Vorgänge  des  vertikalen  Luftaustausches  die  herabsteigenden  Luftmassen  mit  verhältnissmässig  geringer
Vergrösserung  des  Ablenkungswinkels  und  verzögerter  Bewegung  eine  Bahn  einschlagen,  welche  stärker
anticyklonal  gekrümmt  ist,  als  diejenige  des  Unterwindes.
            
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