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Volltext : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 2 (1879)

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nur  Wenige  versucht  haben,  die  Bahn  des  frei  bewegten  Körpers  wirklich  zu  konstruiren,  man  würde  sonst
meiner  Ansicht  nach  häufiger  auf  dieselbe  verfallen  sein.  In  Dove’s  Schriften  findet  man  meines  Wissens
nirgends  einen  Versuch,  den  numerischen  Betrag  der  Ablenkung  zu  ermitteln;  dagegen  hat  der  rühmlichst
bekannte  Physiker  Prof.  Alb.  Mousson  in  verhältnissmässig  neuer  Zeit  eine  elegante  mathematische  Darstellung ­
  der  Bewegungen  nach  dem  Hadley’schen  Prinzip  (erste  Auffassung)  geliefert.*)  Er  gelangt  dabei
z.  B.  zu  dem  Resultate,  dass  ein  Luftstrom  (insofern  derselbe  als  ein  frei  bewegter  Körper  zu  betrachten  sei)
um  in  der  Schweiz  als  SSW-Wind  mit  einer  Geschwindigkeit  von  30  Metern  einzutreffen,  den  Breitenkreis  10°
in  einem  um  96.4°  östlicheren  Punkte  mit  einer  Geschwindigkeit  von  121.5  Metern  und  einer  westlichen
Abweichung  von  der  S-N-Richtung  im  Betrage  von  76.4°  verlassen  haben  müsse;  den  Breitenkreis  30°  in
einem  um  18.5°  östlicheren  Punkte  mit  der  Geschwindigkeit  von  69.3  Metern  und  einer  Neigung  von  65.e°
gegen  die  S-N-Richtung  etc.  „Das  Theilchen  in  allen  diesen  Fällen  beschreibt  eine  parabelähnliche  Kurve,
die  ihren  Scheitel  nach  West,  ihre  Oeffnung  nach  Ost  hat.“  (Im  vorliegenden  Beispiele  hätte  dasselbe
seinen  Weg  etwa  über  die  Nordspitze  von  Borneo,  Goa  in  Vorderindien,  Medina  in  Arabien,  Malta  und
Nizza  genommen.)  Wir  wissen  nach  Seite  22,  dass  die  Trägheitsbahn  nahezu  ein  Kreis  ist,  welchen  der
Körper  mit  einer  konstanten  relativen  Geschwindigkeit  durchläuft,  anstatt  letztere  in  Folge  des  Einflusses
der  Erdrotation,  wie  aus  dem  Hadley’schen  Prinzip  folgen  würde,  bedeutend  zu  verändern.  Der  Radius  q
des  Trägheitskreises  ist  nach  Gl.  42  oder  nach  der  dort  mitgetheilten  Tabelle  zu  berechnen;  man  findet
(j  —  296  Kilom.,  und  erkennt  somit,  dass  der  freibewegte  Körper  ungefähr  folgenden  Weg  einschlagen
muss:  Genfer  See,  Bodensee,  München,  Ancona,  Nizza  und  zurück  zum  Genfer  See.  Man  sieht  also,  dass
sich  die  von  Mousson  aus  dem  Hadley’schen  Prinzip  abgeleiteten  Resultate  von  dem  wirklichen  Sachverhalte ­
  ausserordentlich  weit  entfernen.
Die  Reform,  welche  in  der  Lehre  vom  Einflüsse  der  Axendrehung  der  Erde  auf  Bewegungen  parallel
ihrer  Oberfläche  schon  durch  die  Arbeiten  von  Poisson  und  Foucault  angebahnt  wurde,  muss  somit
als  sehr  eingreifend  bezeichnet  werden.  Noch  immer  aber  findet  man  Publikationen,  in  welchen  an  der
Hadley’schen  Theorie  hartnäckig  festgehalten,  und  jene  Reform  sogar  bekämpft  wird.  So  findet  man  z.  B.
in  einer  Abhandlung  von  Prof.  Carl  Benoni**)  vom  Jahre  1877  folgende  Stelle:  „Es  ist  aber  auch
völlig  klar,  dass,  wenn  die  Luft  längs  irgend  eines  Parallelkreises  strömt,  die  Rotationsgeschwindigkeit  ungeändert
  bleibt,  und  somit  keine  Ablenkung  in  Folge  der  Axendrehung  der  Erde  zu  Stande  kommen  kann.
Ferrel  (The  motion  of  fluids  and  solids  relative  to  the  earth’s  surface  etc.  New-York  1860)  stellt
folgenden  Satz  auf:  „„In  welcher  Richtung  sich  ein  Körper  auf  der  Erdoberfläche  bewegen  mag,  es  entsteht ­
  durch  die  Drehung  der  Erde  eine  Kraft,  welche  ihn  nach  der  rechten  Seite  hin  auf  der  nördlichen
Erdhälfte  ablenkt,  nach  der  linken  auf  der  südlichen““  .  .  .  Ferrel’s  Fehler  ist  kein  Fehler  in  der  stylistischen
  Fassung  seines  Satzes,  sondern  beruht  auf  demselben  mathematischen  Irrthume,  aus  dem  auch  in
Buff’s  Formel  (Ann.  für  Chem.  und  Pharm.,  IV.  Suppl.,  II.  Heft,  S.  207  u.  ff.)  die  Ablenkung  für  Bewegungen ­
  längs  der  Parallelkreise  resultirte.“  —■
Die  obige  Besprechung  der  Kurve  AH<i,  pag.  31,  führte  fast  nothwendig  zu  der  Vorstellung,  dass  die
Wirbel-Bewegung  der  Flüssigkeiten  dem  Prinzipe  der  Flächen  gehorchen  müsse,  und  in  der  That  ist  bereits
von  Redfield***)  die  Zunahme  der  Windgeschwindigkeit  in  der  Richtung  zum  Zentrum  der  Cyklone  auf
dieses  Prinzip  zurückgeführt  worden;  indessen  darf  nicht  übersehen  werden,  dass  erstens  die  Bewegungen
auf  der  Erdoberfläche  relative  Bewegungen  sind,  während  das  Prinzip  sich  auf  absolute  Bewegungen  bezieht
und  dass  zweitens  auch  die  Reibungswiderstände  als  nicht  zentrale  Kräfte  die  Anwendung  des  „Prinzips
verbieten.  Kurze  Erörterungen  über  die  Art  und  Weise,  wie  Erdrotation  und  Reibung  dasselbe  modifiziren,
sind  von  mir  im  Februarheft  des  XVI.  Bandes  1881  der  „Zeitschrift  der  Oesterr.  Ges.  für  Meteorologie“,
pag.  57,  publizirt.
*)  Ueber  die  Bewegung  eines  freien  Theilchens  auf  einer  sieb  drehenden  Kugel.  Pogg.  Annal.,  Bd.  CXXIX,  1866,  pag.  652.
**)  Der  Einfluss  der  Axendrehung  der  Erde  auf  das  geographische  Windsystem.  Petermanns  Geogr.  Mittheilungen,
23  Bd.  1877,  pag.  93.
***)  American  Journal  of  Science  and  arts,  second  series,  Yol.  II,  1846,  pag.  179.
            
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