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Volltext : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 2 (1879)

21

Differentiirt  man  ferner  B9),  so  erhält  man  für  die  Beschleunigung  der  relativen  Trägheitsbewegung:
0,2  u  Vr 2 —(i l  „  u  Yr 2 —a 1

(**)  =
\dt z ),

W 2  +  w 2  +  2

au

r  Vr 2  +  w 2  +  2  at

woraus  durch  Substitution  in

P^  __  d-s  /tf  2  s\
m  dP  \d  t' z ) l
und  Berücksichtigung  von  38)  die  erste  Gleichung  in  7)  erhalten  wird,  nämlich:
bd 2 s

41)

m

(j£  +  r °>*co*e)

Damit  sind  die  oben  nur  für  die  4  Kardinalrichtungen  gewonnenen  Werthe  unmittelbar  für  beliebige
Bewegungsazimuthe  abgeleitet.
Aehnlich  könnte  man  wohl  auch  bei  Bewegungen  auf  der  Kugelober  fläche  verfahren;  indessen
dürfte  es  wohl  gestattet  sein,  in  weit  einfacherer  Weise  mit  Hülfe  der  Betrachtung  Seite  10  und  11
unmittelbar  von  der  rotirenden  Scheibe  zum  Sphäroid  überzugehen.  —■
Wollte  man  aber  auch  nicht  von  dem  hiermit  angegebenen  Wege  zur  strengen  Ableitung  der
Werthe  Pi  und  P„  Gebrauch  machen,  so  ist  doch  zu  bemerken,  dass  die  Kenntniss  der  Eigenschaften  der
so  leicht  durch  die  Phantasie  oder  graphische  Konstruktion  reproducirbaren  Trägheitskurven  auch  ohne  jede
Bechnung  zu  ganz  wichtigen,  noch  mehr  oder  weniger  unbekannten  Resultaten  führen  kann.  Leicht  überzeugt ­
  man  sich  z.  B.,  dass  bei  den  Trägheitskurven  der  nördlichen  Hemisphäre  der  Krümmungsmittelpunkt
im  Allgemeinen  stets  auf  der  rechten  Seite  des  dieselben  durchlaufenden  Körpers  liegt.  Die  Krümmung
ist  also  nach  der  Ausdrucksweise  der  neueren  Meteorologie  eine  anticyklonale.  Bewegte  sich  ein  Luftstrom
in  einer  ebenfalls  anticyklonalen,  aber  stärker  gekrümmten  Bahn  ab  c,  so  wäre  die
relative  Centrifugalkraft  grösser  als  bei  der  Bewegung  in  der  Trägheitskurve;  wegen
dieses  Ueberschusses  wäre  eine  von  links  nach  rechts  gerichtete  äussere  Kraft  bd
(Centripetalkraft)  erforderlich,  damit  diese  Bewegung  von  Statten  gehen  könnte.  Ist
dagegen,  wie  gewöhnlich,  die  anticyklonale  Krümmung  der  wirklichen  Bahn  geringer, ­
  als  bei  der  Trägheitskurve  (fbg  der  nebenstehenden  Figur),  so  muss  die  erforderliche ­
  äussere  Kraft  P e  entgegengesetzt,  von  rechts  nach  links  gerichtet  sein.
Eine  andere  äussere  Kraft  T r  ist  ferner  in  der  Richtung  der  Bewegung  erforderlich,
um  bei  gleichförmiger  Geschwindigkeit  die  Reibung  zu  überwinden.
In  Wirklichkeit  werden  also  die  Isobaren  so  verlaufen,  dass  sich  eine
Gradientkraft  P  als  Resultirende  von  P K  und  r r  ergiebt.  Wie  die  durch  den
Ablenkungswinkel  a  bezeichnete  Beziehung  dieser  Resultirenden  P  zur  Bewegungsrichtung ­
  mit  der  Krümmung  der  Bahn  variirt,  ist  mit  Rücksicht  darauf,  dass  sich
bei  gleichbleibender  Geschwindigkeit  die  Komponente  r T  nicht  ändert,  leicht  zu
übersehen,  da  nach  dem  Vorstehenden  die  andere  Komponente  P e  zunächst  nach
rechts  gerichtet  ist,  bei  Bewegungen  in  der  Trägheitskurve  selbst  verschwindet  und  dann  mit  abnehmender
anticyklonaler  Krümmung  der  Bahn  in  der  entgegengesetzten  Richtung  mehr  und  mehr  anwächst.  Wie
man  sieht,  läge  auch  die  Richtung  des  wirklichen  Gradienten  P  bei  sehr  starker  anticyklonaler  Krümmung
der  Bahn  rechts  von  derselben,  fällt  bei  Bewegungen  in  der  Trägheitskurve  mit  dieser  zusammen  und
weicht  dann  nach  links  von  der  Bewegungsrichtung  ab.  Bei  Bewegungen  in  der  Trägheitskurve  erreicht
P  ein  Minimum,  und  wird  grösser  in  dem  Maasse,  als  die  anticyklonale  Krümmung  der  Bahn  geringer  wird
und  schliesslich  in  die  entgegengesetzte,  die  cyklonale,  übergeht.  Daraus  ergiebt  sich  der  allgemein  (auch
für  die  südliche  Hemisphäre  gültige)  Satz:
Unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  (hinsichtlich  der  geographischen  Breite,  Geschwindigkeit ­
  und  Reibung)  ist  die  cyklonale  Krümmung  der  Windbahn  von  einem  stärkeren  Gradienten ­
  und  grösseren  Ablenkungswinkel«  begleitet,  als  die  anticyklonale  Krümmung.
Lässt  man  umgekehrt  die  Reibungskoefficienten  variiren,  also  die  Komponente  P r .  so  erkennt  man
sogleich:
            
Waiting...

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