Lettau, H.: Turbulente Schwankungen von Wind und Temperatur usw. 473
Es sei nur noch darauf hingewiesen, daß der mit Hilfe der Schwankungen
der zeitlichen Änderungen ermittelte Austauschwert von 2.8 cm! g sec-! nicht
als zu klein angesehen werden darf, denn Hesselberg fand aus Beobachtungen
der Windunruhe in Lindenberg als Gesetz A=1.0 w% wenn w, der horizontale
Wind, in m/sec ausgedrückt wird; mit w=-1,56 m/sec führt dies auf einen Wert
von 2.4 cm—1 g see-71,
Es offenbart sich in diesen geringen Werten wiederum deutlich die Tat-
sache, daß die Turbulenz zumindest der bodennahen Luftschichten unabhängig
von der thermischen Stabilität ist, denn der mittlere Temperaturgradient war
doch stark überadiabatisch, sogar oberhalb des Gradienten der Dichtegleichheit,
Messungen in der freien Atmosphäre deuten ähnliches an’). Wir stehen vor
ginem der wichtigsten Naturvorgänge, ohne über ihn wesentlich mehr Kenntnis
als die Bestätigung seines Vorhandenseins zu besitzen. Nur eine auf lange Sicht
singestellte umfassende Untersuchung und meßbare Erfassung aller Einzelvor-
gänge kann hier weiterführen, eine Aufgabe, zu deren Lösung am Collm-
observatorium nach Kräften mitgearbeitet werden soll. Es erübrigt sich fast
darauf hinzuweisen, daß die Erarbeitung von Kenntnissen über Gesetzmäßigkeiten
bei Vorbedingung, Entstehen und Ausmaß atmosphärischer Turbulenz von höchster
praktischer Wichtigkeit ist, weil darin der Schlüssel zu meteorologischer Dia-
gnose und Prognose bei den nautisch maßgeblichsten Wetterelementen Sicht,
Nebel und Bodenwind liegt.
Zur Frage der Messung der Lufttemperatur auf See.
Von F, Lüth, Elsfleth,
Im Sommer 1933 unternahm ich eine Informationsreise an Bord des Dampfers
„Porto“ der Oldenb.-Portug, Dampfschiffsreederei nach Marokko und zurück. Auf
Anregung der Herren Oberregierungsrat Prof. Dr. Kuhlbrodt und Dr. Witten-
becher von der Deutschen Seewarte nahm ich auf See Thermometervergleichs-
messungen vor, Durch die Vermittlung der genannten Herren wurden mir die
zu diesem Zweck erforderlichen Instrumente von der Deutschen Seewarte zur
Verfügung gestellt, Es handelte sich um zwei in Jalousiekästen aufgehängte
Thermometer (Seeobshütten) und ein ABmannsches Aspirationspsychrometer.
Die Hütten wurden je eine an St-B. und
B-B. freistehend über den Brückennocken
angebracht, das Aspirationspsychrometer
wurde an der luvseitigen Brückennock außen-
bords abgelesen, Gleichzeitig mit diesen In-
strumenten wurde ein Bordthermometer ab-
gelesen, das, von einem festanliegenden Holz-
gehäuse umhüllt, fest an eine Stange des
Sonnensegels angebunden war. Die Thermometerablesungen wurden regelmäßig
sechsstündig (0b, 6b, 12b, 18h M.G.Z.) vorgenommen; an einigen Tagen wurde
stündlich abgelesen. Beobachtungen auf stilliegendem Schiff sind von der Be-
arbeitung ausgeschlossen worden, Die ausgewerteten Beobachtungen erstrecken
sich auf folgende Tage: 26. VI, bis 30. VI. (Antwerpen-—Ceuta), 8. VII bis 9. VII.
(Melilla—Rabat), 13. bis 14. VII (Casablanea—Setubal), 28. VII bis 3. VIII. (Vigo—
Hamburg). Untersuchungen dieser Art sind angestellt worden u. a. von Seilkopf
(Ann. d. Hydr, usw. 1929, S. 108 u. ff.) sowie von Stein (Ann. d. Hydr. usw. 1933,
5. 376 u. ff).
Die Bearbeitung ergab zunächst folgende Mittelwerte aus allen Beobachtungen:
Tabelle 1.
17.21° Luv-Abmann ‚......... = +70.36°
17.57 Lee-LuY. ......0.00.0.0, = -+024
17.81 Bordthermometer-Aßmann . = + 1,67
18.88
Fa,
Aßmann .....0.0.0.0..
Hütte an Luy...........
Hütte an Lee ...00.000001.
Bordthermometer ..........
1) Met. Zschr. 1934, 8, 249—257,