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Annalen der Hydrographie und Maritiinen Meteorologie, Januar 1912.
das Ergebnis zugleich in einer solchen Form mitgeteilt wird, daß eine Nach-
prüfung der Schlußfolgerungen möglich ist. Eine eingehende Prüfung der einen
oder der anderen Regel ist mir selbst leider noch nicht möglich geworden, doch
ist mir mehrfach die Brauchbarkeit der Regel über die Folgeerscheinungen bei
dem Auftreten zu starker Winde hervorgetreten und für die Wettervorhersage
von großem Nutzen gewesen. Hat sich beispielsweise seit dem vorhergehenden
Tage ein ozeanisches Hochdruckgebiet über Großbritannien ausgebreitet (kein
eigentlicher Hochdruckkeil), so bietet sich für die Wettervorhersage bekanntlich
stets die sehr große Schwierigkeit der Beurteilung, ob das Hochdruckgebiet
weiter vordringen und antizyklones Wetter herbeiführen oder die heute vom
hohen Norden bis Mitteleuropa reichende Depression ihre Lage behaupten werde;
treten in solchen Fällen auffallend starke nordwestliche und nördliche Winde
auf der Vorderseite des Hochdruckgebiets auf, so ist die Wahrscheinlichkeit einer
kräftigen, ostwärts gerichteten Ausbreitung des Hochdrucksgebiets sehr groß.
Erstreckt sich des weiteren beispielsweise ein Ausläufer eines nordwestlich von
Schottland lagernden Tiefdruckgebiets nach dem Norden der Nordsee, während
ein Hochdruckgebiet über Großbritannien ostwärts reicht, so liegt uns für die
Beurteilung des kommenden Wetters die schwerwiegende Frage vor, ob sich der
Tiefdruckausläufer weiter südostwärts über die Nordsee nach Nordwestdeutsch-
land ausbreiten werde; wehen in solchen Fällen auf der Südseite des Ausläufers
auffällig starke südwestliche Winde, so wird in der Regel das Vordringen des
Ausläufers aufgehalten werden. Ebenso bemerkt man sehr häufig, daß Minima
in ihrem Vordringen nach Osten zurückgehalten und abgeschwächt werden, wenn
auf ihrer Vorderseite auffällig starke Winde aus südlichen Richtungen herrschen.
Die Wichtigkeit ciner eingehenden statistischen Untersuchung der Richtigkeit
dieser Regeln ergibt sich gerade in diesem Fall, aus dem besonderen Grunde,
daß man ohne eine derartige Grundlage in vielen Fällen davor zurückschrecken
wird, an Stelle der in der herkömmlichen Weise gewonnenen Anschauung von
der kommenden Entwicklung der Wetterlage, auf Grund der Guilbertschen
Regel eine wesentlich abweichende Auffassung als Ausgangspunkt der Wetter-
vorhersage zu wählen (vgl. die Morgen-Wetterkarte vom 7., 13. und 15. De-
zember 1911),
Die Regel, daß die Depressionen mit Vorliebe nach denjenigen Gegenden
vordringen, wo divergente Winde herrschen, fiel mir besonders auf, da sie sich
in einem besonderen und wohl dem hauptsächlichsten Falle mit meiner Erfahrung
deckt, daß das Fortschreiten der Minima, wenn ihnen Keile hohen Drucks vor-
angehen, durch diese Keile angezeigt wird; ist ein solcher Keil hinsichtlich des
Verlaufs seiner Isobaren auf beiden Seiten symmetrisch entwickelt, so schreitet
das Minimum senkrecht auf die grade Längsachse des Keils los, verlaufen aber die
Isobaren zu beiden Seiten nicht symmetrisch, indem der Keil nach der Seite der
Depression hin an seiner Wurzel eingebeult erscheint, so schreitet das Minimum
in der Regel auf diese Stelle am Grunde des Keiles zu. Die Übereinstimmung
mit Guilbert ist hier eine vollständige, da die Winde auf der dem Minimum
abgewandten Seite des Keiles stets in bezug auf die Depression divergent sind
und dieses Verhalten bei dem unsymmetrisch entwickelten Keil an der entsprechenden
Stelle am stärksten ausgeprägt ist. Verblüffend aber war mir eine Bemerkung
von Guilbert, betreffend die weitere Bedeutung der Keile für die Verlagerung
der Minima: Das erste Beispiel von Guilbert zeigt uns am 5. März 1894 ein
Hochdruckgebiet über der Biscayasee und Frankreich mit einem über die Nord-
see nordwärts reichenden Hochdruckkeil, der einen über Südskandinavien nach
dem Weichselgebiet gerichteten Depressionsausläufer von einer über dem Ozean
nordwestlich von Großbritannien angedeuteten Depression trennt; am folgenden
Morgen liegt das neue vom Ozean stammende Minimum über der Nordsee und
beherrscht das Gebiet des gestrigen Keils, die neuen Isobaren schneiden über der
Nordsee und Umgebung die gestrigen nahezu rechtwinklig. Hierzu bemerkt
Guilbert (S. 58): »Die Antizyklone mußte notwendig (fatalement) nach
unseren Prinzipien in einigen Stunden zerstört werden, und ihr
Rücken mit seinen konvexen Isobaren mußte, wie es in Ähnlichen