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mit immer mehr Sicherheit festgestellt werden können. Es ist einleuchtend, dass bei den gesteigerten
Anforderungen des Verkehrs an die Schnelligkeit der Schiffe und bei der Fahrt ohne Unterbrechung
Sommer und Winter zu Zeiten, wo oft viele Tage lang, ja manchmal für eine ganze Dampferreise,
von oder nach Newyork eine Rektifizirung des Kurses durch direkte Beobachtungen nicht möglich ist,
eine solche Prognose von Wichtigkeit für die Sicherheit des Schiffes werden kann.
3. Bei älteren Schiffen, von welchen aus Beobachtungen mehrerer Reisen genaue Mittelwerthe der ein
zelnen Koeffizienten c, v, P; f, v, Q, erhalten sind, können dieselben bei der praktischen Navigirung
des Schiffes insofern verwandt werden, als für verschiedene Punkte des Weges der vorhabenden Reise
die Koeffizienten B und C im Voraus berechnet werden können, um einerseits als beständige Kon-
trole der Beobachtungen zu dienen und etwaig vorkommende Unregelmässigkeiten im Gange der De
viation sofort auf ihre Ursache zu verfolgen, andererseits aber in Ermangelung von Beobachtungen
direkt zur Rektifizirung des Kurses benutzt zu werden.
Soll aber der Schiffsführer die in obigen drei Sätzen dargelegten Vortheile zum Vollen ausnutzen
können, so ist ihm vor allen Dingen eine Kenntniss der Deviationskoeffizienten B, C und D sowie der Ele
mente der Lehre vom Magnetismus erforderlich. Ohne diese Kenntniss schützen selbst die sorgfältigsten
Beobachtungen seitens des Schiffsführers nicht immer vor Kompassfehlern, da das Gesetzmässige in den
fortwährenden Aenderungen und Schwankungen der Deviationen, wie wir glauben in der obigen Abhand
lung dargethan zu haben, lediglich und allein durch Zurückführung der beobachteten Deviationen auf die
Deviationskoeffizienten erkannt werden kann. Es ist von Interesse, hierüber den bereits vor über 20 Jah
ren gemachten Ausspruch des Liverpool Compass-Committees kennen zu lernen. Dasselbe äussert sich Third
Report, pag. 39, wie folgt:
„Unzweifelhaft ist das beste praktische Korrektionsmittel für Kompassfehler aller Art in ei
nem kompetenten und sorgsamen Kapitän selbst zu suchen. Wie es anzufangen ist, die Kapitäne
und zukünftigen Offiziere eiserner Schiffe kompetent in diesem besonderen Fache ihrer sehr mannig
faltigen Pflichten zu machen, verdient aufs sorgfältigste erwogen zu werden. Eine klare Erkenntniss
der Elemente der Lehre vom Magnetismus und der Mechanik sollte billigerweise von dem Führer
eines eisernen Schiffes verlangt werden. Das praktische Verfahren bei der Kompasskompensirung
ist so einfach und kann in so kurzer Zeit erlernt werden, dass man von jedem Offizier eines eiser
nen Schiffes erwarten dürfte, dass er den Beweis seiner Fähigkeit, diese Operation auszuführen,
liefern müsste.“
Zu diesem Schlüsse muss ein Jeder kommen, der sich praktisch längere Zeit mit dem Gegenstände
beschäftigt hat. Er ist jetzt um so mehr berechtigt, als durch die grossen Fortschritte der Schiff- und
Maschinenbautechnik und durch die gesteigerten Anforderungen des Verkehrs an die Schnelligkeit der
Schiffe nicht allein Fehler im Kurse eher Vorkommen können, sondern auch namentlich bei der Ausdehnung
der Dampferfahrt in die verschiedensten Gegenden der Erde eine Aenderung der Kompensation der Kom
passe in manchen Fällen zur Nothwendigkeit wird.
Es erübrigt schliesslich noch, den Schiffsführern, deren sorgfältige und ausführliche Beobachtungen in
erster Linie dazu beigetragen haben , dass jetzt abermals ein Fortschritt in der Lehre von der Deviation
und ihrer Anwendung auf die Schifffahrt konstatirt werden darf, hiermit den öffentlichen Dank auszusprechen;
wie die Kapitäne denn auch andererseits aus diesen Arbeiten erkennen können, dass schliesslich die Re
sultate ihrer Beobachtungen der praktischen Navigation, d. h. ihrer eigenen Thätigkeit zu Gute kommen
müssen. Es bleibt noch Vieles zu thun übrig, und verdient namentlich hervorgehoben zu werden,
dass, um genaueren Aufschluss über manche Erscheinungen in den Aenderungen des Schiffsmagnetismus zu
erlangen, Untersuchungen über die wirkenden Kräfte durch Intensitätsbeobachtungen in ausgedehnterem
Maasse, als es bis jetzt bei den noch vielfach mangelhaften Einrichtungen zum Schwaien der Schiffe der
Fall sein konnte, als äusserst wünschenswerth bezeichnet werden müssen.
Hamburg, im Februar 1881.