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Die römischen Zahlen hei No. 1. der Quellenangabe bedeuten die resp. Bände der Zeitschrift.
Um jedoch ein geographisches Bild der Schwankungen, welches von den in Bede stehenden
Bedenken möglichst frei ist, für einen grösseren Theil der nördlichen Hemisphäre zu erhalten, wählte ich
das Jahr 1874, von dem das meiste dazu erforderliche Material vorhanden, zu einer besonderen Zu
sammenstellung, deren Besultat in den beifolgenden beiden Karten, von denen Tafel I die Schwankungen
für die Wintermonate (Januar, Februar, März), Tafel II diejenigen für die Sommermonate (Juli, August,
September) enthält, verzeichnet ist. Herr Direktor Hoffmeyer hatte die Güte, die Benutzung der auto-
graphischen Formulare, welche für seine synoptischen Karten bestimmt sind, zu gestatten.
Die Werthe der Schwankungen wurden berechnet aus den Extremen jedes einzelnen der an
geführten Monate und dann das Mittel aus den drei gefundenen Schwankungen genommen, um auf diese
Weise die den Beobachtungen anhaftenden Zufälligkeiten möglichst aufzuheben oder doch zu verkleinern.
Wenngleich nun in dieser Darstellung auch eine gewisse sachgemässe Uebereinstimmung in der
Grösse und der Veränderlichkeit der Schwankungen deutlich zu erkennen ist, so bleibt dabei die Frage
offen, ob die ziemlich regelmässige Vertheilung, die sich hier zeigt, in der That eine annähernd normale,
resp. gewöhnliche ist, oder nur diesem besonderen Jahrgange angehört.
Betrachtet man in beiden Karten die für die betreffenden Jahreszeiten gezogenen Linien gleicher
Schwankungen, so ist deutlich erkennbar, dass, wenn auch an Grösse verschieden und an Regelmässigkeit
abweichend, dieselben im Winter sowohl wie im Sommer mit der Zunahme der Breite ebenfalls zunehmen;
so sind z. B. im Winter die Schwankungen in St. Petersburg, im Sommer die im nördlichen Schottland
ungefähr dreimal so gross wie die in Palermo.
Für den Winter sind auf der Karte zwei Maxima der Schwankungen deutlich ausgeprägt, das
eine liegend in West-Grönland, das zweite in Russland in der Nähe des Onega-See’s, während der Verlauf
der Linien auf die Anwesenheit eines dritten im arktischen Nordamerika sehliessen lässt.
In Island betrugen die Schwankungen im Durchschnitte der drei Monate während dieses Winters
46 bis 48 mm.
Im Sommer dagegen findet man ein entschiedenes Maximum der Schwankung über Island und ein
zweites im Norden Sibiriens angedeutet.
Sehr interessant ist der Vergleich der Schwankungen in West-Europa gegenüber denjenigen an
der Ostküste Nordamerika’«. Wir finden, dass ähnlich wie die Isothermen auch die Linien gleicher
Schwankungen an der Westseite des atlantischen Oceans bedeutend weiter nach Süden verlaufen als dies
an der Ostseite desselben der Fall; so haben beispielsweise im Winter Washington und Prag die gleiche
monatliche Barometerschwankung, während sie doch circa 11° in Breite von einander abweichen, ferner
hat Nova Scotia ungefähr dieselbe Schwankung wie das mittlere Norwegen trotz einer Breitendifferenz von
etwa 18 Grad.
Aehnlich ist dieses im Sommer der Fall, wo Quebec in 47° Breite eine grössere Barometer
schwankung als das unter ungefähr 71° liegende Nordkap zeigt.
Um die Karten nicht zu überladen sind die Ortsnamen weggelassen und sind nur die Stationen,
von denen Beobachtungen Vorlagen und behufs Zeichnung der Linien gleicher Schwankungen berechnet,
durch die schwarzen Punkte angedeutet.
Um wenigstens annähernd ein übersichtliches Bild zu erhalten, habe ich in der angeführten
Weise die Beobachtungen nur eines Jahres zu verwerthen gesucht; sicher würde eine weitere eingehen
dere Untersuchung durch Reducirung dieses Zahlenmaterials auf die Mittelwerthe für mehrere Jahre in
ähnlicher Weise wie es bei den Temperatur - Angaben mehrfach geschehen ist und geschieht, ein sehr
interessantes und zweckentsprechendes Resultat ergeben.