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Full text: 65, 1937

Schott, G.: Zur Frage: Peru-Strom oder Humboldt-Strom? 
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deutliche Ausbildung. Vor der chilenischen Küste ist die Wasserbewegung in ihrer 
Richtung unzuverlässig und äußerst schwach; darüber liegen Dutzende von 
Kapitänsberichten vor, auch seitens deutscher Kriegsschiffe, die vergebens auf 
den eingezeichneten Strom rechneten. (Vergl. z. B. die Jahrgänge der Ann. d. 
Hydr.) Sie strömt also nicht „vornehmlich vor der chilenischen Küste“, wie 
Wüst schreibt. Das Gegenteil ist der Fall. Schon in dem alten Werk von 
j. F. Meyoen, Reise um die Erde, Berlin 1835, Teil XI, S. 51, steht der folgende 
Satz: „Es zeigte sich, daß entweder diese Strömung gar nicht vorhanden oder 
doch nur an den südlichen Küsten von Chile 2 oder 3 bis 3!/, Minuten in 24 
Stunden (also eine minimale Versetzung, Anm. Schott) betrug. Diese Messungen 
konnten mit größter Bestimmtheit angestellt werden. Weiter nördlich, nämlich 
über Lima hinaus, ist die Angabe Ansons (über große Geschwindigkeiten, Anm, 
Schott) gewiß ganz richtig.“ Das ist genau das, was ich behaupte.!) 
Auch die mit der ablandigen Stromrichtung verknüpften und viel erörterten 
Auftrieberscheinungen kalten Küstenwassers sind ein ganz überwiegend an der 
peruanischen Strecke energisch entwickeltes Phänomen, wenn sie auch in 
Nordchile etwa bis Antofagasta und Coquimbo hin nicht fehlen. Callao hat im 
Südfrühling und im Südsommer, obwohl es rund 700 Seemeilen (!) näher zum 
Äquator liegt, niedrigere Temperaturen des Wassers als Antofagasta. So etwas 
ist bei einer Strömung im landläufigen Sinn schlechterdings unmöglich, einerlei, 
ob das Aufsteigen kalten Tiefenwassers die primäre oder eine nur sekundäre 
Rolle spielt, Jedenfalls spricht auch das Vorkommen speziell des kalten Tiefen- 
wassers für die Bezeichnung „Peru-Strom“. 
Doch genug. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Benennung 
„Humboldt-Strom“ bereits international üblich sei, wie Wüst 1935 behauptete. 
Weil nunmehr auch in England und Amerika „Peru-Strom“ bevorzugt wird, 
steht jetzt erst die internationale geographische Einigung bevor, sofern die 
heutigen deutschen Fachgenossen in derselben Weise wie ihre Kollegen des vorigen 
Jahrhunderts im Hinblick auf A. vv. Humboldts klar ausyesprochenen Willen 
sich ebenso klar entscheiden — für „Peru-Strom“. 
Das Zonen- und das Streifenverhältnis in Kartennetzen. 
Von Prof, Dr. Karl Siemon, Erfurt-Hochheim. 
(Hierzu Tafel 15 mit Abb. 1 bis 7.) 
Um die Verzerrungen einer Karte in bezug auf die Flächengröße zu be- 
urteilen, wird in der Kartennetztheorie bisher nur das punktuale Flächenverhält- 
nis % herangezogen, d.h. der Quotient aus dem Inhalt einer unendlich kleinen 
Kartenmasche und der entsprechenden Globusmasche. Bei ziemlich dicht gelegten 
Netzlinien kann man aus ihm entnehmen, in welchem Ausmaß die einzelnen kleinen 
Netzmaschen der Flächengröße nach ungefähr verzerrt werden und wie sich die 
Verzerrung von Masche zu Masche ändert, die längs einer beliebigen Kurve auf- 
einander folgen. In den Kartennetzen springen aber die zwischen zwei benach- 
barten eingezeichneten Breitenlinien oder Meridianen liegenden ganzen Gebiets- 
teile noch mehr als die einzelnen Maschen ins Auge. Für die Gewinnung eines 
zusammenfassenden Urteils über die größere oder geringere Brauchbarkeit einer 
Karte ist es daher nicht nur wichtig, zu wissen, wie sich die Verzerrung inner- 
halb einer Zone oder eines Streifens oder längs einer Kurve von Masche zu Masche 
SD] Übrigens fuhr Dr, Meyen auf „Prinzeß Louise“, einem Schwesterschiff des ,,Mentor“, den 
Wüst „ein sonst ganz unbekanntes preußisches“ Schiff nennt. ‚Mentor‘ und „Louise“ waren aber 
s. Z. wegen ihrer sicheren Reisen berühmte Segler der damaligen Königlichen Preußischen See- 
handlung, Es erscheint mir wahrscheinlich, daß ein großes Bild des „Mentor“ aus den Sammlungen 
der Deutschen Seewarte in Hamburg sich heute befindet — im Institut für Meereskunde zu Berlin, 
Die Ergebnisse der Reisen der 5 Segelschiffe der Preußischen Seehandlung in den Jahren 1422 
bis 1842 haıten damals wirtschaftlich, politisch, nautisch und oOzeanographisch derartig große Be- 
deutung, daß z. B. H, Berghaus nicht bloß in seiner Länder- und Völkerkunde (Bd. I) davon 
haudelt, sondern sogar in einem eigenen Werke {Breslau 1842) die Reisen von „Mentor“ und „Louise“ 
nach den Tagebüchern veröffentlicht hat.
	        
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