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Full text: 65, 1937

Schott, G.: Zur Frage: Peru-Strom oder Humboldt-Strom ? 
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Zur Frage: Peru-Strom oder Humboldt-Strom? 
Von Prof. Dr. 6, Schott, Altona/Hamburg. 
L Der historische Gesichtspunkt, 
Alexander von Humboldt schreibt unter dem 21. Februar 1840 an 
Heinrich Berghaus?): .... „Ich thue die Schritte unter der sehr bestimmten 
Bedingung, daß die Dedication®), die ich gesehen, und die mir sehr ernstlich 
schädlich ist (was mir zu beurtheilen zusteht), nicht erscheine. Eben so pro- 
testiere ich (auch allenfalls öffentlich) gegen alle „Humboldtsche 
Strömung“, der schon in England von den Seefahrern belächelten 
„Rennelschen“ nachgebildete, Die Strömung war 300 Jahre vor mir 
allen Fischerjungen von Chili bis Payta bekannt; ich habe bloß das 
Verdienst, die Temperatur des strömenden Wassers zuerst gemessen 
zu haben ....“4) 
Hiernach, nach einem so energisch ausgesprochenen Willen, ist es aus 
Gründen selbstverständlicher Pietät gerade uns Deutschen unmöglich, für die 
Meereserscheinungen vor der Westküste Südamerikas die Bezeichnung „Humboldt- 
Strom“ fernerhin zu gebrauchen. Tatsächlich hat auch Heinrich Berghaus, 
den Wunsch Humboldts achtend, das Wort „Humboldt-Strom“ vermieden und die 
peruanische Küstenkarte, von der in Fußnote 3 die Rede ist, am 30. November 
1840 in mustergültigem Stich herausgebracht, aber nur Strompfeile als solche 
eingezeichnet, In seinem Physikalischen Atlas, auf dem Blatt „Großer Ozean“ 
vom Jahre 1837, steht „Peruanische Strömung“. Ebenso hat sein Neffe Hermann 
Berghaus in demselben Physikalischen Atlas, Ausgabe 1891, Taf. 21, „Peru- 
Strom“ geschrieben. Überhaupt ist in Justus Perthes’ Geographischer Anstalt 
in Gotha — soweit es eine ungefähre Überprüfung ergibt — „Peru-Strom“ ge- 
schrieben worden. Der Herausgeber der „Mitteilungen“, A. Petermann, hat 
beispielsweise 1865 auf Taf. 5 eine s. Z. ganz ausgezeichnete Karte der Meeres- 
strömungen veröffentlicht, in der „Peruanische Strömung“ steht, und Stielers 
Handatlas bringt in seiner Hundertjahrausgabe von 1925 ebenfalls „Peru-Strom“ 
u, 8. f. Also gute alte Tradition aus den Zeiten der Gothaer Geographen Berg- 
haus, Petermann und Supan, welch’ letzterer in den vielen Auflagen seiner 
Physischen Erdkunde „Peru-Strom“ bis zuletzt schreibt, Auch der sehr weit ver- 
breitete Sydow-Wagnersche Schulatlas hat unter der Redaktion von H. Wagner 
„Peru-Strom“ z. B. 10. Aufl., Gotha 1902, Es wurde erst — soweit ich die Auflagen 
einsehen konnte — durch den jüngeren Herausgeber H. Lautensach der Name 
„Humboldt-Strom“ eingesetzt, s. 19. Aufl., Gotha 1931; in dieser Auflage befindet 
sich die Karte, die Wüst in seinem Aufsatz, S. 441, abbildete. 
Die Tatsache, daß Humboldt selbst „Humboldt-Strom“ abgelehnt hat, ist 
übrigens den älteren deutschen Geographen bekannt und gegenwärtig gewesen. 
O. Peschel und S. Ruge heben in der „Geschichte der Erdkunde“, 2, Aufl. 
München 1877, 8. 437 die lebhafte Verwahrung Humboldts gegen die Ver- 
wendung seines Namens in dieser Angelegenheit hervor und erwähnen, daß schon 
in den alten Lotsenbüchern z. B. von Linschoten, Amsterdam 1596, von dem 
kalten peruanischen Küstenstrom die Rede ist, Noch 1900 schreibt S. Günther 
in seiner Biographie A. v, Humboldts (S. 165): „Humboldt hat sich auch mit 
den Strömungen im Meere befaßt. Eine allzu bewunderungsfreudige Mitwelt 
hat sogar die kalte peruanische Strömung mit dem Namen des angeblichen 
Entdeckers ehren wollen, allein dieser selbst lehnte entschieden ab.“ Den 
jüngeren deutschen Geographen ist dann offenbar die Stellungnahme Humboldts 
nicht mehr geläufig. 
Um die Frage der Namengebung, soweit sie historischen Charakter hat, im vor- 
liegenden Artikel abzuschließen, sei nur noch auf zwei Vorgänge aus neuester Zeit 
1) Unter Bezugnahme auf den Artikel von G. Wüst „Humboldt-Strom, nicht Peru-Strom!“ in 
Peterm. Geogr. Mitteil, 1935, 8. 439 ff. — 2%) Vergl. Briefwechsel Alexander von Humboldts mit Hein- 
rich Berghaus, 2. Ausgabe, 2. Band, Jena 1869, S. 283/84. — %) Berghaus war damit beschäftigt, in 
einem Royal Prussian Maritime Atlas eine peruanische Küstenkarte zu bringen, die er Humboldt in einer 
sehr ausführlichen „Dedication‘“ widmen wollte. Gegen die Form dieser Widmung erhob Humboldt 
wiederholt zahlreiche Bedenken, schon am 24, März 1839. — *) Vom Verfasser gesperrt. G. Sch.
	        
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