accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 65, 1937

Defant, A.: C. G. Rossby, Dynamik station. ozean, Ströme im Lichte der experim. Stromlehre. 67 
ist und bald abnimmt, da der Kompensationsstrom sich stromabwärts abschwächt. 
Durch diese Wirbel wird Wasser von der rechten Umgebung nach links in den 
Hauptkörper geworfen und umgekehrt. Die Wirkung dieser Wirbelbildungen 
wird schließlich sein, daß Wasser von rechts nach links durch den Hauptkörper 
der Strömung hindurch wandert, und, da der linke Rand und die Gegenströ- 
mung seicht und räumlich beschränkt sind, muß unten eine Gegenquer- 
strömung den oberen Transport kompensieren, Das führt zu einer Quer- 
zirkulation. Eine solche nimmt Rossby zwar nicht an; aber er schließt doch, 
daß diese Komplikation kaum sich vereinigen läßt mit der Bedingung, daß der 
Impulstransport im Querschnitt konstant bleibt. Dieser wird unter diesen Be- 
dingungen stromabwärts abnehmen; das bedingt aber dann auch eine Abnahme 
des Massentransportes stromabwärts. 
Die theoretischen Überlegungen Rossbys spalten sich nach den obigen Aus- 
führungen in zwei Teile. Im ersten Teil werden die Seitenscherkräfte eingeführt, 
die Folgerungen davon für die Dynamik der atmosphärischen und ozeanischen 
Strömungen gezogen und weiter jene theoretischen Anschauungen entwickelt, 
die in der Abspaltung des Coriolischen Druck- und Massenfeldes von dem allein 
dynamisch bedeutsamen Restdruckfeld, das so wirkt, wie wenn die Erde nicht 
rotieren würde, gipfeln. Dieser erste Teil ist in sich geschlossen und bildet die 
Grundlage einer besonderen Auffassung über die Dynamik von Strömungen in 
einem rotierenden System. 
Der zweite Teil gibt eine Anwendung davon auf ozeanische Ströme, die 
unter konstantem Impulstransport vor sich gehen sollen. Aus der ganzen 
Ausarbeitung der Analogie zwischen einem solchen Freistrahlstrom und den 
ozeanischen Strömungen ist deutlich zu erkennen, daß Rossby hierbei stets das 
System des Golfstromes von der Floridastraße bis südlich Neufundlands 
im Auge gehabt hat. Und tatsächlich scheinen viele der markantesten Eigen- 
schaften dieses wichtigsten der Stromsysteme des Weltmeeres mit den Folge- 
rungen aus der Freistrahltheorie im Einklang zu stehen, Allerdings braucht 
manches von diesen Erscheinungen nur äußerlich ähnlich zu sein und eine defi- 
nitive Entscheidung läßt sich gewiß erst geben, wenn wesentlich mehr synop- 
tische Aufnahmen von diesem Meeresteile vorliegen. Rossby hat im zweiten 
Abschnitt seiner Abhandlung selbst versucht, aus dem vorhandenen Beobach- 
tungsmaterial der Atlantisfahrten nach der S= f (t)-Methode Anhaltspunkte 
für die von ihm vertretene Auffassung zu gewinnen. Es ist nicht meine Absicht, 
mich hier mit diesen Ergebnissen zu befassen, ich möchte aber nur erwähnen, 
daß, wie es mir scheint, nicht alles so überzeugend wirkt, um sich völlig den 
Anschauungen Rossbys anschließen zu müssen. Ich glaube, daß diese sicherlich 
eine interessante und wichtige Arbeitshypothese bilden und die Zukunft uns ge- 
wiß zu ihnen wird zurückführen. 
Daß die Vermischungsverhältnisse bei der Ausbreitung von ozeanischen 
Wassermassen in mancher Hinsicht gewisse Ähnlichkeiten mit den Gesetzen einer 
Freistrahlströmung aufweisen, habe ich selbst, wohl ohne daß es Rossby be- 
kannt geworden, bei der Bearbeitung der Ausbreitungsvorgänge des subantark- 
tischen Zwischenwassers im Atlantischen Ozean im „Meteor“-Werk nachgewiesen‘?). 
In auffallender Weise fügen sich sowohl die Temperaturverteilung wie die Salz- 
gehaltsverteilung an jene Bilder an, die der Freistrahl gibt; aus diesen Ver- 
teilungen lassen sich sowohl die Querverteilungen der Austauschgröße wie auch 
der Geschwindigkeit ableiten und diese gleichen in allen Punkten den aus der 
Theorie von Tollmien gegebenen Darstellungen. Allerdings habe ich mehr die 
Vermischung der eindringenden Wassermassen mit den darüber und darunter 
lagernden Massen im Auge gehabt und diese Prozesse gehen unter Mitwirkung 
der Schwerkraft vor sich; die Stabilität der Schichtung hat den größten Ein- 
{luß auf sie. Aber auch nur in vertikaler Richtung sind die Änderungen der 
4) A. Defant: Ausbreitungs- und Vermischungsvorgäoge im antarktischen Bodenstrom und im 
subantarktischen Zwischenwasser. Wiss. Erg. d. „Meteor“-Exped. 1925—27. Bd. VI, zweiter Teil, 
2, Lief., Berlin 1936. 
3
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.