Defant, A.: C. G. Rossby, Dynamik station, 0zean. Ströme im Lichte der experim. Stromlehre. 61
Wechselbeziehungen, die nie was Ursache und was Wirkung, sondern nur
den nach physikalischen Gesetzen notwendigen Zusammenhang festlegen. Die
Einführung von Seitenscherkräften, die in der Richtung der Bewegung wirken,
erzwingen sicherlich die Ausbildung von bestimmten Querprofilen der Ge-
schwindigkeit, vertikale Querprofile, für die man bisher keine recht befrie-
digende Erklärung geben konnte.
Die ablenkende Kraft der Erdrotation wird natürlich genau wie bei den
Normalscherkräften in der Vertikalrichtung, auch bei der Ausbildung der seit-
lichen Geschwindigkeitsänderung durch die Seitenscherkräfte von wesent-
lichem Einfluß sein. Nehmen wir eine geradlinige Strömung in der y-Richtung.
Dem Gleichgewicht zwischen horizontalem Druckgefälle und ablenkender Kraft
entspräche eine mittlere Geschwindigkeit +. Infolge der horizontalen Turbulenz
bewegt sich ein individuelles Teilchen auch quer zur mittleren Strömung und
für die horizontalen Geschwindigkeitskomponenten u und v gelten die Bewegungs-
gleichungen:
(1) = und zu (4 =2 wsin g).
Nun muß, da ü=0 ist: — ir 0 sein, so daß Sr = A(v— 7%) wird. Be-
zeichnet man die Abweichungen der tatsächlichen Stromkomponenten von den
mittleren mit u’ und v‘, so ist die Seitenscherkraft durch:
(2) z=-—oW V
gegeben, wobei der Querstrich die Mittelbildung über eine längere Zeit bedeuten
soll. Führt man nach L. Prandtl!) den „Mischungsweg“ 1 ein, das ist die
mittlere Verlagerung eines individuellen Teilchens quer zur Mittelströmung, so
läßt sich dieser Ausdruck (2) umformen in?)
(3) = oT (143).
Die Scherkraft wird also Null nicht etwa, wenn der Strom gleichförmig ist,
sondern wenn -
Y
(4) ax 54
ist, d. h. es muß eine Geschwindigkeitsabnahme gegen den rechten
Rand des Stromes vorhanden sein. Diese Abnahme ist ganz beträchtlich
und beträgt in mittleren Breiten (43°) 1 cm/sec auf 100 m. Solche horizontalen
Scherkräfte werden im allgemeinen kaum beobachtet, weder im Ozean noch in
der Atmosphäre, hier vielleicht nur längs Fronten. Wenn sie in dieser Größe
nicht vorhanden sind, trachtet, gemäß dieser Theorie, der rechte Rand der
Strömung, stets die linke Seite zu beschleunigen, auch wenn die rechte Seite
eine viel kleinere Geschwindigkeit besitzt als die linke; erst wenn obige Be-
dingung erfüllt ist, hört dies auf. Die Seitenscherkräfte bedingen also ganz
erhebliche Geschwindigkeitsprofile quer zum Strom und suchen sie zu erhalten,
Rossby hat auch auf eine zweite Weise eine Ableitung dieser bemerkenswerten
Beziehung gegeben, und zwar auf Grundlage der Prandtlschen Theorie des
Impulstransportes; sie führt zum gleichen Ergebnis,
Kehren wir zum früheren Problem einer geradlinigen stationären Strömung
zurück und wollen in Erinnerung rufen, daß bei Abwesenheit von horizontaler
Konvergenz oder Divergenz für einzelne Massenteile stets Gleichgewicht zwischen
horizontalen Druckgradienten und ablenkender Kraft der Erdrotation bestehen
muß. Die tatsächlichen horizontalen Druckgradienten, die in einer turbulenten
Strömung vorhanden sind, werden jenen Druckgradienten, die der horizontalen
mittleren Bewegung entsprechen und aus der ablenkenden Kraft berechnet
werden können, nicht entsprechen, Diese letzteren Gradienten nennt Rossby
die Coriolischen Druckgradienten; sie müssen den Beziehungen genügen:
(5) ehr und +02.
1) L. Prandtl: Meteorologische Anwendung der Strömungslehre, Beiträge z. Physik d. f. Atm.
Bd. 19, 1932, (Bjerknes-Festschrift.) — 2%) Die Größe 4 erscheint im Ausdruck (3) durch Ermittlung
der Abweichung v’ = > — vg, aus der zweiten Gleichung (1).