Helbig, K.: Klima und Wetter im südlichen Batak-Xand auf Sumatra,
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Sowohl Tarutung am Batang Toru als auch Padang si Dempuan im Angkola Tal
verzeichnen nur 2000 bis 2100 mm; ja, Panjabungan am Batang Gadis erhält
mit nur etwas über 1500 mm bei 128 Regentagen die geringsten Mengen unseres
gesamten Gebietes, Auch im Tal von Si Pirok fallen nur wenig über 1600 mm.
Der Ablauf des Wetters ist in diesen Tälern, besonders in dem ziemlich schmalen
Kanal des Batang Toru, etwas anders als auf den Hochflächen. Über den feuchten
Sohlen von Si Lindung und Pahae (Talabschnitten des Batang Toru-Tales) bilden
sich nachts 10 bis 30 m dicke Nebel, die weit in den Morgen hinein hängen
bleiben. Über Pahae lagern wegen vieler Dampf- und Schwefelquellen an jedem
Morgen besonders dicke weiße Bänke, Die Sonne erreicht erst gegen 18h die
Talsohlen und beginnt nun langsam die Nebel aufzulösen, Als feine Trübe bleibt
aber gewöhnlich den ganzen Tag über der Wasserdampf in der Luft hängen,
weil sich in den Tälern die Winde nicht so sehr auswirken können wie auf den
Flächen. Am Nachmittag ballen sich Wolken; gegen Abend entladen sie sich
unter Gewittererscheinungen, und die niedergegangene Feuchte wächst sich bald
schon aufs neue zu Nebeln zusammen, Dieses Schauspiel wiederholt sich fast
täglich; selten dauert eine niederschlagslose Periode länger als eine Woche. Die
ständig hohe Feuchte und vor allem die Bodennebel machen diese Talsohlen
recht ungesund, obwohl die Temperaturen angenehm sind. Sie betragen in
Tarutung (1076 m) morgens 17 bis 18°, mittags 25.5 bis 27.5°, abends 19 bis 24°;
im Jahresmittel 21.2°, Die Temperaturen Pahaes (etwa 500 m) liegen der Ab-
geschlossenheit des Tales und nicht zuletzt wohl auch der zahlreichen Dampf-
quellen und Heißwasserbäche halber etwas höher als im allgemeinen bei gleicher
Höhe. Mittags werden bis zu 31° gemessen, um 20h noch 27° und in den Häusern
herrscht selbst um Mitternacht noch die gleiche Temperatur. Erst gegen
4h morgens kühlt es etwas ab. — Die tiefer gelegene „Tropentalung“ von Man-
dailing längs des Batang Angkola und Batang Gadis besitzt, wie schon durch
die landschaftliche Namengebung ausgedrückt werden soll, bei ihren geringen
Meereshöhen von nur 200 bis 500 m echt tropischen Charakter, besonders be-
züglich der Wärmegrade und der Gleichmäßigkeit der Temperatur.
Von der Wirkung des hohen, waldreichen Vulkangebirges von Angkola
zwischen Batang Toru und Mandailing-Tal werden die anschließenden Hoch-
flächen bzw. -täler wenig beeinflußt. Es liegt reichlich isoliert und hat keine
große Ausdehnung. Nur sein westliches Vorland wird überreichlich beschüttet.
Dort und am Kegel des Lobuk Raja selbst fallen die stärksten Niederschläge
zwischen Asahan und Barumun. Die Jahresmittel sämtlicher am West- und Süd-
westhang gelegenen Plantagen (z. B. Unternehmung Lobuk Raja) belaufen sich
zwischen 4000 und 4700 mm; in einzelnen Jahren werden an 6000 gemessen.
Diese Mengen erklären sich aus der verhältnismäßig kurzen Entfernung des
Gebirges von der Westküste, an der allenthalben durchschnittlich doppelt so
viel Regen fällt wie an der Ostküste Sumatras. Am Osthang des Vulkangebirges
von Angkola sind bisher keine Beobachtungsstationen vorhanden, Sehr wahr-
scheinlich betragen dort, zumindest in den windreichen und dürftigen tieferen
Lagen, an der Grenze der Padang Lawas, die Regenmengen aber kaum halb so-
viel wie am Westhang, vielleicht nicht einmal viel mehr als im nahen Si Pirok,
Unbedingt auf Windeinfluß zurückzuführen ist die dortige kümmerliche Pflanzen-
decke aus Sträuchern, Gräsern und schief gebogenen Krüppelbäumen. Hier
konzentrieren sich ja die vom Indischen Ozean herbeiströmenden Luftmassen
mit besonderer Intensität am „Bohorok“-Paß vor der Padang Lawas,
Das Tobabecken hat wiederum seine besonderen Verhältnisse, Die große
im Mittel 25° warme Wasserfläche des Binnensees temperiert die Luft und re-
guliert den Wetterablauf. Da das Becken nur 900 m hoch gelegen ist und höhere
Temperatur als die benachbarten Hochflächen besitzt, ist die Luft meist in auf-
steigender Bewegung begriffen, Die über die Hochflächen streichenden Winde
führen sie mit fort und verhindern das Abregnen der dem See entnommenen
Feuchtigkeit über dem Becken. So erhält auch Balige in der südöstlichen
Niederung nur rund 2000 mm, und die Uferstationen auf der Insel Samosir müssen
sich gar mit 1500 bis 1800 begnügen.