accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

Gewitter- und Hagelbildung. 
Regen ebenfalls langsam ab. Ganz dieselben Schwankungen zeigen sich über- 
haupt bei jedem vorüberziehenden Regen, desgleichen auch bei Schnee, nur dafs 
bei diesem die Beschaffenheit desselben, ob in grofsen oder in kleinen Flocken, 
oder mit Graupeln. vermischt, auf das Zeichen von Einflufs ist. Män hat bei 
Regenfällen die Luft auch häufig positiv elektrisch gefunden, während sie nach 
Schübler, Brito Capello und Denza meist negativ elektrisch ist. Dieser 
Wechsel des Zeichens kann einerseits seinen Grund darin haben, dafs z, B, bei 
dem betreffenden Regenschauer die Luft sehr stark mit Staub angefüllt war, 
was nach Faraday einen Zeichenwechsel zur Folge hat, dann kann der Regen 
von geschmolzenem Schnee herrühren, welcher positiv elektrisch ist (Reibung 
zwischen Eis und feuchter Luft‘ macht ersteres positiv elektrisch), oder os 
kann der Einflufs stark positiv elektrischer Wolken überwiegend sein gegenüber 
jenem des Regens. Ueberhaupt wird es unmöglich sein, in jedem. einzelnen 
Falle die Ursache anzugeben, warum die Luft, der Regen, Schnee und Graupeln 
bald positiv bald negativ elektrisch sind, da bei dem schon hervorgehobenen 
leichten Wechsel des Zeichens bei geringfügigen Veränderungen der Verhältnisse, 
die wir nicht alle in Rechnung ziehen können, es in der That zu viel verlangen 
hiefse, jedesmal diesen Wechsel zu begründen, ; . 
Findet eine langsame Kondensation in einer positiv elektrischen Wolke 
statt, so müssen die sich bildenden Tröpfchen auch positiv elektrisch werden, 
und fallen sie durch die feuchte Luft langsam auf die Erde, so. verlieren sie 
bei ihrem Fall durch die Reibung zwischen ihnen und dem Wasserdampf ihre 
positive Elektricität theilweise oder ganz, oder sie geht schliefslich in negative 
über. Damit erklärt sich auch das Resultat Schübler’s, dafs die Elektricität 
dos Regens am schwächsten ist, wenn er anhaltend und in kleinen Tropfen fällt, 
Welche Rolle überhaupt die Reibung bei der Luftelektricität spielt, geht 
auf das Evidenteste aus einem schr interessanten Falle hervor, . den Professor 
Luvini in seiner schon erwähnten Abhandlung anführt. Winthrop beschreibt 
in einem Briefe an Franklin vom 29. September 1762!) folgende zweimal von 
ihm beobachtete Erscheinung. Er hatte einige Metallspitzen auf seinem Hause 
angebracht und den Leitungsdraht in seinem Zimmer mit einem Läutewerk ver- 
bunden, um durch dasselbe auf elektrische Erscheinungen aufmerksam gemacht 
zu werden. Im Sommer verfehlte dasselbe nie, bei einer herannahenden Gewitter- 
wolke zu läuten, hörte aber plötzlich auf; sobald der Regen begann. Im 
Winter läutete es zuweilen, wenn es schneite. Aber nun trat folgende un- 
erwartete Erscheinung ein. Obgleich das Läutewerk während eines Schneefalls 
nicht in Thätigkeit trat, begann es am folgenden Tage, nachdem es zu schneien 
aufgehört und der Himmel sich aufgehellt, aber ein heftiger West- resp. Nord- 
westwind den Schnee aufwirbelte, während mehrerer Stunden (jedoch mit einigen 
kurzen Unterbrechungen) mit solcher Lebhaftigkeit zu läuten, wie nie zuvor; 
er konnte während jener Zeit lange Funken aus dem Silberdrahte ziehen. Man 
kann die Reibung des Schnees mit der Luft als Ursache der KElektricitäts- 
entwickelung nicht evidenter darthun. Ve 
. Schon in meinem ersten Artikel habe ich (Seite 70—71) auf die Reibung 
der in der Höhe fast immer vorhandenen Eisnadeln mit der Luft als Hauptquelle 
der bei den Polarlichtern auftretenden Elektricität hingewiesen, und ich will 
hier zur Bestätigung dieser Ansicht nur noch anführen, dafs nach Weyprecht”) 
fast immer während und nach einem Nordlicht feine leichte Schneekrystalle 
fielen, so dafs sie den Boden zuweilen mit einer mehrere Millimeter dicken 
Schicht: bedeckten, dafs ferner fast alle arktischen Reisenden auf die. mit den 
Nordlichtbogen ähnliche Form aufmerksam machen, unter welchen sich die Cirri 
zu sammeln pflegen. Es muß hier noch hervorgehoben werden, dafs die ge- 
wöhnlich positive Elektricität der Luft mit der Höhe nicht ohne Weiteres immer 
zunimmt. In der Nähe der Erdoberfläche kann diese elektrische Spannung oft 
viel bedeutender sein, als in mittleren Höhen, Wir haben gesehen, dafs die 
Nebel- und Wolkenbildung die Hauptursache der periodischen Luftelektricität 
ist. Schübler, der seine Untersuchungen mit grofser Umsicht und ebenso 
191 
l) Franklin, Oeuvres I, Seite 245. 
Z) Weyprecht, Die Nordlichtbeobachtungen 1872—74. -
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.