Rodewald, M.: Zur Frage der allgemeinen Zirkulation im strengen Winter 1928/1929, 573
Bezüglich eines einfachen Maßes für die Stärke der Zirkulation könnte
man z. B. an folgendes denken:
Man bildet die Summe der Nordkomponenten — der positiven und negativen,
ohne Rücksicht auf das Vorzeichen — längs eines mittleren Breitenkreises (etwa
50° N-Br.), indem man fortschreitend den Gradientwind nach den Bodenisobaren
ermittelt, daraus die Nordkomponenten ableitet, sie mit dem Gewicht ihrer
Breitenkreiserstreckung versieht und addiert. Zweckmäßig wäre es natürlich, die
zonale Summenbildung der Meridionalkomponenten nicht nur für einen Breiten-
kreis durchzuführen. (Südhalbkugel-Monatskarten wären unverwendbar.)
Einen Überschlag vermag aber auch die folgende Methode zu geben:
Man bildet auf einem Breitenkreis die Luftdruckdifferenzen zwischen den
relativen Tiefpunkten und Hochpunkten des Luftdrucks (auf diesem Breitenkreis),
indem man ihn einfach abfährt. Auch die
relativen Minima und Maxima, welche Iso-
barenausbuchtungen entsprechen, werden
hierbei berücksichtigt. Indem man
rechts herumfährt und die Differenzen
Hoch — Tief positiv, Tief — Hoch negativ
rechnet, hat man darin, daß sich diese
zirkumpolar aufheben müssen, zugleich
eine Rechenkontrolle.
Die nebenstehende Abbildung zeigt
das Ergebnis dieser Operation für den
Februar 1929 und für den normalen
Februar. Es erhebt keinen Anspruch
auf große Genauigkeit, da für die Zeich-
hung der zugrunde gelegten Luftdruck-
karten nur die Zahlen des R6seau Mondial
benutzt wurden!?). Immerhin ist das Er:
gebnis wohl eindeutig, daß die „Zirku:.
lationskurve“ des strengen Februar 192%
in der ganzen Zone zwischen 35° und
80° N-Br. über der normalen „Zirku-
lationskurve“ liegt. Man kann auch die
Druckdifferenzensummen aller Breiten-
kreise — hier 35° bis 85° N-Br. addieren
und erhält dann 1088 bzw. 834 mb. Hieraus
gewinnt man die — auf den Breitenkreis
bezogene — „Relativzahl der Zirkulation“ der gemäßigten Breiten zu 99
im Februar 1929, zu 76 im normalen Februar,
Auf der Nordhalbkugel mit ihren „Aktionszentren“ erfaßt eine solche oder
ähnliche Zirkulationsmessung auch die „normal“ gesteigerte Zirkulation, da dann
z. B. die dichter gedrängten Isobaren auf der Südseite des Islandtiefs etwa über
Labrador einerseits, Skandinavien andererseits in größerer Zahl die Breitenkreise
queren. Indem W. Meinardus?®) die Druckdifferenz Kopenhagen-—Stykkisholm
als Zirkulationsmaß für den Nordatlantischen Ozean benutzte, hat er schon damals
die zonale und meridionale Druckdifferenz zugleich gemessen (Abstand etwa
35 Längengrade bei 10 Breitengraden). —
Wie sich die „normal“ verstärkte Zirkulation aus sich selbst heraus auf den
Typus der meridionalen Zirkulationsstreifen umstellt, läßt sich im Einzelfall an
Hand synoptischer Wetterkarten ziemlich gut beobachten. Ohne weiter hierauf ein-
zugehen, nur soviel: Ein scharfer Warmluftvorstoß aus dem tiefen Süden bis etwa
60° N-Br. hinauf erscheint hierbei als das Primäre. Auch dies deutet, soweit man
vom Einzelfall auf den Charakter der Monatsanomalien schließen darf, darauf hin,
daß der strenge Winter 1928/29 — von den Tropen aus in Gang gesetzt wurde.
12, Wegen der öfter vorkommenden Umgestaltungen der Großwetterlage ginge man natürlich am besten
überhaupt von täglichen Wetterkarten aus. — 2%) W, Meinardus: Über einige meteorologische Be-
ziehungen zwischen dem Nordatlantischen Ozean und Europa im Winterhalbjahr. Met. Ztschr. 1898, S. 85 ff.
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