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Full text: 65, 1937

Rodewald, M.: Zur Frage der allgemeinen Zirkulation im strengen Winter 1928/1929. 571 
Indem man bei Betrachtung der Zirkulationsschwankungen meist auch nach 
den Ursachen fragt und insbesondere die Beziehung zur Wärmezufuhr 
sucht, ist die Festsetzung des Maßes der Zirkulation mehr als eine reine Defini- 
tionssache. Wenn man ein Maß findet, das den Typus der Meridionalzirkulations- 
streifen einbegreift und damit dem Luftaustausch zwischen niederen und hohen 
Breiten allgemein besser gerecht wird, so werden sich möglicherweise engere 
Beziehungen zwischen den Schwankungen der so gemessenen Zirkulation und 
den Schwankungen der (gemessenen) Solarkonstante, der Sonnenfleckentätigkeit 
oder der Strahlungsdurchlässigkeit der Atmosphäre ergeben. — ; 
Aber zunächst noch einige Bemerkungen zu dem strengen Winter 1928/1929! 
Es besteht, wie eingangs erwähnt, der Eindruck, daß hier die „atmosphärische 
Maschine“ sich auf eine leistungsfähigere Gangart umschaltete, Die „normal“, in 
Form der West—Ost-Bewegung, verstärkte Zirkulation scheint den an sie ge- 
stellten Ansprüchen des Wärmetransports nur bis zu einem gewissen Punkte 
bequem genügen zu können; werden die Ansprüche weiter erhöht, so erfolgt 
— jedenfalls auf der Nordhemisphäre mit ihrer Land-Meer-Verteilung — die 
Umstellung auf den rationeller arbeitenden Typus der Meridionalzirkulationen. 
Dies ist einstweilen noch Hypothese, doch scheint folgendes dafür zu sprechen: 
1. Die strengen Winter, welche mehr oder weniger den Typus der 
Meridionalzirkulation zeigen, werden häufig durch eine Zeit „normal“ 
gesteigerter Zirkulation eingeleitet. Dies zeigt für 1928/29 sehr schön 
die Wagnersche Untersuchung, und sein Zitat (a. a. O,, S. 436) von O. Fink, 
daß von 30 strengen Wintern 20 November normale bis übernormale Tempe- 
raturen hatten, läuft auf dasselbe hinaus, da „normal“ gesteigerte Zirkulation 
im November Temperaturerhöhung im größten Teil Eurasiens (Ausnahme Mittel- 
meer) bedeutet!®), 
2. Abgeschwächte Zirkulation sollte sich thermisch vor allem in 
zu großer Kälte des Polargebiets äußern; beim Typus der Meridional- 
zirkulation ist jedoch das Polargebiet größtenteils zu warm — äÄähn- 
lich wie bei „normal“ gesteigerier Zirkulation. In den Wagnerschen 
AT-Karten für den Winter 1928/29 tritt dies sehr deutlich hervor. 
3. Die Umstellung auf den Meridionalzirkulationstypus erfolgt 
auf dem Wege über eine Verstärkung und Nordwärtsverlagerung der 
subtropischen Hochdruckgebiete, was auf gesteigerten Luftnach- 
schub aus dem Äquatorialgebiet hindeutet, 
Dies ist zunächst bei den kürzer dauernden Fällen von Meridionalzirku- 
Jation an Hand der synoptischen Wetterkarten zu beobachten. Es zeigt sich 
aber recht klar auch in den Wagnerschen 4 b-Monatskarten vom Winter 1928/29, 
Zunächst, im November 1928, verstärkt sich bei erniedrigtem atlantisch- 
pazifischem Äquatorialdruck, das entsprechende Roßbreitenmaximum am Ort 
relativ gleichmäßig und schwach. Dann, im Dezember, ist der Äquatorialdruck 
in breiter Zone um die ganze Erde zu tief. Jetzt zeigen sich sowohl im nord- 
atlantischen wie im nordpazifischen Roßbreitenmaximum Zentren verstärkter 
positiver Druckabweichung, die — in einander ähnlicher Weise — am Westrande 
Eurasiens und Nordamerikas mit ihren Zungen am weitesten nordwärts vorstoßen. 
Die Abweichung im Dezember ist also bezüglich des äquatorial-subtropischen 
Systems in der Tendenz so, wie sie im normalen Jahresgange den Übergang vom 
Nordwinter zum Nordsommer kennzeichnet; Nordwärtsrücken des äquatorialen 
Tiefdrucks und der maritim-subtropischen Hochdruckgebiete. Dies legt den 
Schluß nahe, daß tatsächlich ein übernormaler Warmluftvorrat in den nord- 
hemisphärischen Tropen — wie zum Nordsommer hin — im Dezember 1928 
gebildet ist. 
Im Januar 1929 ist dann die Umstellung vollzogen: Die beiden positiven 
Anomaliegebiete sind unter weiterer Verstärkung in der im Dezember vor- 
gezeichneten Richtung weitergerückt, das atlantische nach Nordwesteurasien, das 
pazifische nach Nordwestamerika, Damit verschwindet nicht nur plötzlich die 
positive Abweichung in den Subtropen, sondern sie schlägt ins Gegenteil um. 
4) Vgl. Exner, 8a. a, O., S. 247. 248.
	        
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