564 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1937,
[sobaren Gültigkeit hat. Es wurde im vorliegenden Falle durch den Vergleich
mit Druckkarten festgestellt, daß im allgemeiraen nicht so starke Isobarenkrüm-
mungen nicht vorhanden sind, daß dadurch das Ergebnis in beträchtlicher
Weise gefälscht würde,
Im übrigen wurde es durch die Erfahrung immer wieder bestätigt, daß der
Wind in der freien Atmosphäre selten stark vom Gradientwind abweicht
(W. Seeliger) (1), so daß in dieser Hinsicht keine besonderen Fehlermöglich-
keiten zu erwarten sind. Zudem wurden durch ein Glättungsverfahren, wie noch
später gezeigt wird, einzelne Unebenheiten ausgemerzt und versucht, einen mitt-
jeren Zustand zu erfassen,
Man ersieht aus obiger Formel, daß es möglich ist, den Transport statt
durch direkte Bestimmung des Temperaturgradienten und des Gradientwindes,
auch indirekt durch die Windverhältnisse allein festzulegen, Notwendig hierbei
ist lediglich die Kenntnis des Windes und seiner Veränderung mit der Höhe
und TA. Die lokalen Temperaturänderungen lassen sich an gleichzeitigen Tempe-
ratur- und Windmessungen, wie sie bei dem Lindenberger Material vorhanden
sind, leicht ermitteln.
Von den bei der Berechnung des Wärmetransportes auftretenden Größen ist
SA eine Konstante, Ty und z kommen als Variable nur in einem engen
Bereich vor und lassen sich mit der Konstanten in einer Tabelle gut zusammen-
stellen, Zur Bestimmung der Windänderung mit der Höhe und des mittleren
Schichtwindes wird am zweckmäßigsten nach folgender Methode graphisch vor-
gegangen: Die Höhenwindmessungen, also die Angaben über Windrichtung und
Windgeschwindigkeit, werden in einem Windrosenpapier eingetragen. Durch die
Höhenangaben ist die von dem Aufstieg erfaßte Luftmasse in verschiedene
Schichten geteilt (Auswertung nach markanten Punkten), die zweckmäßig einzeln
auszuwerten sind. zz ist also vorgegeben. Für die Mitte einer solchen Schicht
wird der mittlere Windvektor vdin gebildet, Die Windänderung mit der Höhe
ergibt sich aus Winddifferenz zwischen der Unterseite (v,) und Oberseite (v) der
Schicht, wobei zu beachten ist, daß die Winde Vektoren darstellen und damit
auch vektoriell subtrahiert werden müssen. Da vn VTm ein skalares Produkt
ist, wird bei Ausrechnung des Produktes nur die zu bin Senkrecht stehende Kom-
ponente des Vektors (vg—v) benötigt. Die Höhenwindmessungen werden in
Lindenberg aus den Drachen- bzw. Ballonaufstiegen selbst gewonnen und zwar
in der Art, daß man die Höhen aus der Aufzeichnung des Registrierapparates
ermittelt, die Windrichtung aus dem Azimut, gemessen mittels Theodoliten. Die
Windgeschwindigkeit wird aus den Aufzeichnungen des Flügelanemometers fest-
gestellt unter der Berücksichtigung der Korrektionen nach Höhenwinkel, Azimut,
ausgeübtiem Zug und der Geschwindigkeit des Drachens oder Ballons beim Aus-
lassen und Einholen, Die Auswertung erfolgt ebenfalls nach markanten Punkten.
Die Berechnung der gesuchten Größen muß notwendig dann auch in markanten
Schichten durchgeführt werden, womit jedoch die Verhältnisse der Atmosphäre
auch am besten erfaßt werden,
Da an den markanten Punkten Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten
angegeben werden, darf man hier vielfach kleine oder größere Unstetigkeiten
erwarten. Es zeigen sich auch an diesen Stellen bisweilen abnorme Wind-
sprünge innerhalb verhältnismäßig sehr dünner Luftpakete, Würde man für diese
Luftpakete den Wärmetransport bestimmen, dann würden unverständlich hohe
Werte herauskommen, Dies hat seinen Grund darin, daß vn für diese Schicht-
grenzen nicht immer als Gradientwind angesehen werden darf. Man darf wohl
annehmen, daß es sich hier um zwischen zwei verschieden bewegten Luftmassen
ausgebildete Turbulenzen handelt, Deswegen ist es zweckmäßig, in solchen Fällen
allzu krasse Sprünge auszugleichen und ihren Betrag teils der oberen und teils
der unteren Schicht zuzusprechen, ,
Zur Ermittlung der Wärmezufüuhr A909 Sn VuaT-+2o,V.9 muß jetzt
noch der aus der Vertikalbewegung resultierende Anteil v7 V,. 6 bestimmt werden.