accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 65, 1937

554 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1937, 
beeinflußten Tiefe hat aber andere Gründe: Die Farbabsorption. Wenn selbst Lebe- 
wesen im Unterwasserlichtbild flach erscheinen, so ist das beim Mangel an Schatten 
kein Wunder, Ungenaue Entfernungseinstellun g spielt wohl manchmal auch eine 
Rolle mit. Am besten scheint von Farbfilterm die Vorschaltung von Blaugrün- 
Filtern zu wirken, Boutan kam durch Versuche mit allen Farben dazu, Das ist ja 
auch theoretisch naheliegend, weil man es ja Fast ausschließlich unter Wasser mit 
Licht aus dem blaugrünen Spektralabschnitt zu tun hat, dessen Lichtanteil im 
Negativ also intensiviert wird. So treten Konturen und Einzelheiten schärfer 
heraus, der Flor im Hintergrunde jeder Unter wasseraufnahme ist nicht undurch- 
dringlicher, als ihn der Taucher unten selber sieht, 
Die gleichen Erfahrungen macht Longley mit der Farbphotographie unter 
Wasser. Die in Luft brauchbaren Farbfilter sind unter Wasser nicht geeignet. 
Auch wenn das Plattenfabrikat und die gewählten Filter genau aufeinander 
abgestimmt sind, so bleibt das auf die Farbfilter fallende Licht anders zusammen- 
gesetzt als in Luft, und die Lichtkomponenten können nicht auf entsprechenden 
Einfluß auf die Platten im Luftmedium der Kammer reduziert werden. Ideal 
wäre eine solche Sonderkonstruktion für Unter wasserfarbfilter, die man aber für 
jede Tiefe, Zeit und Objektentfernung neu berechnen müßte, Wenn irgend 
möglich, wird man Wert darauf legen, Filter zu vermeiden, um die im Wasser 
so wichtige Belichtungszeit nicht hinaufzusetzen, 
Die Tatsache, daß mit zunehmender Tiefe nicht gleichmäßig zusammen- 
gesetztes weiches Licht das Objektiv und die Filmschicht trifft, sondern nur ein 
abgeschwächter Spektralausschnitt, muß auch Einfluß auf die Wahl geeigneter 
Optik und Filmmaterials haben. Boüutan arbeitete mit isochromatischen 
Platten und Filtern, Tee Van mit panchromatischen Filmen ohne Filter. Ener- 
gische Entwickler sind natürlich bei den oft etwas kraftlosen Negativen zweck- 
mäßig anzuwenden. Eindeutig geeignete Linsen, die die Wirkung der Licht- 
absorption im Wasser aufheben, gibt es nicht. Bikonvexe Linsen zerstreuen 
bekanntlich die Farben, der für die Bromsilberschicht wirkungsstärkste Brennpunkt 
der blauvioletten Strahlen liegt der Linse am nächsten. Da Rot und Gelb unter 
Wasser eine kleine oder verschwindende Rolle spielen, könnte man daran denken, 
zu einer derartig primitiven photographischen Technik zurückzukehren, denn 
die Wirkungsweise der achromatischen Linse ist ja für das Luftmedium berechnet, 
in der Hydrosphäre arbeiten sie mit zunehmender Tiefe immer fehlerhafter, 
Man müßte dann aber für jede Wassertiefe verschiedene Speziallinsen bauen, 
die sich mit der Tiefe der bikonvexen Linse annähern. Damit scheidet das 
praktisch aus, man könnte also Periskoplinsen den achromatischen vorziehen, 
ihr Nachteil zu geringer Lichtstärke ist aber größer. Aus dem gleichen Grunde 
kommen auch Teleobjektive nicht in Frage, 
Da Rot überhaupt kaum, Gelb auch nur gering in der Unterwasserfarben- 
skala vorhanden ist, wird man von selbst auf die Wahl orthochromatischen Film- 
materials verwiesen. Eine Ausnahme machen natürlich Arbeiten im flachsten 
Wasser tropischer Korallenriffe, wo gerade noch diese Farben auftreten, Trotz- 
dem Braun und Gelbbraun auch in unsern Breiten bis in 10 m etwa eine Rolle 
spielen, halte ich panchromatisches Material bei Unterwasseraufnahmen nicht für 
besser. Auch die orthochromatischen Negativfilme sind bereits für den vor- 
handenen Teil der langwelligen Strahlen empfindlich genug. In unserm Spezial- 
fall kommt dazu, daß die orthochromatischen Leica-Spezialfilme der Firma Perutz 
empfindlicher sind als der panchromatische Perutz-Leicafilm, der für Moment- 
aufnahmen bei geringer Beleuchtung weniger geeignet ist. 
Die Weiterentwicklung der Unterwusserphotographie hat noch ein theoretisch 
bedeutsames Ziel: das der Erfassung von Meeresböden, die wegen zu großer 
Tiefe für den Menschen vorläufig unbetretbar bleiben. Hier wird man pan- 
ehromatisches Negativmaterial verwenden, das bei elektrischem Licht am besten 
bewährt ist. Die technische Durchführung scheint nicht allzu schwierig, Man 
müßte die Auslösungsstange der Unterwasser-Photokammer mit einem Fanggestell 
versehen, auf das ein Fallgewicht an der Halteleine fällt und die Auslösung bewirkt. 
Ist es erst einmal gelungen, die Momentphotographie unter Wasser mit einem 
kleinen, einfach gebauten, leicht zu bedienenden Gerät auszuführen, welche
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.