Wasmund, E.: Bedingungen der Unterwasser-Photographie für Taucher, 553
die „Körnigkeit“ des schwarzen Wassers die tatsächlichen Verhältnisse wieder,
Sie waren also photographisch nicht ideal, aber der Erfolg ist photographisch
um so interessanter.
Abb. 5 zeigt eine zweite Momentaufnahme in 13 m Tiefe unter den gleichen
Bedingungen wie oben angegeben, Man sieht aber deutlicher die schnelle Licht-
zunahme nach oben an dem klarer erscheinenden Luftschlauch und besonders
den Stahltrossen, die nach unten in 1,5 m Entfernung hinter dem Taucher schon
völlig im Dunkel verschwinden, Der Balken, der an der Talje hängt, ist bereits
unsichtbar, da von unten her die Schlammsuspension zu dicht wird.
Ich muß dabei hinzufügen, daß mir Aufnahmen bei sehr viel besseren Licht-
verhältnissen im flachen Wasser schlechter gelungen sind, z. T. aus nachträglich
geklärten Fehlern. In dieser Tiefe von 12 m stört andererseits die Reflexion
der Wasseroberfläche nicht mehr. Bei schlechten Bodenverhältnissen ist die hohe
Aufnahmezahl der Leica unter Wasser unschätzbar, weil durch den Taucher das
Wasser so getrübt ist, daß man (wenn möglich gegen den Strom) den Platz
dauernd wechseln muß, um mit Erfolg belichten zu können.
Aus allen Darlegungen erhellt, daß feste Normen für die Belichtungszeiten
gar nicht gegeben werden können. Sie variieren wie an Land mit der Tageszeit
und dem Wetter. Praktisch wird man für solche Versuche volle Mittagssonne
im Hochsommer aussuchen, Aber die regionalen Sichtverhältnisse des Gewässers,
also geographische Breite, Bodenverhältnisse, Strom, besonders natürlich die
Wassertiefe, bestimmen den Wert. Es läßt sich nicht anders wie experimentell
erzielen, Fehlergebnisse werden häufiger bleiben, Mit der Leica wird man immer
1/, oder 1/29 bei offener Blende wählen. Darüber hinaus bleibt es erstrebenswert,
was technisch an sich durchaus möglich wäre, einen Belichtungsmesser für
Taucherzwecke zu bauen. Man erhielte allerdings quantitativ richtige Werte,
nicht aber den photochemisch wahren Wert, da sich die Qualität des Lichts
mit der Tiefe ändert. So leicht ist also auch diese Aufgabe nicht.
Der „Schleier“, „Nebel“, die mangelnde Tiefe der Unterwasserbilder haben
manchem wissenschaftlichen Taucher Kopfzerbrechen gemacht. Unsere Aufnahme
bei der Tiefe von 12 m muß ihn natürlich zeigen, aber auch die besten Tropen-
bilder sind bei relativ guter Schärfe des Vordergrundes immer „flach“ und ver-
schleiert. Obwohl man einsehen muß, daß das in der Natur der Sache liegt,
wird man größtmögliche Schärfe durch geeignete Wahl der Optik, der Film-
sorten und durch Verwendung von Filtern oder Blenden zu erreichen suchen.
Die Schwierigkeiten liegen in zwei Richtungen: Den Reflexstörungen vom
Öberflächenwasserspiegel und der Zerstreuung des weißen atmosphärischen
Lichtes in das Unterwasserlicht. Man kann das direkt photoexperimentell zeigen:
Momentschnappschüsse zeigten Longley bei Tortugas, daß intensiv blau gefärbte
Fische in 3 bis 4 m Entfernung völlig mit der Wasserfarbe verschmolzen, d. h,
im Bild nicht mehr in Erscheinung traten im Gegensatz zu näherstehenden Art-
genossen. Man kann sich auch als Nichttaucher einen Eindruck grünblauen
Lichts tiefern Wassers verschaffen, wie es Reighard tat, der sich ein Periskop-
sehrohr mit zwei Winkelspiegeln baute, also Horizontalsicht im Wasser hatte, und
zu seinem Erstaunen nicht Nebel oder Zwielicht, sondern „blaues Quarzlicht“
sah, das ja neben der Farbabsorption durch die allseitige Zerstreuung in der
Suspension entsteht. Andererseits wird die Horizontalfläche des Wasserspiegels
bei geringer Bewegung schon in eine Summe von kleinen schiefstehenden Halb-
mondspiegeln verändert, wodurch die Gefahr direkter Bestrahlung der Linse
von der Oberfläche her entsteht, Versuche Boutans mit Ölen der Oberfläche
hatten wenig Erfolg, wahrscheinlich hat er auch nicht „Wellenöl“, sondern irgendein
ungeeignetes Öl genommen. Aber auch Ölen kann die Spiegelung nicht beseitigen,
weil es nur das Brechen der See verhindert, nicht die Bewegung. Nach ver-
schiedenen Versuchen mit vorgesetzten Farbfiltern setzt Boutan den erwähnten
Halbzylinderschirm auf die Linse, und setzt damit die auftretende Verschleierung
herab. Ich halte aber diese Verbesserung für zweckmäßig, da ich sonst gerade
Mißerfolge im klarsten Flachwasser nicht erklären könnte. Die Verschleierung
und der Mangel an Tiefenschärfe in großer, vom Wasserspiegel nicht mehr