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Full text: 65, 1937

Wasmund, E.: Bedingungen der Unterwasser-Photographie für Taucher, 553 
die „Körnigkeit“ des schwarzen Wassers die tatsächlichen Verhältnisse wieder, 
Sie waren also photographisch nicht ideal, aber der Erfolg ist photographisch 
um so interessanter. 
Abb. 5 zeigt eine zweite Momentaufnahme in 13 m Tiefe unter den gleichen 
Bedingungen wie oben angegeben, Man sieht aber deutlicher die schnelle Licht- 
zunahme nach oben an dem klarer erscheinenden Luftschlauch und besonders 
den Stahltrossen, die nach unten in 1,5 m Entfernung hinter dem Taucher schon 
völlig im Dunkel verschwinden, Der Balken, der an der Talje hängt, ist bereits 
unsichtbar, da von unten her die Schlammsuspension zu dicht wird. 
Ich muß dabei hinzufügen, daß mir Aufnahmen bei sehr viel besseren Licht- 
verhältnissen im flachen Wasser schlechter gelungen sind, z. T. aus nachträglich 
geklärten Fehlern. In dieser Tiefe von 12 m stört andererseits die Reflexion 
der Wasseroberfläche nicht mehr. Bei schlechten Bodenverhältnissen ist die hohe 
Aufnahmezahl der Leica unter Wasser unschätzbar, weil durch den Taucher das 
Wasser so getrübt ist, daß man (wenn möglich gegen den Strom) den Platz 
dauernd wechseln muß, um mit Erfolg belichten zu können. 
Aus allen Darlegungen erhellt, daß feste Normen für die Belichtungszeiten 
gar nicht gegeben werden können. Sie variieren wie an Land mit der Tageszeit 
und dem Wetter. Praktisch wird man für solche Versuche volle Mittagssonne 
im Hochsommer aussuchen, Aber die regionalen Sichtverhältnisse des Gewässers, 
also geographische Breite, Bodenverhältnisse, Strom, besonders natürlich die 
Wassertiefe, bestimmen den Wert. Es läßt sich nicht anders wie experimentell 
erzielen, Fehlergebnisse werden häufiger bleiben, Mit der Leica wird man immer 
1/, oder 1/29 bei offener Blende wählen. Darüber hinaus bleibt es erstrebenswert, 
was technisch an sich durchaus möglich wäre, einen Belichtungsmesser für 
Taucherzwecke zu bauen. Man erhielte allerdings quantitativ richtige Werte, 
nicht aber den photochemisch wahren Wert, da sich die Qualität des Lichts 
mit der Tiefe ändert. So leicht ist also auch diese Aufgabe nicht. 
Der „Schleier“, „Nebel“, die mangelnde Tiefe der Unterwasserbilder haben 
manchem wissenschaftlichen Taucher Kopfzerbrechen gemacht. Unsere Aufnahme 
bei der Tiefe von 12 m muß ihn natürlich zeigen, aber auch die besten Tropen- 
bilder sind bei relativ guter Schärfe des Vordergrundes immer „flach“ und ver- 
schleiert. Obwohl man einsehen muß, daß das in der Natur der Sache liegt, 
wird man größtmögliche Schärfe durch geeignete Wahl der Optik, der Film- 
sorten und durch Verwendung von Filtern oder Blenden zu erreichen suchen. 
Die Schwierigkeiten liegen in zwei Richtungen: Den Reflexstörungen vom 
Öberflächenwasserspiegel und der Zerstreuung des weißen atmosphärischen 
Lichtes in das Unterwasserlicht. Man kann das direkt photoexperimentell zeigen: 
Momentschnappschüsse zeigten Longley bei Tortugas, daß intensiv blau gefärbte 
Fische in 3 bis 4 m Entfernung völlig mit der Wasserfarbe verschmolzen, d. h, 
im Bild nicht mehr in Erscheinung traten im Gegensatz zu näherstehenden Art- 
genossen. Man kann sich auch als Nichttaucher einen Eindruck grünblauen 
Lichts tiefern Wassers verschaffen, wie es Reighard tat, der sich ein Periskop- 
sehrohr mit zwei Winkelspiegeln baute, also Horizontalsicht im Wasser hatte, und 
zu seinem Erstaunen nicht Nebel oder Zwielicht, sondern „blaues Quarzlicht“ 
sah, das ja neben der Farbabsorption durch die allseitige Zerstreuung in der 
Suspension entsteht. Andererseits wird die Horizontalfläche des Wasserspiegels 
bei geringer Bewegung schon in eine Summe von kleinen schiefstehenden Halb- 
mondspiegeln verändert, wodurch die Gefahr direkter Bestrahlung der Linse 
von der Oberfläche her entsteht, Versuche Boutans mit Ölen der Oberfläche 
hatten wenig Erfolg, wahrscheinlich hat er auch nicht „Wellenöl“, sondern irgendein 
ungeeignetes Öl genommen. Aber auch Ölen kann die Spiegelung nicht beseitigen, 
weil es nur das Brechen der See verhindert, nicht die Bewegung. Nach ver- 
schiedenen Versuchen mit vorgesetzten Farbfiltern setzt Boutan den erwähnten 
Halbzylinderschirm auf die Linse, und setzt damit die auftretende Verschleierung 
herab. Ich halte aber diese Verbesserung für zweckmäßig, da ich sonst gerade 
Mißerfolge im klarsten Flachwasser nicht erklären könnte. Die Verschleierung 
und der Mangel an Tiefenschärfe in großer, vom Wasserspiegel nicht mehr
	        
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