Wasmund, E.: Bedingungen der Unterwasser-Photographie für Taucher. 551
2.24 m Entfernung. Man sieht, daß die 2/,-Schätzungsmethode nicl® allzu genau
ist. Damit weiß man für jede an Deck für fest einzustellende Entfernung die
tatsächliche Distanz, in die man unter Wasser an das Objekt nach Schätzung
herangehen darf, Besser und tauchertechnisch richtiger gesagt: Die man, mit
der Maßlaufleine in der Hand, vom Gegenstand weglaufen kann. Bei schlechtem
Boden wird es oft bei der Schätzung bleiben müssen.
Für die Neueichung einer Unterwasserskala empfiehlt sich ein Verfahren,
das man mit Mattscheibenapparaten anstellen kann. Man hängt die Kammer,
einschließlich Schutzkammer mit dem Objektivfenster in einen Versuchstank am
Traggestell unter den Wasserspiegel, und verschiebt im Tank ein scharf gezeich-
netes Versuchsobjekt in alle in Frage kommenden Entfernungen. Nach scharfer
Einstellung mit der in der Luft befindlichen Mattscheibe wird die gemessene
Entfernung dann eingraviert. Dazu ist natürlich ein tiefer Tank, etwa ein
Versuchstank einer Taucherfirma, nötig. Man kann dasselbe mit der Leica mit
dem Entfernungsmesser machen, der in gleiche Höhe mit dem Apparat gebracht
werden muß, also gerade über den Wasserspiegel. Unter Wasser nützt ein
normaler Entfernungsmesser nichts, auch aus korrosionssicherem Material, weil
er und das Taucherauge sich in verschiedenen lichtbrechenden Medien befinden,
also auch ein solcher müßte neu geeicht werden. Sich ohne Laufleine, die mit
ihren Metermarken immer Entfernungsvergleich erlaubt, auf Schätzung zu ver-
lassen, ist zu unsicher. Zwar heben sich Augenschätzfehler und Falscheinstellung
der Brennweite wieder auf, aber gerade der geübte Taucher hat sich unter
Wasser schon zu sehr umgestellt, als daß er sich darauf verlassen könnte. Die
Einstellung des Auges und der Linse ist wegen des höheren Brechungsindex des
Wassers zu weit, das Auge schätzt aber die in Frage kommenden geringen Ent-
fernungen (2 bis 5 m) auch zu weit, wegen der Strahlenbrechung am Helmfenster,
Ein Nachteil unserer Unterwasser-Photokammer, den sie allerdings mit vielen
anderen teilt, ist der Mangel an Umstellungsmöglichkeiten für die Entfernungs-
einstellung. In dieser Beziehung ist die Spiegelreflexkamera leichter für den
Gebrauch unter Wasser umzubauen. Bei der Leica wird die Entfernungs-
einstellung durch einen Drehhebel bewirkt, der durch einen Fassungsring den
Auszug durch Schneckengang verändert. Die einzige Möglichkeit, diesen Hebel
um den Linsendurchschnitt wasserdicht abgeschlossen von außen zu betätigen,
wäre, die Fassung des Objektfensters damit zu verbinden und drehbar zu machen.
Das wäre aber weder einfach noch billig. Tatsächlich ist dieser Mangel nicht
übermäßig groß, Eine Einstellung auf Unendlich kommt ohnehin nicht in Betracht.
Dadurch bleibt die Bildweite unter Wasser groß. Man muß sich klarmachen,
daß Lichtstrahlen, die von einem subaquatischen Gegenstand in 10 m Horizontal-
distanz und Tiefe herkommen, tatsächlich schon einen Weg von 100 m im Wasser
zurückgelegt haben können, wo sie weitgehend absorbiert sind. Wir sehen im
vorigen Abschnitt, daß die photographisch in Frage kommenden Sichtweiten fast
durchweg unterhalb 10 m liegen, also kommen nur wenige Entfernungseinstellungen
in Betracht, für unsere Breiten wird 2 bis 4 m der Normalfall sein. Gislen hat
an der Skagerrakküste meist 2 m gewählt; ich habe in der Kieler Förde mit 2.5 bis
3 m gearbeitet. Für die meisten naturwissenschaftlichen Zwecke wird diese Fest-
einstellung genügen, für die tauchertechnische Praxis (z. B. Schiffsbodenarbeiten)
bleibt das Ziel variabler Entfernungseinstellung trotzdem erstrebenswert.
Weniger Schwierigkeiten bietet die Belichtungseinstellung. Man kann
sich grundsätzlich für Zeit- oder für Momentaufnahmen entscheiden. Beides hat
unter Wasser Vor- und Nachteile, Ich will vorwegnehmen, daß mir bei genügend
lichtstarker Optik die Momenteinstellung am zweckmäßigsten erscheint, sie erspart
eine (bei der Leica schwer durchführbare) Durchführung des Einstellungshebels
durch die Wand der Schutzkammer. Ist die Frage der künstlichen Beleuchtung
gelöst, dann gibt es keine Schwierigkeiten für die Momentaufnahmen, und dringt
künstliches Licht durch getrübtes Wasser nicht mehr dureb, dann hilft die Zeit-
aufnahme auch nichts mehr.
Zuvor die Frage der Blende. Bei der geringen Lichtmenge unter Wasser
ist das Ziel maximaler Lichtstärke der Belichtung m, E. nur zu erreichen, wenn