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Full text: 65, 1937

550 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1937, 
man es in der Luft gewohnt ist. In erster Linie sind Entfernungseinstellung, Belich- 
tungszeit, Filter, Film- und Plattenmaterial, Aufmahmezahl die wichtigsten Fragen, 
Ein wesentlicher Vorteil der Leitzschen Kleinkammer ist die Einfachheit 
der Verschlußbetätigung, Der Schlitzverschluß ist mit dem Filmtransport ge- 
koppelt, gespannt wird durch Drehen des Awufzugknopfes, So erreicht man 
zleichzeitig eine Reihe Vorteile, Der Schlitzverschluß arbeitet auch bei Temperatur- 
wechsel unter Wasser sicher, im Gegensatz zum Kompurverschluß, wenigstens 
nach den Erfahrungen zu urteilen, die ich bei der Fliegereci gewann. Es wurde 
früher auch eine Leica mit Kompurverschluß geliefert, was den Vorteil der Ein- 
stellungsmöglichkeit auf 1, !/., !/, Sek. statt als Minimum !/., Sek. hatte, Dafür 
entfiel aber nicht nur die Kupplung von Verschluß und Filmtransport, sondern 
vor allem die leichte Bedienung des Entspannungssknopfes durch eine Druckstange 
unter Wasser, Die dafür nötigen Umbauten lohnen das Ganze nicht. Vor allem 
haben die neuen Modeile einen zweiten Stellknopf für langsame Belichtungszeiten 
bis 1 Sek, Neben der Vermeidung der Doppelbelichtung, der Einstellungsmög- 
lichkeit auf 1 bis !/.,9 Sek,, oder auf Zeitaufnahmen, ist als großer Fortschritt 
der Unterwasserphotographie die Aufnahmezahl von 36 Belichtungen zu nennen. 
Alle Komplikationen wie umfangreiche Plattenwechselvorrichtungen unter Wasser, 
Kassettenwechsel an Deck usw, fallen weg. Am Filmaufzugsknopf der Leica ist 
eine Zählscheibe, die 36 Expositionen anzeigt. Auch unter Wasser können die 
Daten für die einzelnen Aufnahmen entweder notiert oder besser telefonisch an 
Deck gegeben werden. Das empfiehlt sich besonders für Versuchsreihen, wie 
sie für die Erkundung der Belichtungszeit nötig sind, 
Die Leica-Unterwasserkammer nach ‚unserer bisherigen Bauart hat einen 
nicht geringen Nachteil: Entfernung und Belichtungszeit liegen fest und 
können nur an Deck, wenn auch schnell, umgestellt werden. Die Schwierigkeit 
wird dadurch noch größer, daß die für Luftverhältnisse gültigen Brennweiten 
und Expositionszeiten, unter Wasser gleich angewandt, falsch sind. Um das zu 
verstehen, erinnern wir uns der Ausführungen im Abschnitt „Sichtverhältnisse* 
und ergänzen das hier, soweit photographisch von Bedeutung, 
Das Bildfeld liegt unter Wasser genau 80 wenig in Verlängerung der Achse 
Filmzentrum : Linsenzentrum, wie der Taucher sein Gesichtsfeld flächenparallel 
vor sich hat, Beide sind durch die Lichtbrechung verschoben, man macht sich 
zunächst nicht klar, daß sowohl die Linse der Kamera als die Augen des Beob- 
achters aus Luft durch Glas in Wasser sehen, die einfallenden Strahlen also ge- 
brochen werden, Jeder normale Sucher, auch der der Leica, ist deshalb unter 
Wasser nicht brauchbar, Das Beste ist, einen einfachen aufgeklappten Rahmen- 
sucher auf die Schutzkammer in zu berechnendem ZZ. zur Linsenfläche aufzusetzen. 
Solange man das nicht hat, muß man die zu gebende Winkellage schätzen. Durch 
die Brechung kommt aber auch die optische Täuschung für das in der Luft befind- 
liche Objektiv und das Auge zustande, daß dem Beobachter die Objekte im Wasser 
größer bzw. sie auf dem Bilde näher erscheinen, Wie stark diese Täuschung 
ist, wird sehr deutlich, wenn (wie beim amerikanischen Diving hood) die Augen- 
fenster nicht augenparallel sitzen, oder man zu den Seitenfenstern hinaussieht 
und einen dann erblickten Gegenstand ergreifen will. Man greift weit vorbei, 
bei schlechter Sicht kann es leicht geschehen, daß man vorbeiläuft und das 
Suchobjekt völlig verliert, Man kann es so machen wie Tee Yan angibt: Der 
Taucher mißt zunächst unter Wasser den Abstand vom Gegenstand zum Aufnahme- 
platz und „schätzt“ die Lichtmenge, steigt wieder auf, lädt die Kammer, stellt die 
Brennweite auf 2/, der gemessenen Entfernung ein und ebenso die Belichtung. 
Das geht vielleicht auf Felsboden, bei tropischer Sonne und ohne oder bei ge- 
nügend lebendbeweglichen Objekten. Für unsere Verhältnisse kommt das nicht 
in Frage. Also ist entweder Eichung der vorhandenen Blendenskala oder Neu- 
berechnung einer Spezialskala nötig. 
Da der Brechungsindex von Luft zu Wasser bekannt ist, geht das nach der 
Formel p} SE wobei p die wahre, p! die scheinbare Entfernung ist. Ein 
scheinbar in 3 m Distanz stehendes Objekt unter Wasser befindet sich also in
	        
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