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Full text: 65, 1937

544 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1937. 
künstlicher Beleuchtung Zeit- und Momentaufnahmen bis in ziemlicher Tiefe 
machen, sondern auch die Farbenphotographie und der Film haben schon manches 
geleistet, In den Nachkriegsjahren hat sich auch die Industrie damit zu be- 
schäftigen begonnen, so daß naturgemäß nicht alles Geleistete veröffentlicht oder 
bekannt ist. Es scheint infolgedessen zwecklos, dieser Entwicklung historisch 
mehr gerecht zu werden, als zur Erinnerung an die ersten Versuche notwendig. 
Im übrigen verweisen wir auf größere Zusammenstellungen von Boutan (1900), 
Reighard und die übrige angeführte Literatur. 
Echte Unterwasserphotographie liegt nur dann vor, wenn der Photograph 
aktiv und autonom sich die Gegenstände sucht und sich zu ihnen bewegen 
kann. Nur das hat wissenschaftliche Zukunft (abgesehen von der Tiefsee), und 
wie uns scheint, kann die Unterwasser-Lichtbildnerei nur auf diesem Weg prak- 
tische Bedeutung für die Taucherei gewinnen, Da Fall 3 ein Unikum ist, und 
damit die Möglichkeiten 1, 4 und 5 ausscheiden, bleibt bloß Fall 2 übrig. Vor 
der Darstellung der echten Unterwasser-Photographie nur ein Wort über die 
Erfolge im Rahmen der übrigen Möglichkeiten, 
Von oben in das Wasser durch teilweises Versenken zu photographieren, damit 
haben sich u, a, Rudaux, Reighard und zu Anfang auch Boutan beschäftigt, 
Durch die Wasseroberfläche hindurch photographiert man leichter durch seit- 
wärts angebrachte Abschirmflächen, die Spiegelung und Reflexion des Wassers 
abhalten, Reighard benutzte 1907 von Tortugas, Florida, aus eine auf dem 
Wasser schwimmende Spiegelreflexkammer, in einem Kasten aus galvanisiertem 
Eisen mit gläserner Vorderseite, Spiegel, Verschluß und Entfernungseinstellung 
konnten durch Stopfbuchsen von außen bedient werden; die Einstellung durch 
die Mattscheibe, die ja unter Wasser ausgeschlossen ist, erfolgte von oben durch 
einen aufgesetzten Tubus. Natürlich war auch der Plattenwechsel kein Problem. 
Reighard’s Meinung, man könnte seinen Apparat auch ganz unter Wasser bei 
gegebener Entfernung benutzen, würde sich rächen, er würde platt eingedrückt 
werden, Zwei Bilder von Fischen über einem Korallenriff in 1,20 m Tiefe sind 
ganz nett, aber reichen nicht entfernt an die Bilderreihen heran, die später 
Longley unter Wasser in den gleichen Gewässern gewann, aus denen So viel 
Neues zu lernen war. Wie sehr man sich damals noch Täuschungen hingab, 
zeigen Reighard’s Worte: „For work on the coral reefs of the Tortugas, how- 
ever, the writer has found, that everything may be done from Ihe surface, so that 
x diver suit is quite unnecessary. He is told that similar conditions exist at the 
Bermudas. From his own experience he is tnclined to believe, that probably alt 
the photographie work that is desirable to do there may be done without the use 
of a diver’s suit. The occasions on which such a suit is really necessary for work 
in either Fresh or salt water are probably eztremely rare.“ Ich führe diese Stelle 
nicht nur ihrer Kuriosität halber an, weil gerade in Westindien Beebe, Tee 
Van, Longley und andere das Gegenteil so schlagend bewiesen, sondern weil 
e8 eine heute noch nicht ausgestorbene Argumentation ist. Eine zu billige 
Lösung, wer nicht unten war, kann auch darüber nicht urteilen, ob es was zu 
sehen gibt. 
Die Lösung, vom Innern des geschlossenen Taucherkessels zu photographieren, 
ist phototechnisch nicht weiter von Bedeutung, da sich ja Taucher und normaler 
Photoapparat in atmosphärischer Luft und Druck befinden, nur durch die 
Scheibe des Kessels hindurch sehen und photographieren, Die Versuche von 
Barton und Beebe in der Tiefsee sind im Ergebnis nicht zugänglich. Die 
bisher von Beebe veröffentlichten Aufnahmen sind Trickaufnahmen, Aquarien- 
photos, Aquareilbilder usw., nur zwei von den mir bekannten Aufnahmen aus 
der Tiefseekugel sind echt, auf ihnen ist nichts zu sehen. Hingegen existieren 
einige gute Bilder aus früheren Jahren vom Flachseeboden Westindiens, die 
F. Crosby auf Beebe’s Expeditionen als aktiver Taucher machte, Es 
bleiben erwähnenswert nur die Arbeiten des amerikanischen Journalisten 
J. FF. Williamson, der im Auftrag des Field Museums in Chicago in den Ge- 
wässern der Bahama-Inseln 1924 eine Sammelexpedition führte (bei der Korallen- 
stöcke von mehreren Tonnen Gewicht durch Taucher mit englischen Dräger-
	        
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