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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Wasmund, E,: Bedingungen der Unterwasser-Photographie für Taucher. 543 
der Luftblase. Aber auch in der Taucherhaube hat man die gleichen Erfah- 
rungen gemacht. Longley und Beebe haben es erreicht, Tropenfische aus der 
Hand des Tauchers fressen zu lassen. Milne hat im Kanal Dorsche mit der 
Hand gefangen. Kramp erzählt, daß Krebse an der jütischen Küste bei An- 
näherung die Scheren spannten, ähnlich Longley von Westindien, wie Seeigel 
die Stachel spreizten. Aber von Flucht ist erst dann die Rede, wenn man die 
Tiere anfaßt. Selbst die von mir beobachteten scheuen Aale schwammen erst 
kurz vor Berührung ab unter den nächsten Stein. Gislen hat von der Skagerrak- 
küste allerdings berichtet, daß die Kleintierwelt des Schlickbodens sich bei An- 
näherung des Tauchers in den Schlick zurückzöge, aber das wird eine allgemeine 
Reaktion auf jede Wasser- oder Bodenbewegung des Benthos sein. Schnoor be- 
richtet, daß die Granatentaucher in der Kieler Bucht Schollen mit der Hand fangen, 
Yonge erzählt auch von einer ganzen Reihe australischer Küstenfische das gleiche 
naive Verhalten. In der Strander Bucht (am Grasberg) bei Kiel traf ich zwischen 
Steinen in 10 m Tiefe auf zahlreiche junge Aale, die allerdings scheuer waren. 
Mit Krabben (Careinus maenas) habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht, 
In 7 m Tiefe liefen zwei bei Annäherung weg, in 9m an einem anderen Tage 
rückte ein großer, hier ganz weißlich scheinender Krebs erst aus, als die kleine 
Dreckwolke vor dem Schuh ihn erreichte, ging am Boden nur ins helle Wasser. 
In einer Aufstiegspause in der Kieler Förde standen 2 Jungfische, wahrschein- 
lich Makrelen, im freien Wasser auf 10m Tiefe, Jange vor meinem Vorder- 
lenster, ohne sich stören zu lassen. Auf den Steingründen der offenen Kieler 
Bucht traf ich Stichlinge, Flundern und den Seeskorpion, die sich um meine Be- 
wegung nicht kümmerten. Ob allerdings alle Hai-Arten kein Interesse für 
Taucher haben, wie Beebe meint, ist zum mindesten fraglich; dagegen sprechen 
doch auch dann zu viel schlechte Erfahrungen anderer Taucher, wenn man ge- 
nügend Prozent „Latein“ abzieht. 
Im ganzen zeigt dieser Abschnitt, daß der Taucher, selbst ein Stück dieser 
Welt werdend, sie so sieht, wie sie ist, ungestört, auch im „behavior“ der Tiere, 
eine in sich ruhende andere Welt. Kein Wunder, daß der Naturforscher ver- 
sucht, die ungewöhnliche Sphäre auch im Bild nach oben zu bringen. Die 
Schwierigkeiten, mit denen die Unterwasser-Photographie zu kämpfen hat, zeigen 
noch deutlicher die optischen Besonderheiten der Tiefen, 
2. Unterwasser-Photographie. 
Die Photographie unter Wasser muß neben den geänderten optischen Ver- 
hältnissen den zunehmenden Druck berücksichtigen. Das schließt die normale 
Verwendung einer gewöhnlichen Lichtbildkammer aus. Es bieten sich fünf tech- 
nische Möglichkeiten, die alle schon durchgeführt wurden: 
1. Man versenkt von der Oberfläche aus nur einen Teil des Apparats ins 
Wasser, etwa das Objektiv. Man entgeht dabei zwar dem Wasser und dem 
Druck, bekommt aber auch nur Bilder aus geringer Tiefe und aus der Vogelschau., 
2. Man schließt eine normale Photokammer in eine wasserdichte druck- 
sichere Kammer ein, Das ist häufiger und mit bestem Erfolg gemacht worden. 
3. Man verzichtet auf diesen Schutz und baut einen Photoapparat, zu dessen 
Innerem das Wasser Zutritt hat. Dadurch entgeht man mancher Schwierigkeit, 
aber der ‚einzige damit gemachte Versuch hat nicht zu mehr ermutigt. 
4. Der Taucher geht selber mit in die Schutzkammer, d.h. die normale 
Photokammer wird mit in einen Taucherkessel, in die Taucherglocke usw. ge- 
nommen. Dafür liegen Versuche vor, die im Flachwasser gute, in der Tiefe 
schlechte Erfolge ergaben. 
5. Das drucksicher eingebaute Lichtbildgerät wird selbständig zum Meeres- 
boden gefiert, da es aber keine Augen hat, ist das passiv, und der Erfolg bleibt 
dem Zufall überlassen. 
Seit den ersten submarinen Lichtbildversuchen durch den Franzosen Boutan 
1892 im Mittelmeer (Laboratoire Arago, Banyuls s. M., Pyr. Or.), die für die 
damalige Zeit zu recht guten Erfolgen führten, hat die Entwicklung große 
Fortschritte gemacht. Man kann heute nicht nur unter Wasser mit und ohne 
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