Wasmund, E.: Bedingungen der Unterwasser-Photographie für Taucher. 541
Wir gehen aus von exakten Lichtmessungen, wie sie von verschiedenen
Stellen vorliegen. Die modernen bisher unter Wasser gebrauchten photo-
metrischen Methoden hat Klugh?) kürzlich zusammengefaßt, ohne auf die Photo-
graphie einzugehen. Für praktische Zwecke des Tauchers ist die Apparatur noch
zu unhandlich. Für unsere Breiten entsprechen dem Durchschnitt wohl am
besten die Zahlen, die Poole und Atkins?) im Englischen Kanal gewonnen
haben. Im Mittel von 1931 und 1933 werden die Spektralfarben des Himmels-
lichts unter Wasser auf 10% reduziert in folgenden Tiefen: Rot 5.0 m, Gelb 7.5 m,
Blau 10.2 m, Grün 13.8 m. In diesen geringen Tiefen sind also die Farben noch
nicht völlig verschwunden, aber doch stark unwirksam geworden. Das mensch-
liche Auge kann sie allerdings noch tiefer, wenn auch immer schwächer, er-
kennen. Je nach Gegend und Sonnenstand (vgl. Grein) verschwindet das Rot
schon zwischen 5 und 10 m, oder wenig tiefer. In 20 m Tiefe ist nirgends mehr
Rot zu sehen, in 30 m beginnt Gelb zu verschwinden,
Im freien Ozean reicht das Licht sehr tief, darüber liegen gute Beobachtungen
von W. Beebe (1935) vor, die von Hulburt bearbeitet worden sind. Es be-
steht gute Übereinstimmung zwischen der Beobachtung der Absorptionsreduktion
des Tageslichtspektrums nach den Spektroskopablesungen von Beebe 1930 5$ der
Bermudas und der optischen Theorie bzw, den Experimenten. Die Langwellenseite
des Spektrums verschwindet plötzlicher als die Kurzwellenseite, noch in 800 m
sind Lichtspuren vorhanden, für den Menschen ist ab 600 m restlose Finsternis,
Rot verschwand in 15 m, Orange bei 45 m, bei 90m war auch Gelb verschwunden,
Blau kaum noch vorhanden, bis 100 m überschattet Blauviolett den Rest des noch
vorhandenen Grüns, die Wasserfarbe selbst wird schwarzblau, im Spektrum ist
tiefer nur noch ein grauweißer Schimmer im blaugrünen Abschnitt übrig.
Diese Tatsachen sind von verschiedenster Wirkung, Der grünliche Schimmer,
von dem der Taucher umgeben scheint, geht in bläulich-grünlichen Nebel über,
der die Umwelt verschleiert und verbirgt. Der Boden erscheint in fade-hellem
Licht oder wird schwärzer als oben, Algen und Tiere verlieren mit zunehmender
Tiefe ihre Oberflächenfarben und werden aufgehelilt oder verdunkelt. Daß bei
schnellem Auftauchen das an das Spektralfragment gewöhnte Taucherauge die
Luftwelt plötzlich rot sieht, haben weder andere außer Fol, noch auch ich erfahren.
Schließlich sind diese Dinge von größter Bedeutung für die Unterwasser-
photographie, da die chemisch aktivsten Strahlen im Spektrum auch noch in
ziemlicher Tiefe auf die Platte wirken können. Was aber das Lichtbild wieder-
gibt oder das Auge sieht, ist das „Wahre“, die Lebewesen unter Wasser erfahren
und kennen sich selbst und ihre leblose Umwelt nicht anders als in diesem
eigentümlichen Abglanz des Tageslichts. Nur so aber lassen sich Vorgänge und
Verhältnisse aus der direkten Beobachtung verstehen, die im Aquarium etwa in
den „falschen“ Zusammenhang der Luft-Lichtwelt gestellt sind. Wer in 10m
Tiefe die flutenden graugrünen Massen der sich zu schwankenden Hügeln auf-
türmenden Faden- und Schnuralgen in gleichmäßiger Monotonie gesehen hat,
der erkennt den Findling nicht wieder, an dem an Deck die herabhängenden
vielgestaltigen Arten das Gestein entblößt zeigen, auf dem gelbe Schwämme,
blaue Muscheln, rote Seesterne sitzen — Formen, die man kaum, Farben, die
man unten gar nicht auseinander sehen konnte. All dies ist nicht nur für den
Beobachter unter Wasser von Wert, sondern ohne diese Kenntnis ist das Ver-
ständnis des Verhaltens der Lebewesen nicht möglich.
In der belebten Atmosphäre springt aus der einheitlichen weißen Lichtfülle
die Eigenfarbe der einzelnen Gegenstände um so schärfer auch in der Form
hervor, in der belebten Hydrosphäre wird das weiße Licht zerlegt, in wenigen
Metern Wassertiefe herrschen blaue und grüne Töne, in deren verschwundenem
einseitigem Oberlicht auch alles an Farben verbleicht oder verdunkelt. .
Gislen beschrieb schon, wie auch Fol, einige Beispiele gänzlich veränderter
Farben von Seesternen, Rotalgen in Tiefen von 15 bis 25 m herum. Ich werde
” Klu gi A. Br., Biological Photometry and a new instrument for measuring light. — Ecology 6,
1925. — 2) H. H. Poole u, W.R.G. Atkins, The use of a Selenium Rectifier Photoelectric cell for
submarine photometry. — J. Mar, Biol, Ass, 19, Plymouth 1934.
Ann. d. Hydr. usw. 1937, Heit XII.