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Full text: 65, 1937

540 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1937. 
Schlei in Schleswig durchschnittlich 2 bis 3 mı Sicht. In der Ostsee vor Kap 
Arkona kann nach seinen Angaben bei gutem Wetter in 9m Tiefe 15 m Sicht 
sein, was mit meinen oben geäußerten Erfahrungen übereinstimmt. Die Angaben 
sind Messungen mit der gemarkten Laufleine, Schätzungen halte ich für sehr 
täuschend. Davon kann man sich überzeugen, wenn man einen Gegenstand 
(z. B. Anker) unter Wasser sucht, auch findet, und beim Versuch, ihn zu fassen, 
außer Sicht verliert. Andererseits braucht es lange Zeit (20 bis 30 Minuten), 
bis das Auge sich an das Unterwasserlicht völlig angepaßt hat und dann erheb- 
lich empfindlicher geworden ist. In 12 m Tiefe (Kieler Hafen am 14. 8. 25, be- 
deckt) war bei mindestens 4 m Sichttiefe die Sichtweite in Ufernähe auf 3 m 
Tiefe höchstens 2 bis 2.5 m (undeutlich), in 4 m war nichts zu sehen. Durch 
das Laufen wurde die Suspension stärker, die Sichtweite sank in einer halben 
Stunde auf 1 m, die Sicht nach oben war völlig hell und klar zum Wasserspiegel, 
Bei klarem Himmel, ruhigem Wasser und guter Sichttiefe von 4m war die 
Sichtweite am nächsten Tag in 2 bis 3 m Wassertiefe im Sonnenschein auf 6 bis 
7 m gestiegen, um durch Suspensionsanstieg schnell zu sinken. 
Ich habe die Absicht, das Verhältnis zwischen Sichttiefe und Sichtweite 
experimentell zu klären, Man findet dabei natürlich keine physikalischen Be- 
lichtungsgrenzen, wenn diese Größen auch einen Anhaltspunkt dafür geben, 
sondern mißt nur die Grenzen unserer Augensehweite. Aber das ist biologisch 
für das Verständnis des Verhaltens der Tiere ebenso wichtig, wie photoelektrische 
Messungen für die Lichtreaktion der Pflanzen, 
Sehr interessant sind Beobachtungen eines Berufstauchers, die Kindle (1918) 
wiedergibt. Der Lake Ontario ist ein ungewöhnlich klarer oligotropher See, noch 
in 50m leben Grünalgen und Diatomeen. Nach Aussagen des Tauchers 
M. E. Poland vom kanadischen Department of Marine and Fisheries, aus drei- 
jähriger bis 33 m Tiefe reichender Erfahrung, kann man an normalen Sommer- 
tagen bis 7.5 m tief Zeitung lesen. Bemerkenswert sind nun die Ausnahmen, 
Bei klarem Wetter im Juni, starkem Bodenstrom und kleiner Brise konnte der 
Taucher in 10.5 m Tiefe sich den ganzen Tag über durch Handzeichen mit dem 
Deckspersonal verständigen. An einem andern Tag waren in 27 m Tiefe, 6 m 
über Grund, Werkzeug usw, auf einem Gerüst gut zu erkennen, am Tag vorher 
war an der gleichen Stelle die Sichtweite keine 5 cm gewesen. Einmal wurde 
es nachmittags in 6 bis 9m Tiefe, wo es morgens völlig dunkel gewesen war, 
plötzlich innerhalb 5 Minuten so hell, daß Taucher in der Nähe sich optisch 
verständigten., Hart berichtet ebenfalls aus dem Lake Ontario, daß er selber 
in 2 bis 5 m Wasser sehr schlechte Sicht während der Herbststurmzeit gehabt 
habe, man aber in solchen Tiefen bis 15 m Sichtweite haben könne. 
Kindle und Poland denken ebenso wie Gisl6n daran, daß nicht nur Sonne, 
Wind und Wolken, Strom oder Bodentrübe solche plötzlichen Wechsel oder andere 
anormale Verhältnisse verursachen, sondern daß Dichteunterschiede und Strom- 
grenzschichten den Lichtwechsel beeinflussen können. Ich halte das für richtig, 
wenn solche Viskositätssprünge sogar akustisch wirksam werden, wie ich es bei 
Behm-Echolotungen im Bodensee erlebte. Gislns Berufstaucher bemerkt, daß es 
in brackisch ausgesüßten oberflächlichen Schichten dunkel war, „aber weiter unten 
heller wurde“. Sprünge im Salzgehalt wirkten also optisch wie eine opake Belagschicht. 
Das in den verschiedenen Wasserschichten enthaltene Licht, das die Sicht- 
weite mit bestimmt, ist nun kein weißes Licht wie über Wasser, sondern ändert 
seine Zusammensetzung mit zunehmender Tiefe. Da eine Spektralfarbe nach der 
andern ausgelöscht wird und die gesamt eindringende Lichtmenge an sich relativ 
gering ist, hat das Wasser keine völlig einheitliche Farbe, wenn auch ein bleiches 
Grünblau die vorherrschende Tönung bei gutem Wetter in wenigen Metern Tiefe 
wird. Auch hier sind die Einzelheiten und die Tiefenabstufung von regionalen 
Faktoren wechselnd abhängig, in Küstennähe liegen die Dinge anders wie im 
freien Ozean. Die Reinheit und Intensität der Farbe hängt außerdem mit der 
Reinheit des Wassers zusammen; so meint R. Dohrn, daß bei dem sehr klaren, 
durchsichtigen Wasser des Mittelmeers die farbigen Effekte unter Wasser be- 
sonders stark zur Geltung kommen.
	        
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