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Full text: 65, 1937

Dietrich, G.: „Die dyn, Bezugsfläche“, ein Gegenwartsproblem der dyn. Ozeanographie, 517 
Diese zweite Theorie von H, R. Seiwell stützt sich auf der numerischen 
Annahme des vertikalen Sauerstoffverbrauchs. Deren Grundlage ist aber zur 
Zeit so wenig gefestigt, daß sie als rein hypothetisch anzusehen ist. Die An- 
nahme stützt sich auf einen einzigen Wert des Sauerstoffverbrauchs im Horizont 
des Hauptsauerstoffminimums, den H.R.Seiwell® früher aus einem Längs- 
schnitt im Nordatlantischen Ozean auf 40° W aus den Abständen der O,-Minima 
und Maxima ermittelt hat. Der jährliche Verbrauch ergab sich für die sauer- 
stoffarme Schicht nördlich von 15° N zu 0.31 bis 0.42 cem/l. Voraussetzung 
dabei ist, daß die Maxima in der sauerstoffarmen Schicht jahreszeitlich bedingt 
sind. Durch die Einschränkungen dieser Methode im allgemeinen und der von 
H. R. Seiwell berechneten Geschwindigkeitskomponenten im besonderen durch 
G. Wüst‘) wird auch diese einzige zahlenmäßige Stütze der Verbrauchskurve 
des Sauerstoffs stark in Frage gestellt. 
Der Verbrauchsvorstellung von H. R. Seiwell, die nach der Abb. 3 übrigens 
auf ein Erlöschen der Oxydation in 1200 m schließen }3äßt, steht die Vorstellung 
der dynamischen Erklärung entgegen, nach welcher der Sauerstoffverbrauch außer- 
halb der organismenreichen Oberschicht relativ konstant mit der Tiefe bleibt. 
Die hypothetische numerische Verbrauchskurve von H. R. Seiwell und 
damit seine chemisch-biologische Erklärung des O,-Minimums kann zur Zeit die 
Vorstellung eines vertikalen verhältnismäßig konstanten Verbrauches an Sauer- 
stoff in der Tiefe und damit die dynamische Erklärung nicht entkräften. Das 
zwanglose Einfügen der Sauerstoffminima in das großräumige Zirkulationssystem 
des Atlantischen Ozeans, das großenteils unabhängig vom Sauerstoff aus Tempe- 
ratur- und Salzgehaltsverteilung schon früher erschlossen war, deutet darauf hin, 
daß die Sauerstoffminima in der Tiefe entscheidend durch die Dynamik bestimmt 
werden. Zweifellos werden biologisch-chemische Vorgänge außerdem eine wichtige 
Rolle spielen. Vielleicht 1äßt sich der kürzlich gegebene Hinweis von H. Watten- 
berg‘) in dieser Richtung fruchtbar ausbauen. In der verschieden schnellen 
Mineralisierung der Kohlenstoff- und Phophorverbindungen des absinkenden 
Detritus wird dort eine Erklärung für das starke Sauerstoffminimum in den 
westafrikanischen Gewässern gesehen. 
E, Die Auswirkung der inneren Gezeitenwellen auf die dynamischen Topographien, 
Zwar gelingt es im Weltmeere aus dem hydrographischen Aufbau eine 
dynamische Bezugsfläche in großer Tiefe festzulegen, zum Beispiel an der 
Obergrenze der polaren Bodenströme. Damit sind aber die Probleme der dyna- 
mischen Methode nicht gelöst. Ein Versuch, die dynamischen Topographien der 
ijsobaren Flächen in großer Tiefe auf eine zuverlässige Grenzfläche zu beziehen, 
führt im allgemeinen zu komplizierten Bewegungsvorstellungen, die sich mit zu- 
nehmender Stationsdichte weiter verwirren und kaum die relativ einfachen aus 
der Verteilung der ozeanographischen Elemente abgeleiteten Ausbreitungs- 
vorstellungen stützen. Den Hauptgrund dafür kann man in den internen Wellen, 
besonders in denen mit Gezeitencharakter erblicken; denn zwischen zwei Stationen 
sind die horizontalen Dichtegradienten in der Tiefe nach den wenigen Beobach- 
tungen, die von Dauer- und Ankerstationen vorliegen, von derselben Größen- 
ordnung wie die Extreme der periodischen Änderungen der horizontalen Gra- 
dienten beim Durchgang einer internen Welle. Bei dem inhomogenen Material 
täuschen die rein rechnerisch ermittelten dynamischen Topographien noch kom- 
pliziertere Bewegungsverhältnisse vor, als an sich schon bestehen. 
Um zu einer in sich homogenen Darstellung der dynamischen Topographien 
zu gelangen, wäre es demnach notwendig, alle hydrographischen Beobachtungen 
auf die gleiche Phase der inneren Wellen zu beziehen, Von der Durchführbar- 
keit dieses Schrittes sind wir aber gegenwärtig weit entfernt. Selbst im Süd- 
atlantischen Ozean ist nach der eingehenden Untersuchung der Wiederholungs- 
serien auf den Ankerstationen des „Meteor“ von A. Defant?’) die Verteilung der 
%) H. Wattenberg: Die chemischen Arbeiten auf der „Meteor“-Fahrt, Februar bis Mai 1937. 
Beiheft zum Septemberheft der Ann. d. Hydr. 1937. — *) A. Defant: Die Gezeiten und inneren Gezeiten- 
wellen des Atlantischen Ozeans. Wiss, Ergeb. d. Dt. Atl. Exp. „Meteor‘“, Bd, VII, I. Teil, Berlin 1937,
	        
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