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Full text: 65, 1937

Dietrich, Q.: „Die dyn. Bezugsfläche“, ein Gegenwartsproblen der dyn. Ozeanographie, 513 
die zahlenmäßigen Ergebnisse lehnen, kritisch gegenüberstehen müssen. Als 
Beispiel sei nur ein Rückschluß von E, H. Smith*) angeführt. In der Bear- 
beitung des dichten Stationsnetzes der „Marion“ und „General Greene“ Expe- 
ditionen wird eine umfassende dynamische Betrachtung gegeben, die das Meeres- 
yebiet zwischen Grönland, Baffin-Land, Labrador und Neu-Fundland, das als 
Labrador-See bezeichnet wird, betrifft. Für die Darstellungen der dynamischen 
Topographien sowie für die anschließenden Geschwindigkeits- und Transport- 
berechnungen wird überwiegend Bewegungslosigkeit konstant in 1500 m vor- 
ausgesetzt, in zwei tiefreichenden Querschnitten zwischen Labrador und Grönland 
dagegen in 2000 m, im Neu-Fundland-Gebiet aber in 1000 m. Die dynamischen 
Karten vermitteln bei dieser Annahme eine erstmalige Vorstellung über die Zu- 
sammenhänge der großen zyklonalen Bewegung, die das ganze Meeresgebiet 
umspannt. Zwar wird in einer Fußnote (S. 25) auf die Einschränkung der 
quantitativen Folgerungen hingewiesen; trotzdem erscheinen Rückschlüsse über 
die Zusammenhänge zwischen Zu- und Abfluß der Labrador-See nicht in vollem 
Umfange gesichert. 
Der Gesamteinstrom der Labrador-See durch den West-Grönlandstrom, der 
südlich von Kap Farewell eintritt, durch den Baffin-Land-Strom, der über die 
Davisstraße von Norden kommt, und durch den Zufluß aus der Hudson Bai 
wird auf 7.5 10° m*/sec berechnet. Der Abfluß der Labrador-See durch den 
Westgrönlandstrom nach Norden gegen die Baffin-Bai und durch den Labrador- 
strom gegen Süden wird dagegen zu 5,6 X 10®* m*/sec ermittelt. Für den er- 
rechneten Überschuß von 1.9 10° m?/sec wird folgende Erklärung gegeben 
(S, 173): „The foregoing strongly suggests that about 1.9 million eubie meters 
per second of West Greenland Current sinks into depths below 1500 meters 
{the reference surface of the dynamic computations) and eventually flows out 
of the Labrador Sea at deeper levels into the North Atlantie, thus maintaining 
a quantitatively balanced system of eireulation“. Selbst wenn man stationäre 
Verhältnisse voraussetzt, kann man nach den vorangegangenen Erörterungen 
über die Bedeutung der Bezugsfläche diese zahlenmäßige Folgerung über den 
Verbleib des Überschusses nur mit Vorbehalt aufnehmen. 
C. Diskussion der dynamischen Bezugsfläche in der angewandten Ozeanographie 
am Beispiel eines Golfstrom-Schnittes, 
In dem oben angeführten Beispiele des „Atlantis“.Schnittes sind zugleich 
die beiden grundverschiedenen Auffassungen über die Wahl der Bezugsfläche 
ausgedrückt. Die eine legt großräumig horizontale Flächen zugrunde (2000- 
and 1000 d-bar), die andere solche, die sich dem hydrographischen Aufbau ein- 
lügen. Aus der Diskussion um das Für und Wider der einzelnen Auffassungen 
seien hier die angeführten Argumente kurz zusammengefaßt, 
Gegen die Wahl einer horizontalen Bezugsfläche wurden vom Verfasser?) ©) 
folgende Einwände erhoben. Die Festlegung erfährt großenteils keine Begründung. 
Zum Teil wird sie durch rein äußere Momente bedingt (größte Beobachtungs- 
tiefe), zum anderen Teil verlegt man die Bezugsflächen in große Tiefen mit dem 
Hinweis, daß die Bewegungen dort am ehesten zu vernachlässigen sind. Man 
berücksichtigt nicht dabei, daß Störungen im Aufbau bei der Integration über 
die Wassersäule die Rechnung zunehmend mit der Tiefe beeinträchtigen. Die 
verschiedenen Bezugsflächen, die man im Nordatlantischen Ozean den Berech- 
nungen zugrunde gelegt hat, liegen zwischen 4000 und 500 m. Ein weiterer 
Einwand gegen die Wahl horizontaler Bezugsflächen ist der, daß diese keine 
Beziehung zum hydrographischen Aufbau besitzen, sondern zusammengehörige 
Wasserkörper willkürlich zerschneiden. Besonders eindeutig spiegeln sich diese 
Verhältnisse in dem Beispiel des „Atlantis“-Schnittes durch den Golfstrom (Abb. 1). 
* E. H. Smith, F. M. Soule, ©. Mosby: The Marion and General Greene Expeditions to 
Davis Strait and Labrador Sea 1928, 1931, 1933, 1934, 1935. Seientifie Results, Part 2. Physical 
Deeanography, U S, Treasury Dep. Coast Guard. Bull. No. 19. Washington 1937. — *) O, Dietrich: 
Das „ozeanische Nivellement“ und seine Anwendung auf die Golfküste und die atlantische Küste der 
Vereinigten Staaten von Amerika. Zeıtschr. £f. Geophysik, Jhrg. 12, S. 237—298, Braunschweig 1936.
	        
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