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Full text: 65, 1937

502 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1937. 
Aus den Aufstiegen 1 und 9 in Fig. 4 ist die Konstruktion der trägheitslosen 
Zustandskurve wohl genügend deutlich zu erkennen. Durch den Umkehrpunkt 
des Anstiegs ist eine Parallele zum Abstieg und durch denjenigen des Abstiegs 
aine solche zum Anstieg gezeichnet. Der Schnittpunkt dieser beiden Parallelen 
gibt die Höhe der Tropopause und in derselben eine Temperatur an, die sicher 
nicht tiefer ist, als die wahre Tropopausentem peratur; denn da wirklich vor- 
handene Ecken in einer Temperaturkurye abgerundet wiedergegeben werden, So 
müßte die wahre Temperatur in der Tropopause sogar noch etwas tiefer liegen. 
Bei Betrachtung des Aufstiegs 9 ist zu erkennen, daß nach dem Platzen 
des Ballons die Abstiegskurve zunächst nach höheren Temperaturen verläuft, 
Da der Anstieg bei einer Temperaturzunahme mit zunehmender Höhe in der 
Stratosphäre zu kalt ist, zeigt auch der Gipfelpunkt eine zu tiefe Temperatur 
an, und der Apparat kann erst im Fallen die Temperatur des Gipfelpunktes an- 
yenähert annehmen, ohne diese jedoch zu erreichen, weil die durchfallene Luft- 
schicht kälter ist und daher schon wieder abkühlend wirkt, (Hier kommt aller- 
dings wieder eine Temperaturerhöhung durch Reibungswärme in Frage; doch 
kann dieselbe höchstens wenige Zehntel Grade betragen.) 
Durch Einsetzen einer aus den Aufstiegen 1, 4, 5 und 9 gemittelten Differenz 
gegenüber der Anstiegskurve (wobei der jeweilige Temperaturgradient und die 
Steiggeschwindigkeit berücksichtigt wurden), konnte die trägheitslose Zustands- 
kurve auch für diejenigen Aufstiege gezeichnet werden, bei denen kein Abstieg 
registriert worden ist. Bei den Aufstiegen 1, 2 und 9 ist die Kurve vollständig 
pingezeichnet, bei den Aufstiegen 3 bis 8 teilweise fortgelassen, einerseits um 
die Deutlichkeit der Fig. 4 nicht herabzusetzen, andererseits treten bei den Auf- 
stiegen am Tage in der Stratosphäre derartige Verstrahlungen auf, daß ihre 
Einzeichnung sinnlos wäre. Bei den Aufstiegen 4, 5 und 6 ist die Kurve schon 
unterhalb der Tropopause nicht mehr eingetragen, weil sich die Schreibfedern 
in der Tropopause berührt haben und exakte Angaben daher nicht möglich sind. 
Wie aus Fig, 4 zu ersehen ist, ergeben sich zwischen Anstiegskurve und träg- 
heitsloser Zustandskurve Differenzen, die unterhalb der Tropopause ihren größten 
Wert, bis zu faßt 2°, annehmen. Dieses Ergebnis stimmt gut überein mit dem 
von E, Frankenberger [:] experimentell gefundenen, 
C. Die Verstrahlung in der Stratosphäre und ihre Korrektion. 
Unter 1IIB ist beschrieben, daß bei einem unverstrahlten Anstieg und einer 
Temperaturzunahme mit zunehmender Höhe in der Stratosphäre der Abstieg 
zunächst nach höheren Temperaturen verläuft, Bei dem Aufstieg 1 hat der 
Ballon die Stratosphäre bei Sonnenuntergang erreicht, und Aufstieg 9 hat nach 
Sonnenuntergang stattgefunden; daher kann bei diesen beiden Aufstiegen eine 
Verstrahlung der Apparate nicht eingetreten sein. Die Aufstiege 1 und 9 geben 
Temperaturen an, die in der oberen Troposphäre um 3 bis 4° voneinander ab- 
weichen, in der Stratosphäre dagegen nur um wenige Zehntel Grade, Aus diesen 
beiden Aufstiegen ist nun das Mittel gebildet und in Fig. 4 oberhalb 500 mb 
überall dort punktiert eingetragen, wo dieses Mittel mehr als 1° von der träg- 
heitslosen Zustandskurve abweicht, (Unterhalb 500 mb stellt die punktierte Kurve 
den Flugzeugaufstieg der Hamburger Wetterflugstelle dar.) 
In der Stratosphäre treten besonders große Abweichungen von der punk- 
tierten Kurve am Tage auf und die größten zur Zeit des höchsten Sonnenstandes, 
Dadurch wird der Anschein erweckt, als ob es sich hier um einen täglichen Gang 
der Temperatur handle. Da die Aufstiege in einem stationären Hoch bei schwachen 
Winden (Fig. 1!) ausgeführt worden sind, können advektive Luftmassenverschie- 
bungen nicht stattgefunden haben; die Konvektion kann aber in der Stratosphäre 
nicht mehr eine Temperaturerhöhung hervorgerufen haben, da über 500 mb ein 
täglicher Gang der Lufttemperatur nicht mehr festzustellen ist. Es läßt sich keine 
Erklärung für eine Erwärmung der stratosphärischen Luftmassen am Tage finden; 
vielmehr muß die gleiche Temperatur über dem ganzen Tag in der Stratosphäre 
geherrscht haben. Die Ursache für den in der Stratosphäre erscheinenden 
Temperaturgang hat man in einer Verstrahlung der Registrierapparate zu sehen.
	        
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