Schröder, G.: Vom „Grünen Strahl“.
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Die vorliegende Zusammenstellung war bereits fertiggestellt, als in den Ann,
d. Hydr. usw. 1935, S. 336 ff. G. Schröder seine Beobachtungen über den Grünen
Strahl veröffentlichte. Da meine Beobachtungen seine durchaus bestätigen, vor
allem was die Ausbildung grüner Ecken betrifft, sobald die Sonnenscheibe unter
den Horizont fast gesunken ist, sollen sie zur Ergänzung noch veröffentlicht
werden. In der Zwischenzeit wurde versucht, hier im Binnenland in der Ebene
weitere Beobachtungen zu sammeln, leider nur mit negativen Erfolgen. Offenbar
ist die Luft nicht rein genug, Einige ganz interessante Beobachtungen konnten
jedoch gemacht werden, die allerdings den Grünen Strahl selbst nicht unmittelbar
betreffen. Auch im Binnenland erscheint bei Sonnenuntergang der Rand der
Sonne gekerbt, und zwar symmetrisch zur Vertikalen. An diesen Kerbstellen
erscheinen bei gelber bis orange-roter Sonnenscheibe kleine grüne Flämmchen.
Diese Kerbung der Sonne ist offenbar auf Inversionsschichten zurückzuführen,
an deren Grenze eine Unstetigkeit in der Strahlenbrechung auftritt. An solchen
Unstetigkeiten unmittelbar über dem Horizont scheint auch der Grüne Strahl
bei extrem geringer Dicke des durchtretenden Strahlenbündels aufzutreten. Die
Bedingungen zur Bildung des Grünen Strahles sind demnach in allen Zonen
gegeben, und die Grundlagen dazu sind nicht auf Punkte beschränkt, sondern
äber einer größeren Fläche vorhanden. Sie hängen wahrscheinlich mit steilem
Gefälle der Temperatur zusammen. Notwendige Grundbedingung ist aber offen-
Dar noch große Reinheit der Atmosphäre.
IV. Beobachtungen des Grünen Strahles im Golf von Siam
° und in der Grönland-See., be
Von Otto Klachn, II, Offizier, D. „Reliance“, H.-A, L.
(Hierzu Tafel 62, rechts.)
Den dankenswerten mehrfachen Anregungen des Herrn Kapitäns Gustav
Schröder zufolge habe ich ebenfalls gelegentlich der Erscheinung des „Grünen
Strahles“ meine Aufmerksamkeit zugewandt und kann die eindrucksvollen Schil-
derungen des Genannten nur bestätigen. — Als wir uns auf der diesjährigen
Weltreise des D. „Reliance“ der Hamburg-Amerika Linie im Golf von Siam be-
fanden, versprach eines Abends der Sonnenuntergang besonders schön zu
werden. Der Sonnenball war tiefrot, verfärbte sich jedoch, als sein Unterrand die
Kimm berührte, in ein schmutziges Gelb. Schon glaubte ich, daß der Grüne Strahl
nicht in Erscheinung treten werde, da sprang plötzlich, als nur noch ein winziges
Teilchen der Sonne zu sehen war, ein kleines Stückchen der Scheibe wie ab-
gerissen über den Horizont; es war tief blau, wechselte jedoch dann nochmals
dieg’arbe, um als grüner Strahl zu verschwinden (Tafel 62, rechts, Bildreihe 1).
Die Wahrnehmung des Grünen Strahles bei Sonnen-Aufgang ist schwieriger.
Ich hatte das Glück, unter besonders günstigen Umständen in der Grönland-See
in Höhe von Jan Mayen innerhalb von 20 Minuten den Sonnenunter- und -aufgang
verfolgen zu können. Die Zwischenzeit war ausgefüllt mit einem prächtigen
Erstrahlen der Kimm. Feurigrot war die Sonne untergegangen (Bildreihe 2);
last ganz bis zum Schluß hatte sie die Farbe beibehalten, um sodann ein
grünes Oval zu bilden, das 3 Sekunden über der Kimm stehen blieb. Beim
Untergang waren keinerlei Ausstrahlungen der Sonne zu sehen gewesen, um
so verwunderter war ich, als 5 Minuten später der Stand der Sonne genau an
einem Strahlenbündel zu verfolgen war. Nur diesem günstigen Umstande glaube
ich es zu verdanken, daß es mir glückte, bald darauf beim Sonnenaufgang
den Grünen Strahl wahrzunehmen (Bildreihe 3). Wie schon erwähnt, zeigte die
Sonne ihren Weg und Stand durch starkes Erstrahlen an. Die Strahlen wurden
immer intensiver, so daß ich jeden Augenblick den Aufgang erwartete. Ich nahm
daher mein Glas und paßte gut auf. An Stelle des Sonnenoberrandes erschien
indes mitten in den Strahlen in !/,° Höhe ein wundervoll smaragdgrünes
Oval. Dieses verschwand wieder und nun erst ging die Sonne auf in ganz
dunkelroter Färbung. Mit dem Aufgang war das Erstrahlen des Horizontes
verschwunden, Zwei Stunden später hatten wir sehr starken Nebel.