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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1937.
sind feine symmetrische Einkerbungen am Sonnenrand festzustellen, die sehr zahl-
reich sind, Eine ganz kurze Zeit scheint die Sonne in senkrechter Richtung elliptisch
verlängert. Das letzte zitronengelbe Segment sinkt rasch unter den Horizont und
wird dabei von den Rändern her blaßblau. Im Augenblick des Verschwindens
erscheint ein feines wölkchenartiges Gebilde, das ebenfalls blaßblau aussieht,
Von zwei anderen Stellen wurde dieser Untergang ebenfalls beobachtet, die
auftretende Farbe wird aber als Grün angegeben. Diese Beobachtungspunkte
lagen 3 km und 300 m von dem ersten Punkte entfernt und etwas höher.
11. September: Die Sonne erscheint rotgelb infolge eines vor ihr liegenden leichten
Dunststreifens. Sie gleicht beim Aufsetzen auf den Horizont für kurze Zeit einer
Glocke. Dann erscheinen wieder leichte Einkerbungen, die symmetrisch zur Verti-
kalen sind. Beim Verschwinden des letzten Segmentes dringt von den Zwickeln her
ein blaßgrünes Licht vor, das wie ein Funke kurz nach dem Versinken noch einmal
aufblitzt. Auch dieser Vorgang wurde durch einen zweiten Beobachter bestätigt.
21. September: Die einzige Morgenbeobachtung ergab den umgekehrten Vor-
gang wie abends. Ein lebhaftgrüner Tropfen erscheint über der Sonnenaufgang-
stelle. Ihm folgt ein gelbes Segment mit grünen Zwickeln, das in die normale
rotgelbe Färbung übergeht.
Am 16, und 17, September konnte trotz wolkenlosen Wetters kein Grüner
Strahl beobachtet werden, da die Sonne bereits einige Grad über dem Horizont
im Dunst verschwand,
Die Beobachtungen ergeben eine Schwankung in der Farbe zwischen Blaß-
blau, Blaßgrün und Smaragdgrün. Die Höhe der Beobachtungsstelle scheint für
die Art der Farbe von Einfluß zu sein, wie aus der Beobachtung vom 10. hervor-
geht. Sie bestätigt eine Feststellung von Mercanton!) im Nordatlantik, nur
daß dieser blaue und violette Farbtöne beobachtete. Zur Feststellung, ob es
sich um eine normale Brechung handelt, wie Mercanton meint, müßte man
versehiedene Beobachter vertikal übereinander aufstellen, die dann verschiedene
Farben sehen würden, und zwar würde die Farbenfolge von unten nach oben
vom stärker brechbaren Teil des Spektrums nach dem weniger brechbaren ver-
laufen, etwa violett—blau—grün.
Allerdings ist nach weiteren Beobachtungen von Lipp®) und. Roßmann?)
der Vorgang nicht ganz mit einer Brechung zu erklären. Darauf deutet zunächst
einmal die Lippsche Beobachtung auf der Zugspitze, daß der Grüne Strahl
zweimal, und zwar etwas verschieden auftrat, als am 3. Februar 1929 die unter-
gehende Sonne eine Bergkuppe durchschnitt und auf der anderen Seite wieder
hervortrat. Die Entwicklung des Grünen Strahls ist also offenbar an den relativ
nahen Berg und nicht an den fernen Horizont gebunden. Roßmanns Beob-
achtung an einem Stern (Atair)*), bei der offenbar das Rot stärker abgelenkt
erschien als das grüne Bild, würde sogar auf eine Beugungserscheinung hindeuten.
Diese Fragen lassen sich nur durch sorgfältige Beobachtungen klären.
Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, tritt der Grüne Strahl auf: 1. am Horizont
(Meer), 2. an einem niedrigen, wenig über den Horizont hinausragenden Hin-
dernis für den Lichtstrahl Berg (Lipp) oder Wolke (Mercanton). Die Beob-
achtungen Roßmanns weisen vielleicht auf die wirkliche Ursache hin. Er findet,
daß offenbar oft anormale Refraktionserscheinungen die Ursache sein können.
Die Beobachtungstage auf Wangeroog waren sämtlich durch Luftspiegelungen
ausgezeichnet, die sich in den Morgenstunden besonders über dem Meer, mittags
aber auch stark über dem erwärmten Strand zeigten. Da die Lufttemperatur
fast stets in der Frühe niedriger als die Wassertemperatur, die noch 17 bis
18 Grad betrug, war, entstand über dem Wasser ein starkes Temperaturgefälle
das für die Lichtstrahlen wie eine heiße Wand wirkt, die bekanntlich (Pernter
Meteorologische Optik) Spiegelung hervorbringt.
1) Paul E. Mercanton, Beobachtungen des blauen und violetten Strahles, Met. Z. 49, 1932
S. 271. — % H. Lipp, Beobachtungen des grünen Strahles auf der Zugspitze. Met. Z. 47, 1930
S. 113. — 2%) Roßmann, Beobachtung des grünen Strahles auf dem Feldberg im Schwarzwald
Met. Z. 47, 1930, S. 368. — 4) W.C. Haines: The green flash observed Oet. 16, 1929 at Little America
by members of the Byrd Antaretie Expedition. Referat: Roßmann, Met. Z. 51, 1934, 8. 392.