Schröder, G.: Vom „Grünen Strahl“,
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d. h, noch eine Höhe von etwa einer Bogenminute hatten, wurden sie plötzlich
länglich, standen einen Augenblick wie zwei schwarze Schornsteine über der
Kimm und verschwanden dann ebenso plötzlich (Bild 7b). Gleichzeitig war ein
schöner grüner ÖOberrand zu sehen, der, immer dicker werdend, sich bald bis
an die Kimm fortsetzte (Bild 7c), Als dann das Segment die Form eines Ovals
annahm, war dieses von einem dicken grünen Rand eingerahmt (Bild 7d und 6).
Bild 7e zeigt das Oval drei Sekunden, Bild 7f zwei Sekunden und Bild 7g eine
Sekunde vor dem Verschwinden, Die grüne Farbe wurde zuletzt dunkler und
satter. P 1021 mb, ESE 2—3, Ti und Ty 23.5°.
Die letzte Bildreihe 8 bringt wieder einen Sonnenaufgang, bei dem der „Grüne
Strahl“ dreimal auftrat, jedesmal etwa eine Sekunde lang: das erstemal direkt
in der Kimm, das zweitemal über einem Wolkenstrich, der sich vor die Sonne
schob (Bild 8e), und das drittemal in der Lücke der weitervorüberziehenden
Wolke (Bild 8h)!). Während der ersten 40 bis 50 Sekunden nach dem Aufgang
(Bild 8a—d) war außerdem ein schmaler grüner Oberrand sichtbar, Und nachdem
die ganze Sonne aufgetaucht war, hatte sie eine Zeitlang einen deutlichen roten
Unterrand (Bild 83).
Während meines Aufenthaltes in Alexandrien konnte ich dann vom 19. bis
25. September 1936 Abend für Abend den Sonnenuntergang mit „Grünem Strahl“
beobachten. Die Untergänge verliefen bei ganz normalem gleichbleibenden Wetter
etwa so wie Bildreihe 7 es zeigt. P 1020 mb, Tı und T 24—25°; der Wind war
ENE 4—2 und drehte ganz allmählich auf Nord. Doch bekam von Tag zu Tag
die Farbe des Phänomens einen immer stärkeren Stich ins Blaue. Und in dem
Augenblick, wenn das kleine Oval von einem blaugrünen Rand eingerahmt war,
wurde der innere sonst rötlichgelbe Teil beinahe ganz weiß. Am 25. September
war sowohl der Rand als auch das Oval ganz blau. Der Wind hatte bis NNW
gedreht. Auffallend war auch, daß die Dauer von dem Augenblick an, in dem das
Segment oder Oval ganz grün oder blau wurde, bis zum Verschwinden verschieden
war. Erst waren es etwa zwei Sekunden, dann einmal fünf Sekunden und zuletzt
beim ganz blauen Strahl nur eine Sekunde, so daß meine früher ausgesprochene
Vermutung?), die Zeitdauer des Phänomens hänge von dem Winkel ab, in dem
die Sonne den Horizont passiert, als nicht in jedem Falle zutreffend bezeichnet
werden muß. .
Gleichzeitig wurden die elektrischen Störungen in unserem Rundfunkgerät
als besonders stark empfunden an den Abenden, an denen die Zeitdauer des
„Grünen Strahles“ besonders lang gewesen war,
Zusammenfassend erwähne ich noch einmal, daß bei diesen Beobachtungs-
reihen von Ende August bis Ende September 1936 alle Strahlen des Phänomens
in der Nordsee und auf dem Atlantik blau waren, im Mittelmeer alle
grün, bis während der letzten Tage in Alexandrien ein Übergang zu Blau fest-
gestellt wurde.
Auf der Weiterfahrt sah ich den Strahl von Smyrna aus an vier Abenden
blau mit Stich in das Violette. Die Sonne ging hinter einer 20 Sm entfernten
Bergkette unter. Und zum erstenmal in meinem Leben sah ich von dort aus
den „Grünen Strahl“ bei der Venus. Sie ging hinter einem sechs Seemeilen
entfernten Hügel unter, Zunächst wurde sie immer roter je mehr sie sich dem
Hügelrand näherte; erst in der letzten halben Sekunde leuchtete plötzlich ein
prachtvolles Grün.
Während meiner Fahrt durch die griechischen Inseln sah ich den Strahl bei
einem Aufgang und einem Untergang der Sonne blau. Auf der Fahrt vom
Piräus heimwärts im Mittelmeer und im Atlantik sah ich mindestens fünf Auf-
gänge und fünf Untergänge mit grünem Strahl. Den letzten Untergang beobachtete
ich im Englischen Kanal bei der Insel Guernsey: es gab ein bis zwei Sekunden
Jang ein ganz zartes, helles, reines Blau.
Ich muß noch erwähnen, daß die Farben, mit denen ich meine Wahr-
nehmungen aufzeichnete, ebensowenig Anspruch darauf machen, die Farbe des
1) Der I. Offz., Herr Schansker, welcher mitbeobachtete, bestätigte die Richtigkeit meiner Auf-
zeichnungen, — 2) Ann. d. Hydr. 1935, IX.