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Organismen gebildet werden. Die meisten dieser Radiolarien kommen eben so
häufig in dem Oberflächenwasser der Meere vor, als in den tiefsten Meeres-
gründen, doch sind sie in dem Stillen Ocean noch häufiger, als in dem Atlanti-
schen, namentlich in den äquatorialen Meerestheilen. Die Kieselpanzer dieser
Organismen werden auf dem Boden fast aller Meere gefunden, selbst da, wo
sie bei der ersten Prüfung der Bodenbestandtheile zu fehlen scheinen, lässt sie
eine spätere sorgfältigere Untersuchung erblicken. Aber dennoch kommen sie
nur in einigen begrenzten Gebieten in Tiefen von 4115 bis 8367m in so grossen
Mengen vor, dass die Bodenablagerung durch sie charakterisirt wird, und man
sie nach ihr benennen kann: so in dem westlichen und mittleren Theil des
Stillen Oceans und in einem Theil des malayischen Archipels. Zwischen den
Sandwich- und Gesellschafts-Inseln wechseln Gebiete des Radiolarien-Schlammes
mit solchen des Globigerinen-Schlammes ab. In dem südlichen Stillen Ocean
and im Atlanutischen Ocean ist der Radiolarien-Schlamm wenig, oder gar nicht
vertreten und in dem südlichen Indischen Ocean wird er durch den Diatomeeon-
Schlamm ersetzt.)
Der Tiefsee-Thon, oder die rothen und grauen Thone, sind die am
weitesten verbreiteten und in Tiefen von über 3660m vorgefundenen oceanischen
Ablagerungen: im Atlantischen Ocean von 4389 bis 5852m und im südlichen
{ndischen und Stillen Ocean von 3657 bis 7132m. Sie sind von grauer, meist
aber rother oder dunkel chokoladenbrauner Farbe, in Folge ihres Gehalts an
Eisenoxyd oder Manganoxyd. Die meisten dieser Ablagerungen enthalten, wenn
auch wenig, aber doch immer etwas kohlensauren Kalk in der Form von
Globigerinen-Schalen; dagegen sind die Reste von kieseligen Organismen in
manchen Theilen der Oceane so zahlreich, wie z. B. im nordwestlichen Stillen
Ocean, dass diese Ablagerungen, wie oben erwähnt, Radiolarien-Schlamm ge-
nannt worden sind. Alle Tiefsee-Thone enthalten überdies mikroskopisch kleine,
weisse und gefärbte Mineralpartikelchen, wie z. B. Quarz, Glimmer, Bimsstein,
Lava, Braunstein. Dieser letztere (Mangansuperoxyd) ist in allen Tiefsee-Thonen
vorhanden, in Gestalt von Körnern, zuweilen aber auch die Hälfte der ganzen
Thonablagerung bildend. In solchen grossen Mengen kommen diese mangan-
haltigen Substanzen vor bei den Canarischen Inseln, zwischen diesen und St. Thomas
mitten im Ocean, ferner südwestlich von Australien, nördlich und südlich von
den Sandwich-Inseln, nördlich von Tahiti und zwischen dieser Insel und
Valparaiso.
Bimsstein und Lava scheinen allgemein über die tiefsten Stellen des
Meeresbodens verbreitet zu sein, und an manchen Stellen sogar so häufig, dass
die Thonmassen fast ganz aus den Trümmern von Bimsstein bestehen, so z. B.
südlich von den Freundschafts-Inseln in 25° S-Br und 173° O-Lg in einer Tiefe
von 5303m. Murray will aus dieser Thatsache, dass Bimsstein oder blasige
Lava in allen Arten von Ablagerungen, vorzugsweise aber in der Nähe von
vulkanischen Inseln und in Tiefsee-Thonen angetroffen sind, schliessen, dass die
Trümmer derselben bis in die feinsten Partikelchen die Hauptquelle für die
thonigen Ablagerungen sind. Diese müssen ferner, nach seiner Ansicht, sich
sehr langsam niedergesetzt haben, wie aus den mit Braunstein mehr oder weniger
dicht inkrustirten Zähnen und Knochen von Haifschen und Cetaceen, die sich
am Boden dieser rothen Thone häufig vorfinden, hervorzugehen scheine. Die
meisten Bimssteinmassen und deren Zersetzungsprodukte verdanken ohne Zweifel
ihren Ursprung der sub-aerischen vulkanischen Thätigkeit, also hiermit den
Festländern und Inseln, indem sie durch Regen und Flussläufe von ihren, dem
Meere stets nahe gelegenen Heimathsstellen in das Meer übergeführt werden
and dort zum Boden niedersinken, nachdem sie durch Öberflächenströmungen
auf grössere oder kürzere Entfernungen hin fortgeführt worden sind. Ein nicht
yeringer Bruchtheil dieser vulkanischen Trümmergesteine, welche den Meeres-
boden bedecken, stammt aber sicherlich von den zahlreichen unterseeischen
vulkanischen Ausbrüchen her, welche namentlich in dem südlichen Stillen und
Atlantischen Ocean sehr häufig vorkommen, oft weite Flächen des Meeres mit
1) Die von dem Naturforscher der Gazelle-Expedition, Prof. Dr. Studer in Bern, gesammelten
zahlreichen Grundproben von Diatomeen (kieselpanzerige, einzellige, mikroskopische Algen) sind gegen-
wärtig Gegenstand eingehender Untersuchungen durch Fach-Autoritäten.