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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Organismen gebildet werden. Die meisten dieser Radiolarien kommen eben so 
häufig in dem Oberflächenwasser der Meere vor, als in den tiefsten Meeres- 
gründen, doch sind sie in dem Stillen Ocean noch häufiger, als in dem Atlanti- 
schen, namentlich in den äquatorialen Meerestheilen. Die Kieselpanzer dieser 
Organismen werden auf dem Boden fast aller Meere gefunden, selbst da, wo 
sie bei der ersten Prüfung der Bodenbestandtheile zu fehlen scheinen, lässt sie 
eine spätere sorgfältigere Untersuchung erblicken. Aber dennoch kommen sie 
nur in einigen begrenzten Gebieten in Tiefen von 4115 bis 8367m in so grossen 
Mengen vor, dass die Bodenablagerung durch sie charakterisirt wird, und man 
sie nach ihr benennen kann: so in dem westlichen und mittleren Theil des 
Stillen Oceans und in einem Theil des malayischen Archipels. Zwischen den 
Sandwich- und Gesellschafts-Inseln wechseln Gebiete des Radiolarien-Schlammes 
mit solchen des Globigerinen-Schlammes ab. In dem südlichen Stillen Ocean 
and im Atlanutischen Ocean ist der Radiolarien-Schlamm wenig, oder gar nicht 
vertreten und in dem südlichen Indischen Ocean wird er durch den Diatomeeon- 
Schlamm ersetzt.) 
Der Tiefsee-Thon, oder die rothen und grauen Thone, sind die am 
weitesten verbreiteten und in Tiefen von über 3660m vorgefundenen oceanischen 
Ablagerungen: im Atlantischen Ocean von 4389 bis 5852m und im südlichen 
{ndischen und Stillen Ocean von 3657 bis 7132m. Sie sind von grauer, meist 
aber rother oder dunkel chokoladenbrauner Farbe, in Folge ihres Gehalts an 
Eisenoxyd oder Manganoxyd. Die meisten dieser Ablagerungen enthalten, wenn 
auch wenig, aber doch immer etwas kohlensauren Kalk in der Form von 
Globigerinen-Schalen; dagegen sind die Reste von kieseligen Organismen in 
manchen Theilen der Oceane so zahlreich, wie z. B. im nordwestlichen Stillen 
Ocean, dass diese Ablagerungen, wie oben erwähnt, Radiolarien-Schlamm ge- 
nannt worden sind. Alle Tiefsee-Thone enthalten überdies mikroskopisch kleine, 
weisse und gefärbte Mineralpartikelchen, wie z. B. Quarz, Glimmer, Bimsstein, 
Lava, Braunstein. Dieser letztere (Mangansuperoxyd) ist in allen Tiefsee-Thonen 
vorhanden, in Gestalt von Körnern, zuweilen aber auch die Hälfte der ganzen 
Thonablagerung bildend. In solchen grossen Mengen kommen diese mangan- 
haltigen Substanzen vor bei den Canarischen Inseln, zwischen diesen und St. Thomas 
mitten im Ocean, ferner südwestlich von Australien, nördlich und südlich von 
den Sandwich-Inseln, nördlich von Tahiti und zwischen dieser Insel und 
Valparaiso. 
Bimsstein und Lava scheinen allgemein über die tiefsten Stellen des 
Meeresbodens verbreitet zu sein, und an manchen Stellen sogar so häufig, dass 
die Thonmassen fast ganz aus den Trümmern von Bimsstein bestehen, so z. B. 
südlich von den Freundschafts-Inseln in 25° S-Br und 173° O-Lg in einer Tiefe 
von 5303m. Murray will aus dieser Thatsache, dass Bimsstein oder blasige 
Lava in allen Arten von Ablagerungen, vorzugsweise aber in der Nähe von 
vulkanischen Inseln und in Tiefsee-Thonen angetroffen sind, schliessen, dass die 
Trümmer derselben bis in die feinsten Partikelchen die Hauptquelle für die 
thonigen Ablagerungen sind. Diese müssen ferner, nach seiner Ansicht, sich 
sehr langsam niedergesetzt haben, wie aus den mit Braunstein mehr oder weniger 
dicht inkrustirten Zähnen und Knochen von Haifschen und Cetaceen, die sich 
am Boden dieser rothen Thone häufig vorfinden, hervorzugehen scheine. Die 
meisten Bimssteinmassen und deren Zersetzungsprodukte verdanken ohne Zweifel 
ihren Ursprung der sub-aerischen vulkanischen Thätigkeit, also hiermit den 
Festländern und Inseln, indem sie durch Regen und Flussläufe von ihren, dem 
Meere stets nahe gelegenen Heimathsstellen in das Meer übergeführt werden 
and dort zum Boden niedersinken, nachdem sie durch Öberflächenströmungen 
auf grössere oder kürzere Entfernungen hin fortgeführt worden sind. Ein nicht 
yeringer Bruchtheil dieser vulkanischen Trümmergesteine, welche den Meeres- 
boden bedecken, stammt aber sicherlich von den zahlreichen unterseeischen 
vulkanischen Ausbrüchen her, welche namentlich in dem südlichen Stillen und 
Atlantischen Ocean sehr häufig vorkommen, oft weite Flächen des Meeres mit 
1) Die von dem Naturforscher der Gazelle-Expedition, Prof. Dr. Studer in Bern, gesammelten 
zahlreichen Grundproben von Diatomeen (kieselpanzerige, einzellige, mikroskopische Algen) sind gegen- 
wärtig Gegenstand eingehender Untersuchungen durch Fach-Autoritäten.
	        
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