Regula, H.: Über die Schwankungen der Passatgrenzen. 459
Die stark ausgezogene Linie in Fig. 1 bedeutet die aus den Beobachtungen
des Jahres 1936 abgeleitete äquatoriale Grenze des Nordostpassats, der sich von
Süden her die von der Südhalbkugel stammenden Luftmassen (Südostpassat und
Südwestmonsun) nähern, Die gestrichelte Linie bedeutet die Grenze nach den
Beobachtungen des Jahres 1935. Demnach sind den großen jahreszeitlichen Ver-
Jagerungen der Passatgrenzen zahlreiche kurze unperiodische Schwankungen über-
lagert, die offenbar von entsprechenden Änderungen der genannten Hauptdruck-
gebilde verursacht sind. Die vollständige Erfassung dieser Druckschwankungen
scheitert indessen zur Zeit an dem Mangel an Druckbeobachtungen., Lediglich
die Veränderungen des westafrikanischen Tiefs sind durch das Beobachtungsnetz
von Französisch-Westafrika erfaßbar, ferner zu einem Teil die Änderungen des
südlichen Roßbreitenhochs durch die brasilianischen Küstenstationen und die
Änderungen des Azorenhochkeils durch die Beobachtungen auf den Cap Verdeschen
Inseln. Jedoch fehlen im Raum zwischen diesen Inseln und dem Amazonasgebiet
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Trägheitsbahnen
Reibungslose Bewegung.
Fig. 2.
fast alle Meldungen. Ebenso ist das Fehlen synoptischer Meldungen von Ascension
sehr erschwerend für die Erfassung der Wetterentwicklung in der Tropenzone.
Die Erfahrung zeigt, daß entsprechend der in Richtung zum Äquator ab-
nehmenden Corioliskraft auch die Gradientkräfte, d. h. die sie erzeugenden Druck-
schwankungen, geringer werden. Bei der Tornadolage vom 18. bis 19. Juli 1934
an der westafrikanischen Küste können aus den synoptischen Meldungen folgende
24stündigen Druckanstiege entnommen werden:
St. Louis, . . . 16° Nordbreite 6.7 mb,
Dakar . . . . . 15° » 60
Ziguinchor . . . 121° ” 51
Conakry . . . 0. 9° 30
Monrovia. . . . 6° “ 26
Auch von den Druckwellen in Südamerika ist bekannt, daß ihre Amplitude
nach dem Aquator zu rasch abnimmt*). In der Tropenzone sind derartige Druck-
wellen von den Wellen des täglichen Ganges nur schwer zu trennen, jedoch sind
sie auch dort noch wetterwirksam, Am 15. Oktober 1934 durchquerte die „West-
falen“ in der Nähe von Pernambuco (8°S-Br.) eine gut ausgeprägte, von Süden
herankommende Kaltfront, die durch folgende Beobachtungen belegt werden kann:
Gegen 10% G, M, T. entwickelte sich eine lebhafte Schauertätigkeit; an der
Vorderseite der Schauer waren Böenkragen sichtbar. Der sonst sehr
stetige Südostpassat war unbeständig in Richtung und Geschwindigkeit.
1) Seilkopf: „Meteorologische Arbeiten zur Vorbereitung und Sicherung des Ozeanluftverkehrs.
Probleme und Ergebnisse.“ Met. Zschr. 1934.