56 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1937,
von Monat zu Monat. Da diese Beziehung für die drei Wintermonate aus ins-
gesamt 129 Wertepaaren abgeleitet werden konnte, kommt ihr bereits eine recht
große Wahrscheinlichkeit zu; im Sommerhalbjahr aber sind die Periodenlängen
der unregelmäßigen Wellen, in welchen die Intensität der allgemeinen Zirkulation
um ihren Mittelwert schwankt, wohl zumeist viel kürzer als im Winter, Für
den Sommer müßte man daher wahrscheinlich auf kürzere Zeiteinheiten als
Monate zurückgehen, wenn man als einfachste Grundlage einer langfristigen
Prognose die Erhaltungstendenz benützen wollte,
Noch ein anderer Umstand ist aus Tab. 1 zu entnehmen: In der letzten Zeile
ist die Anzahl der Fälle angegeben, in welchen die Anomalie der Zirkulation,
yemessen am Druckunterschied zwischen 30° und 65° N-Br, > 100% ist, in welchen
also diese Differenz entweder mindestens doppelt so groß ist als der Regelwert
der in welchen sich die Richtung des Druckgefälles umkehrt; solche Fälle
kommen fast ausschließlich nur in den Frühlingsmonaten März bis Juni vor.
Auch der thermische Effekt einer abgeschwächten Zirkulation erreicht ent-
schieden erst im Spätwinter seinen höchsten Wert, ©, Fink!) stellt fest: „Bilden
wir... die Abweichungen von den mittleren Monatssummen der negativen Tempe-
raturen nach Hellmann, so hat... der November 1, der Dezember 8, der
Jänner 8 und der Februar 13mal die größte negative Abweichung. 20 Navember
von 80 strengen Wintern hatten normale bis übernormale Temperaturen, das
sind 66%. In 12 Fällen oder 40% hatte auch noch der Dezember zu hohe
Temperaturen, Das Gewicht liegt also eindeutig auf dem Spätwinter,“
Man könnte meinen, daB erst im Spätwinter und im Frühling die stärksten
Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol auftreten, so daß gerade dann
bei Störung des Gleichgewichtes die wirksamsten Abweichungen vom normalen
Druckgefälle und damit auch die kräftigsten Temperaturanomalien sich einstellen
können. An der Erdoberfläche allerdings nimmt der Temperaturgegensatz
zwischen Äquator und Pol gewiß im großen und ganzen bereits vom Jänner an
wieder ab, doch ist eine Verzögerung dieses Jahresganges mit der Höhe anzu-
nehmen, weil sich in mittleren Breiten der jährliche Tempersturgang mit der
Höhe verzögert, während derselbe in den Tropen geringfügig bleibt, Vielleicht
hängt es damit zusammen, daß sich infolge der früher ausgeführten großen
Erhaltungstendenz der allgemeinen Zirkulation im Nordatlantischen Ozean wäh-
rend der Wintermonate starke Anomalien erst im Laufe des Winters, etwa vom
Dezember an, allmählich entwickeln, so daß der Höhepunkt dann erst auf das
Ende des Winters fällt.
Aus den bisherigen Betrachtungen ergibt sich, daß sich in den Wintermonaten
mit einer durchaus befriedigenden Wahrscheinlichkeit von rund 75% eine
Prognose für den Sinn der Anomalie der allgemeinen Zirkulation des Folgemonats
und damit wohl auch für den durchschnittlichen Wettercharakter des Folgemonats
geben läßt; das gilt aber vorläufig nur für das von A. Defant und A. Peppler
untersuchte Gebiet des Nordatlantischen Ozeans. Wollte man diese Methode auch
zu einer Prognose für Europa benützen, so wäre zu berücksichtigen, daß zwar
für den Wettercharakter in Nord- und Westeuropa wohl in erster Linie die
Intensität der Zirkulation im Nordatlantischen Ozean maßgebend ist; dagegen wird
gewiß die Korrelation um 80 kleiner, je weiter man in das Innere des Kontinents
hineingeht, und damit würde auch die Güte der Prognose immer schlechter.
Für Mitteleuropa und für sonstige Gebiete in mittleren Breiten der nördlichen
Halbkugel dürfte es, solange eingehendere Untersuchungen fehlen, zweckmäßig
sein, nicht allein von der Zirkulation im Nordatlantischen Ozean im Vormonat
auszugehen, sondern die Zirkulationsverhältnisse auf der ganzen nördlichen Halb-
kugel in Betracht zu ziehen, Wenn man sich auf solche Wintermonate beschränkt,
in welchen die Verstärkung oder Abschwächung der allgemeinen Zirkulation
ziemlich einheitlich auf der ganzen nördlichen Halbkugel ausgesprochen ist,
dann ist zu erwarten, daß mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Folgemonat
auf dem größten Teile des betrachteten Gebietes die Anomalie der allgemeinen
Zirkulation ihr Vorzeichen beibehält,
4 0, Fink, Zur Thermodynamik strenger und milder Winter, Dissertation Leipzig 1936.